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Tom Schwede, bewegt alles, was vier Räder hat Hallo, ich bin Tom — zusammen mit der Auto Blogger Crew mit viel Benzin im Blut blogge ich hier im Auto-Blog für Auto-Natives über Autos. Seit 2007 gibt es in diesem Blog regelmäßig Reportagen, Tests und Meinungen rund ums Auto. Dazu zählen auch Beiträge über Oldtimer oder Youngtimer sowie über Motorsport.

 




Gewinnmaximierung gehört zu den Grundpfeilern der Marktwirtschaft. Doch Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent in wenigen Jahren lassen sich nicht mit normalen Marktprozessen erklären. Bei Autoersatzteilen gibt es sie trotzdem. Das Dumme daran ist, dass wir am Ende die Zeche bezahlen – selbst wenn wir die Ersatzteile gar nicht benötigen.

In der vergangenen Woche berichtete der SPIEGEL über Wucher beim Verkauf von Kfz-Ersatzteilen. Nach Informationen des Nachrichten-Magazins prüft die EU-Kommission zurzeit, ob sich hinter den Preiserhöhungen einiger Auto-Konzerne Absprachen verbergen. Als ich diese Nachricht las, fiel mir eine Pressemitteilung des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft wieder (GDV) ein. Im GDV sind praktisch alle in Deutschland tätigen Versicherer organisiert. Der GDV wies bereits im vergangenen Herbst auf die seit Jahren auffällig stark steigenden Preise für Autoersatzteile.

Als Dienstleistung für seine Mitglieder fertigt der GDV umfangreiche Statistiken an. Die Versicherer nutzen diese bei der Kalkulation ihrer Prämien. Im Rahmen dieser Analysen recherchieren die Ingenieure und Statistiker des GDV einmal pro Jahr die Ersatzteilpreise für 20 verschiedene Fahrzeugtypen. Die Auswahl der Fahrzeuge ist ein Best-of des Marktes, reicht vom Kleinwagen bis zum Oberklasse-Modell und berücksichtigt unterschiedliche Hersteller. Im Rahmen der Statistik erheben die Statistiker des GDV die Preise von jeweils zwölf Ersatzteilen.

Preisentwicklung von Autoersatzteilen (Quelle: GDV)
Preisentwicklung von Autoersatzteilen (Quelle: GDV)

Darunter sind unter anderem die vorderen Stoßfänger, Frontscheinwerfer, Windschutzscheiben, einige Blechteile sowie die Rücklichter. Aus den Meldungen ihrer Mitglieder weiß der GDV, dass diese Teile nach Unfällen überdurchschnittlich häufig auszutauschen sind. Insofern ergibt sich aus der Auswahl der Fahrzeuge und ihrer Ersatzteile eine durchaus repräsentative Betrachtung des Markts. Die Analyse bestätigt, warum die Schadenaufwendungen der Versicherer für Unfallreparaturen seit Jahren konstant steigen.

25 Prozent Preissteigerung in sechs Jahren!

Denn 2013 kostete ein Pkw-Sachschaden die Kfz-Haftpflichtversicherer im Schnitt rund 2.400 Euro. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert bereits 2.700 Euro. Wobei sich die Ersatzteile als Kostentreiber erweisen. Denn im Beobachtungszeitraum verteuerten sich Pkw-Ersatzteile durchschnittlich um fast ein Viertel. Der Preis für Rückleuchten stieg in den vergangenen gut fünf Jahren seit 2013 um fast 50 Prozent. Kofferraumklappen verteuerten sich um über 30 Prozent.

Damit stiegen die Kosten für Kfz-Ersatzteile deutlich schneller als die Inflationsrate. Denn der Verbraucherpreis-Index stieg im gleichen Zeitraum „nur“ um 6,9 Prozent. Der Bericht des SPIEGEL lässt jetzt befürchten, dass das alles kein Zufall ist. Denn, wie der SPIEGEL berichtet, setzen mindestens vier Auto-Konzerne bei der Preisfindung ihrer Ersatzteile eine Software der Unternehmensberatung Accenture ein.

Übersicht zu Preisentwicklung ausgewählter Autoersatzteilen (Quelle GDV)
Übersicht zu Preisentwicklung ausgewählter Autoersatzteilen (Quelle GDV)

Die Software ermittelt, welchen Wert ein bestimmtes Ersatzteil für die Kunden hat und setzt die Preise entsprechend fest. Neben Renault-Nissan setzen PSA, Jaguar Land Rover und Chrysler laut des SPIEGEL die Software ein. Nach Einsatz der Software stieg der Preis für einen Rückspiegel bei Renault von zuvor 79 Euro auf inzwischen 165 Euro. Wer die Analysen des GDV mit den Recherchen des SPIEGEL vergleicht, der entdeckt erschreckende Parallelen.

Und am Ende wird die Haftpflicht teurer

Denn laut des Nachrichtenmagazins SPIEGEL verdienten die Autohersteller durch den Einsatz der Software in zehn Jahren mindestens 2,6 Milliarden Euro. Weil das Ersatzteilgeschäft meist auf Unfallschäden zurückgeht, stammt ein Großteil des Gelds von Haftpflichtversicherern. Doch das ist kein Grund zum Frohlocken. Denn Versicherungen sind Wirtschaftsunternehmen, die ihre gestiegenen Schadenkosten über Prämienerhöhungen an ihre Kunden weitergeben. 

Damit zahlen am Ende die Autofahrer die Zeche für den Wucher der Autohersteller.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Beleg des Windunfalls, den Christian und ich 1990 auf der Autobahn hatten.

Foto: Christian Rath

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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