Früher warb Ford einmal mit dem Slogan „Ford, die tun was“. Heute ist man in Köln – zumindest werblich – eine Idee weiter. Doch gut Ding will offensichtlich Weile haben. Mehr als ein Jahr nach der Ankündigung auf der IAA kommt der neue Mondeo jetzt endlich zu den Händlern. Zumindest kann er dort jetzt bestellt werden. Endlich, sagen die Fans der Marke.

Zum Ford-Konzern gehört die Idee des Weltautos. Anfang des Jahrtausends basierte der Mondeo daher auf der gleichen Bodengruppe wie der Volvo S60, der Mazda6 und der Jaguar X-Type. Von Jaguar und Volvo trennten sich die Amerikaner. An Mazda hält Ford einen Minderheitsanteil von 3,5 Prozent. Mit dem neuen Ford Mondeo folgen die Amerikaner erneut zwar dieser Idee, bleiben aber in der engeren Familie. Der neue Mondeo ist ein Zwillingsbruder des amerikanischen Ford Fusion sowie des amerikanischen Lincoln MKZ.

Alle drei Modelle basieren auf der CD4-Plattform der Amerikaner, die die Entwicklungszeiten und Kosten reduzieren soll. Von der CD4-Architektur profitiert in den USA auch der Ford Edge. Diesen SUV nahm die Autobild kürzlich schon mit ihrem bekannten Zollstock unter die Lupe. Für mich dokumentiert der SUV die Flexibilität der Plattform. In Europa werden auch die nächsten Generationen des S-Max und des Ford Galaxy auf dieser Basis aufbauen.

Karosserieversionen – dreimal Mondeo

Weil die Amerikaner zurzeit kein großes Interesse an Kombis haben, gibt es den Ford Fusion in den USA ausschließlich als Stufenhecklimousine. Wobei die Silhouette fast coupéhafte Züge hat. Diese Karosserieversion ist in Europa ausschließlich und exklusiv mit Hybridantrieb verfügbar. Das Standardmodell in Europa ist eine fünftürige Karosserievariante. Dazu gibt es in Europa auch einen Kombinationskraftwagen. Er heißt im Sinne der Ford-Tradition Turnier.

Die drei Karosserievarianten des neuen Ford Mondeo (Foto: Ford)
Die drei Karosserievarianten des neuen Ford Mondeo (Foto: Ford)

Zum Marktstart gibt es den neuen Ford Mondeo in zwei Ausstattungsvarianten. Sie heißen „Trend“ und „Titanium“. Im nächsten Jahr folgen eine Basisvariante „Ambiente“ sowie die Top-Version „Vignale“. Ford rühmt sich, dass bereits das Grundmodell „Trend“ mit Ausstattungsdetails aufwarten kann, die bis vor einigen Jahren als Luxus galten. Bezieht sich dabei auf die 2-Zonen-Klimaautomatik, das vom Lenkrad fernbedienbare CD-Audiosystem sowie das umfassende Sicherheitspaket.

Zu diesem Sicherheitspaket gehört auch das MyKey-Schlüsselsystem. Beim Fahren mit dem Zweitschlüssel ermöglicht es die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit oder der Radiolautstärke. Ford denkt dabei an den Nachwuchs, dem besorgte Eltern so ihren Mondeo ruhigen Gewissens in die Hand geben könnten. Zweifel am Sinn solcher technischen Begrenzungen hat Karla hier im Auto-Blog für echte Auto-Natives bereits vor gut zwei Jahren geäußert.

Die aktuelle Top-Version des neuen Ford Mondeo nennt sich „Titanium“. Zu ihr gehören unter anderem das sprachgesteuerte Konnektivitätssystem Ford SYNC 2 mit acht Zoll (20,3 Zentimeter) großem Touchscreen. Dazu kommen weitere Sicherheitssysteme wie ein Fahrspur-Assistent, eine Fernlicht-Automatik sowie eine Geschwindigkeitsregelanlage. Zudem verfügt der „Titanium“ über Sportsitze. Vielleicht bietet Ford diese Ausstattungsvariante daher in der Presseaussendung erst ab einer Motorisierung von 150 PS an. Anders als in der Händlerpreisliste. Denn die kennt auch einen 115PS-Diesel-Titanium.

Motoren und Antrieb: zwei Benziner, zwei Diesel sowie der Hybrid

Die Dieselmotoren des neuen Mondeo sind „alte“ Bekannte. Drei Leistungsstufen sind verfügbar: 115 PS, 150 PS und 180 PS. Wobei die beiden „Kleinen“ über 1,6 Liter Hubraum verfügen, während der „Große“ seine Kraft aus einem Hubraum von zwei Litern schöpft. Auch wenn die Aggregate bereits im Vorgänger verfügbar waren, sind das topaktuelle Motoren. Der kleine Diesel soll sich im Normverbrauch mit 3,6 Litern/100 Kilometer begnügen. Damit liegen die CO2-Emissionen bei vorbildlichen 94 g/Kilometer.

Wer lieber Benzin verfeuert, kann ebenfalls zwischen drei Leistungsstufen wählen: 160PS, 203PS und 240PS stehen zur Auswahl. Auch hier basieren die beiden „schwächeren“ Versionen auf einem kleineren Motor. Das 1,5-Liter-Aggregat ist brandneu. Es verfügt wie alle anderen Mondeo-Motoren über ein Start-Stopp-System. Ford gibt den Verbrauch mit 5,8 Liter für 100 Kilometer an.

Im kommenden Jahr wird Ford im Mondeo auch den 1,0-Liter großen Dreizylinder-Benzindirekteinspritzer anbieten. Dieser Motor gilt als Schmuckstück. Die Fachwelt zeichnete ihn bereits dreimal als Motor des Jahres aus. Ebenfalls 2015 soll es eine Allrad-Version des neuen Ford Mondeo geben. Die aktuellen Modelle verfügen alle über den klassentypischen Frontantrieb.

Ford Mondeo Hybrid – der erste hybride Ford in Europa

Stolz ist man bei Ford auf den Mondeo Hybrid. Es ist der erste hybride Ford in Europa. Die Systemleistung von 177PS stellen dabei ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner und ein Elektromotor zusammen zur Verfügung. Der Elektromotor übernimmt bei niedrigen Geschwindigkeiten bis 100 km/h und auf kurzen Strecken den Antrieb. Die dafür notwendige Energie speichert eine Lithium-Ionen-Batterie. Sie kann eine Leistung von 1,4 kWh aufnehmen. Den notwendigen Strom „gewinnt“ ein regeneratives Bremssystem.

Der Ford Mondeo Hybrid wird exklusiv als Stufenheck-Limousine angeboten (Foto: Ford)
Der Ford Mondeo Hybrid wird exklusiv als Stufenheck-Limousine angeboten (Foto: Ford)

Ungewöhnlich ist der „variable Hub“ des Benzinmotors. Wobei Ford das in den Pressemeldungen unglücklich ausdrückt. Gemeint ist bisher „nur“ ein variabler Ventilhub. Denn Ford verwendet (noch) keinen sogenannten Atkinson-Motor, obwohl es 2009 eine entsprechende Ankündigung gab. Bei einem Atkinson-Motor gibt es einen unterschiedlichen Kolbenhub für das „Ansaugen/Verdichten“ und „Expandieren/Ausstoßen“. Das verlängert den Expansionsdruck und trägt zur Verbesserung des Wirkungsgrads des Motors bei. Ford setzt, um den Wirkungsgrad des Motors zu steigern, auf ein spät schließendes Einlassventil. Das sorgt bei gleichem Verdichtungsverhältnis für ein größeres Expansionsverhältnis. Miller-Kreisprozess nennen Fachleute dieses Prinzip.

Die Preise des neuen Ford Mondeo

Das Einstiegsmodell liegt auf dem Niveau des Vorgängers. Der 160 PS starke Mondeo Trend kostet als 5-sitzige Limousine 27.150 Euro. Wer sich für den Kombi interessiert, muss mindestens 28.150 Euro einplanen. Der Hybrid mit dem Atkinson-Motor kostet mindestens 34.950 Euro. Der Start in die Diesel-Welt beginnt bei 28.200 Euro für die Limousine mit dem den 115 PS starken Selbstzünder. Der günstigste Diesel-Turnier kostet 29.200 Euro.

Es wird spannend, wie der neue Mondeo am Markt funktioniert! Ford nahm sich viel Zeit, um Amerikaner Ford Fusion als Ford Mondeo an die Bedürfnisse der anspruchsvollen europäischen Kunden anzupassen. In Nordamerika stellte Ford den aktuellen Ford Fusion bereits 2012 vor. Bis Ende dieses Jahres 2014 soll der neue Mondeo endlich bei den Händlern stehen. Zur Verzögerung trug auch bei, dass Ford das Werk im belgischen Genk, wo der Mondeo bisher vom Band lief, schloss. Der neue Mondeo ist daher ein Spanier, wird in Valencia gefertigt.

Bei den Ausstattungsvarianten vermisse ich natürlich die Bezeichnung „Ghia“. Diesen Namen hat Ford genauso wie V6-Motoren ja schon vor längerer Zeit über Bord geworfen. Meine eigenen Erfahrungen mit dem Mondeo sind nicht gerade positiv. Aber das ist 20 Jahre her. Inzwischen ist viel Wasser den Rhein und den Rouge River hinabgeflossen.

Der neue Ford Mondeo ist zeitgemäßes Auto, das in der Mittelklasse gegen die Vertreter von Audi, Opel, VW und Mazda antritt. Traditionell stark ist Ford im Firmengeschäft. Dort hat Opel mit dem Insignia in letzter Zeit erheblich an Boden gut gemacht. Insofern wird spannend, ob Ford mit dem neuen Mondeo zum Gegenschlag ausholen kann.

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