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Was das „Run off Road“ Sicherheitssystem im neuen Volvo XC90 mit einem Freizeitpark zu tun hat

Die Sicherheit unser Autos hat in den vergangenen Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht. Bis zum Zweiten Weltkrieg galten Autounfälle als kaum überlebbar. Der Innenraum war ein – im Fall der Fälle – ein ziemlich lebensfeindlicher Ort. Das Lenkrad stand fest im Weg, die Armaturenbretter waren aus Metall geformt. Da die Autos noch nicht über die heute üblichen Knautschzonen verfügten, gaben sie Aufprallkräfte bei einem Unfall direkt und ungehemmt an die Insassen weiter.

In den USA begannen die Hersteller mit systematischer Unfallforschung und machten auf Grundlage der Forschungsergebnisse ihre Fahrzeuge sicherer. In den 1950er-Jahren folgten die europäischen Hersteller. Neben Mercedes-Benz gilt auch Volvo traditionell als Sicherheitspionier. Heute sind in der Unfallforschung standardisierte Testverfahren üblich. Dazu haben Autohersteller, Verkehrsverbände und Behörden unterschiedliche Verfahren entwickelt, die teilweise sogar Bestandteil der Zulassungsverfahren sind. Sie ermöglichen es, Autos hinsichtlich ihrer Sicherheit zu beurteilen.

Trotzdem lässt sich das Rad auch heute noch weiterdrehen. Denn in den heute standardisierten Testverfahren fahren Autos gegeneinander oder gegen Hindernisse. Bei Volvo fragten sich die Entwickler zusätzlich, welche Gefahren auf Fahrzeuginsassen lauern, wenn das Auto unplanmäßig die Straße verlässt. Ich weiß nicht, ob „nur“ die Weite Schwedens die Entwickler veranlasste, über dieses Thema nachzudenken. Vielleicht war es auch das Unternehmensziel, dass ab dem Jahr 2020 Autofahrer eines neuen Volvo alle denkbaren Unfallsituationen überleben. Die Frage, was in einem die Strasse verlassenden Auto passiert, nimmt auf dem Weg zum Erreichen des Ziels eine wichtige Rolle ein.

Ablenkung, Müdigkeit oder schlechte Witterungsbedingungen machen „da ging mir plötzlich die Straße aus“ zu einem typischen Unfallszenario. In den USA lässt sich mehr als die Hälfte der Verkehrstoten auf solche Unfälle zurückführen. In Volvos Heimat Schweden immerhin ein Drittel. Bei der Analyse dieser Unfälle stießen die Entwickler auf Unfallmuster, die sie „Graben“, „durch die Luft“ und „unwegsames Gelände“ nannten. Zudem zeigte sich, dass im Fahrzeuginneren äußerst komplexe Situationen entstehen, wenn sich die Insassen im Fahrzeug unkontrolliert bewegen.

Schwerstarbeit für die Rückhaltesysteme!

Auf der Suche nach Lösungen ging Volvo zweistufig vor. Neben Prüfständen, wo die Autos gezielt in tiefe Gräben und gegen Böschungen fahren, nutzen die Ingenieure bei Volvo auch einen mehrachsigen Industrieroboter. Die Idee dazu kam einem der Entwickler, als er mit seinen Töchtern das Legoland in Dänemark besuchte. Beim Beobachten eines Fahrgeschäfts mit dem Namen „Robocoaster“ erkannte der Ingenieur Anders Axelson Parallelen zu Bewebungsabläufen, die er aus seiner Forschungsarbeit kannte.

Dämpfer des Run off Road Sicherheitssystems in den Vordersitzen.
Dämpfer des Run off Road Sicherheitssystems in den Vordersitzen. (Foto: Volvo)

Zusammen mit dem Roboterhersteller ABB entstand daraufhin ein spezieller Prüfstand bei Volvo. Der besteht aus einem Fahrzeugsitz und einem Rückhaltesystem, die der Industrieroboter kontrolliert bewegen kann. Dieser wird dabei so programmiert, dass er die Bewegungen der Passagiere wie in den definierten Unfallszenarien simuliert. Mit diesem Prüfstand konnte Volvo die Forschungsarbeit intensivieren und die Zahl der Tests deutlich steigern.

Ergebnis: „Run off Road“ Sicherheitssystem im neuen Volvo XC90

Mit seinem neuen „Run off Road“ Sicherheitssystem stellt Volvo jetzt ein erstes Ergebnis dieser Forschungsarbeit im neuen Volvo XC90 vor. Das System erkennt typische Bewegungsmuster, wie sie beim Abkommen von der Fahrbahn auftreten. Beim Auslösen strafft das System elektrisch die vorderen Sicherheitsgurte und zieht sie so lange fest, wie sich der XC90 bewegt. Mit einer Aufrollkapazität von einem Millimeter pro Sekunde kann der Gurtstraffer zehn Zentimeter Gurt in nur 0,1 Sekunden aufrollen.

Zweiter Bestandteil des Systems ist ein spezieller Dämpfer in den Vordersitzen. Dieser federt die vertikalen Kräfte ab, die bei einer harten Landung des Fahrzeugs im Gelände entstehen. Mit beiden Maßnahmen will Volvo Wirbelsäulenverletzungen verhindern. Denn beim unplanmäßigen Verlassen der Fahrbahn stellen Verletzungen im Brust- und Lendenwirbelbereich bisher das größte Verletzungsrisiko dar. Zunächst ist das „Run off Road“ Sicherheitssystem nur im XC90 verfügbar. Der neuen SUV ist jedoch Vorreiter einer neuen Fahrzeugfamilie der Schweden. Sollte zum XC90 tatsächlich ein Coupé folgen, werden auch die Brüder und Schwestern des SUV mit dem System ausgerüstet.

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