Audi zeigte gestern Abend am Stammsitz in Ingolstadt das neue Audi A5 Coupé. Ich hatte Gelegenheit, bei der Premiere des Mittelklasse Coupés dabei zu sein. 

Das Coupé gilt bei vielen Autobauern bis heute als Krone des Programms. Ähnlich wie Sportwagen steht die Gattung der Coupés für das ungezwungene Fahren als Selbstzweck. Das ist schon an der Herkunft des Namens Coupé zu erkennen, der noch aus der Zeit der Kutschen stammt. Aus den viersitzigen Kutschen, die ein Arbeitsmittel waren, wurden durch „Abschneiden“ zweisitzige Luxusfahrzeuge. Mit diesen Zweisitzern waren die unterwegs, die nur sich selbst und allenfalls eine Begleitung zum Zeitvertreib von A nach B bringen wollten. Aus dem „Abschneiden“ – im Französischen heißt das couper – wurde Coupé.

In den 1930er-Jahre bildete sich auch beim Automobil eine vergleichbare und genauso lustbare Fahrzeuggattung heraus. Während bei der Gestaltung von Alltagsware wie Kombinationskraftwagen, Limousinen oder Geländewagen ihre Funktionalität als Transportmittel die Form bestimmt, dürfen die Autodesigner bei der Gestaltung eines Coupés traditionell die Form selbst in den Mittelpunkt stellen. Und so gelten heute ein kurzes abgeflachtes Dach, das zwei Säulen tragen und das zwei Sitze im Innenraum überspannt, als die Zutaten für ein feines Coupé.

Bilder von der Weltpremiere des neuen A5 Coupé

Zu den ersten Fahrzeugen, die die Bezeichnung Coupé trugen, gehörten die wunderschönen stromlinienförmigen Coupés, die der Reutlinger Karosseriebauer Wendler auf Basis des BMW 328 schon vor dem Zweiten Weltkrieg baute. Mit dem Wirtschaftswunder kehrte das Coupé nach dem Zweite Weltkrieg schnell auf den automobilen Speisezettel zurück. Als Meilenstein der deutschen Automobilhistorie gilt auch das 1956 vorgestellte Borgward Isabella Coupé.

Auch beim Audi-Vorgänger Auto Union konnte man Coupé.

Ebenfalls 1956 begeisterte der DKW Monza auf Basis des „Großen DKW 3=6“ der Auto Union das Publikum und die Fachpresse. Für mich ist dieser Monza bis heute eines der schönsten Autos, die je in Deutschland gebaut wurden. Schade, das vom Monza nur rund 240 Exemplare entstanden. Zwei Jahre nach dem Monza gab es in Ingolstadt mit dem Auto Union 1000 Sp das nächste Coupé.

Kein Wunder, dass beide Fahrzeuge gestern bei der Premiere des neuen A5 Coupé eine tragende Rolle spielten. Genauso wie der legendäre Audi Quattro übrigens – mit dem Audi in den 1980ern eine Revolution lostrat. Und natürlich genauso wie das legendäre Audi 100 Coupé S. Ein Exemplar dieses Klassikers, den Audi von 1970 bis 1976 im Programm hatte, haben wir kürzlich beim Youngtimer Vestival auf Zeche Ewald als Preisträger ausgezeichnet.

Bei Audi ist man auf diese Ahnenreihe und die lange Coupé-Tradition offensichtlich stolz. Mit dem 2007 präsentierten A5 Coupé gelang, erfolgreich an die lange Tradition anzuknüpfen. Mehr als 340.000 Exemplare des Mittelklasse-Coupés verkauften die Ingolstädter bisher. Das ist in dieser Fahrzeugklasse, die es vor dem A5 Coupé eigentlich gar nicht (mehr) gab, ein Erfolg. Erfolg macht vorsichtig und sorgt jetzt offenbar dafür, dass die Verantwortlichen sich beim Neuen eng am erfolgreichen Vorgänger orientieren.

Die zweite Generation des A5 Coupé folgt eindeutig der klaren Linie Ingolstädter Sachlichkeit, die Walter Maria de Silva mit der ersten Generation vorgab. Sicherlich, insgesamt haben die Nachfolger des großartigen Designers die Konturen der Karosserie geschärft. Neu gestylt wurde die Front. Ihre Gestaltung orientiert sich an dem, was wir von den jüngsten Audi-Modellen bereits kennen. Dazu gibt es neue Lichter, die gefallen weil sie sich tief in die Seite des Coupé hineinziehen.

Und es gibt, das ist die auffälligste Neuerung, jetzt eine Sicke. Sie zieht sich über die gesamte Seitenlinie hinweg. Dabei beschreibt sie zwei Bögen. Das deutet ausgestellte Kotflügel an und erinnert damit an den legendären Quattro. Auch wenn dort die Kotflügel wesentlich stärker ausgestellt waren. Doch bei mir erzeugt die Sicke noch eine andere Assoziation. Denn besonders im Bereich des hinteren Kotflügels erinnert mich eher Ausformung an die Muskeln, über die unser Akrobat Mono an den Hinterläufen verfügt. Als Muskel interpretiert ist diese Sicke eines der Elemente, die die ganze Kontur schärfen und die den Neuen etwas bulliger als der Vorgänger erscheinen lassen.

Trotzdem ist das Design des neuen A5 Coupé in meinen Augen insgesamt eher eine Evolution als eine Revolution. Die Gestaltung ist nicht so mutig wie das von Audi zu Premiere verkündete Hashtag #SoGehtCoupé. Aber schon Muhammad Ali wusste: „To be a great champion you must believe you are the best. If you’re not, pretend you are.“ Offensichtlich hat man im Marketing von Audi dem Champ gut zugehört.

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