Künstliche Intelligenz ist vielfältig einsetzbar. Sie lenkt Autos oder erkennt den Inhalt von Briefen, die Kunden an Behörden und Unternehmen schreiben. Manchmal optimiert sie auch die Vorschläge der Online-Händler, die Dein Einkaufserlebnis verbessern sollen. Jetzt präsentiert Jaguar Land Rover einen weiteren Anwendungsfall. Der britische Autobauer will die Gefühlslage von Autofahrern erkennen, um anschließend Stress zu reduzieren.

Denn passend zur Gefühlslage will Jaguar Land Rover dann den Innenraum des Autos behaglich einrichten. Das Ziel ist weniger Stress und mehr körperliches Wohlbefinden. Herzstück dieser Technik ist eine auf den Fahrerplatz gerichtete Kamera. Über ihre Bilder analysiert dann eine Künstliche Intelligenz die Mimik des Fahrers, um daraus seine Schlüsse zu ziehen. Wenn sich die Mimik ändert, reagiert das System mit Anpassungen des Raumklimas, steuert die Medieneinstellungen oder die Beleuchtung des Innenraums.

Treue Leser wissen, von meinen Vorbehalten gegenüber Software. Abgesehen davon wäre ein Computerprogramm, das meine Musik ändert, so ziemlich das Letzte, was ich mir beim Autofahren wünsche. Zumal sich das Ganze ja schnell um weitere Parameter erweitern lässt. Ups, da war ich etwas zu schnell! Schon dröhnt mir aus den Boxen beruhigende klassische Musik oder ein langweiliger Französischer Chanson von Charles Aznavour entgegen.

Mich würde das stressen!

Damit erreicht so eine Software bei mir genau das Gegenteil des Gewollten. Wobei so ein System, wenn es sein Hersteller konsequent zu Ende denkt, möglicherweise auch Gutes bewirkt. Denn ich kann nicht vermeiden, beim Thema Erkennen der Gefühlslage an eine Dame aus unserer Nachbarschaft zu denken. Karla und ich nennen sie die Mürrische. Denn sie schiebt ihre schlechte Laune IMMER deutlich sichtbar vor sich her. Das macht schon Begegnungen auf dem Bürgersteig zu einem zweifelhaften Vergnügen. Grüßen wird überbewertet.

Die Mürrische im Straßenverkehr zu treffen, ist ebenfalls schwierig. Denn mit ihrer Keksdose rast sie wahlweise mit hoher Geschwindigkeit durch die umliegenden 30er-Zone oder erscheint formatfüllend und schimpfend im Rückspiegel. Die regelmäßig neuen Beulen an ihrem Fahrzeug sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Dame unbelehrbar ist. Möglicherweise hätte so eine Software bei der Mürrischen vielleicht sogar einen Sinn. Denn so einer Person müsste eine Stimmungserkennung eigentlich schon den Start des Autos verweigern.

Ein Wunschtraum? Nein!

Denn es gibt Länder auf der Welt, die die Überwachung im Auto sicher gerne bald ausdehnen würden. Rosa Luxemburg sagte einmal den häufig missverstandenen Satz „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“. Die Kommunistin hatte, anders als Ihr Zitat klingt, für Demokratie und Meinungsvielfalt wohl nicht viel übrig. Das passt zu Ländern, die einer wie der Mürrischen das Fahren durch eine Künstliche Intelligenz sicher verbieten würden, wenn es geht. Jaguar Land Rover schafft dafür gerade die Grundlage!

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