30 Jahre muss ein Auto erreichen, um mit dem H-Kennzeichen fortan als Oldtimer unterwegs zu sein. Ich habe mir sechs Fahrzeuge rausgesucht, die 1985 vorgestellt wurden. Interessanterweise wurde die Liste erstaunlich italienisch. Denn gleich drei der angehenden Oldtimer stammen aus dem Land, das Goethe mit blühenden Zitronen verband.

Alfa Romeo 75

Für echte Fans der Marke Alfa Romeo ist der Alfa Romeo 75 der letzte seiner Art. Vorgestellt 1985 nahm der Name Bezug auf der 75. Firmenjubiläum. Knapp ein Jahr danach verkaufte die italienische Regierung das damalige Staatsunternehmen an Fiat. Alfa Romeo verlor seine Eigenständigkeit. Mit seiner charakteristischen Transaxle-Bauweise (Motor vorn, Getriebe hinten) war der 75 für mehr als 20 Jahre Alfas letzte Neuvorstellung mit Heckantrieb. Erst mit den Sportwagen 8C Competizione und 4C vertraute die Fiat-Tochter wieder auf an den Antrieb der Hinterräder.

Bei der Entwicklung des Alfa Romeo 75 regierte in Mailand bereits der Schmalhans, der zuvor bereits für den Arna verantwortlich zeichnete. Und so teilt sich der 75 ungewöhnlich viele Teile mit seinem 1977 vorgestellten Vorgänger Giulietta. Die Fahrgastzelle überstand den Modellwechsel fast unverändert. Eine Kunststoffleiste unterhalb der Fenster kaschierte, dass die Türbleche einer alten Giulietta auch in den neuen 75er passen. Wie sein Vorgänger gab es auch den Alfa Romeo 75 mit Vier- und mit Sechszylinder-Motoren. Außerhalb Deutschlands war sogar ein Dieselmotor lieferbar.

Saab 9000 / Fiat Croma

Der Planung für den Saab 9000 begann bereits Ende der 1970iger-Jahre. Den Schweden wurde schnell klar, dass sie einen Partner benötigen, um ein Fahrzeug der oberen Mittelklasse zu entwickeln. Alleine hätten sie die Entwicklungskosten nicht tragen können. Mit der Fiat-Tochter Lancia fand Saab den geeigneten Partner. Kurze Zeit später schloss sich auch Alfa Romeo – damals noch eigenständig – dem Joint-Venture an. Aus der Zusammenarbeit gingen vier Fahrzeuge hervor: Lancia Thema (1984), Saab 9000 und Fiat Croma (beide 1985) sowie der Alfa Romeo 164 (1987).

Mit dem Einsatz von Gleichteilen wollten die Initiatoren Kosten sparen. Bei Saab führte die Zusammenarbeit dazu, dass der 9000 ohne ein markentypisches Merkmal auskam. Sein Zündschloss ist – anders als bei den Modellen Saab 99, 90 oder 900 – nicht am Schalthebel positioniert. Fahrwerksteile wie Domlager oder Federbeine sind bei allen vier Fahrzeugen identisch. Auch die Türen und die Windschutzscheibe sind zumindest bei den von Giorgetto Giugiaro und seiner Firma Italdesign gestalteten Fahrzeugen gleich geformt. Nur der bei Pininfarina entworfene Alfa Romeo 164 verfügt an dieser Stelle über etwas Eigenständigkeit.

Die größten Unterschiede gab es bei den Motoren. Saab bot bei der Vorstellung 1985 nur eine Motorenvariante an. Der wassergekühlte 4-Zylinder-Otto-Motor mit Turbolader, 1985 ccm Hubraum, 16 Ventilen und zwei obenliegenden Nockenwellen leistete 175 PS. Ein Jahr nach Vorstellung schickte Saab den 9000 in Talladega auf Rekordfahrt. Dabei legte der Saab 9000 turbo 100.000 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 213,299 Kilometern pro Stunde zurück.

Bei Fiat gab es den Croma zunächst ebenfalls nur als Benziner. Zwei Jahr nach Einführung des Modells stellte Fiat im Croma den ersten serienmäßigen Dieseldirekteinspritzmotor überhaupt vor. Dabei verpasste Fiat eine Marketingchance. Denn die Italiener boten ihren Motor zunächst nur auf dem Heimatmarkt an. Kurze Zeit nach Fiat brachte Audi seinen ersten TDI, den ich kürzlich ausprobieren konnte, weltweit auf den Markt – und gilt damit heute als Erfinder der Dieseldirekteinspritztechnik.

Ford Scorpio

Als Ford 1985 den Granda ablöste, setzten die Kölner weiter auf den klassischen Heckantrieb. Dafür zeigte sich Ford bei der Form progressiv. Statt wie beim Vorgänger auf die klassische Form der Limousine zu setzen, gab es den Ford Scorpio zunächst ausschließlich mit Fließheck. Doch mit dem „Aero-Heck“ verprellte Ford teilweise die Stammkundschaft. Als Ford nach vier Jahren endlich das Stufenheck nachlegte, galt der Scorpio schon als Flop. Da half auch nicht, dass der Scorpio als erstes Großserienmodell serienmäßig mit Antiblockiersystem verkauft wurde.

Lancia Y10

Heute wird er oft vergessen, dabei war der Lancia Y10 der erste Lifestyle-Kleinwagen. Sein Design war beim Debüt futuristisch. Zur Betonung des Hecks gab es die Heckklappe ausschließlich in Schwarz. Ursprünglich wollte Lancia sie aus unlackiertem Kunststoff fertigen, doch im Versuch bewährte sich das nicht. Weil sich Lancia nicht ganz sicher war, ob das Design nicht auch Kunden verschreckte, bot das Unternehmen den Vorgänger Autobianchi A112 zur Sicherheit noch fast zwei Jahre weiter an.

Seat Malaga

In Spanien fertigte Seat bis zur Übernahme durch Volkswagen Fahrzeuge von Fiat in Lizenz. Ab 1985 bot Seat mit dem Seat Malaga einen Stufenheckableger des hauseigenen Ronda. Der wiederum war ein Ableger des Fiat Ritmo, zeichnete sich aber durch in Zusammenarbeit mit Porsche entwickelte Seat-Motoren aus. Diese bot Seat auch im Malaga an, womit den feurigen Spanier immer ein Hauch von Sportlichkeit umwehte.

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