2.0 Automotive bringt bei den Rennen der Tourenwagen Classics im Rahmenprogramm der DTM einen BMW M3 mit der Fahrerpaarung Eric van de Poele und Marc Hessel an den Start. Das Düsseldorfer Unternehmen erinnert damit an die DTM-Saison 1987 und das BMW-Junior-Team.

Im Frühjahr 1987 war ich endlich alt genug, um die Führerschein-Prüfung abzulegen. Einige Wochen bekam ich ein eigenes Auto. Zu den ersten längeren Fahrten, die ich alleine unternahm, gehörten Ausflüge zu den DTM-Rennen in Wunstorf und Diepholz. Denn mit nur zwei bis drei Stunden Fahrt wurde hier für mich als Schleswig-Holsteiner die DTM greifbar. Die vier Rennen, die ich damals als Zuschauer verfolgte, kann ich noch heute fast vollständig aus dem Gedächtnis abrufen. Insofern ist mir auch noch das damalige BMW-Junior-Team präsent.

Der Münchener Autobauer BMW nutzte die damalige „Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft“, um ein Junior-Team an den Start zu bringen. Die Idee „Junior-Team“ war damals nicht neu. Schon 1977 vertraute der damalige BMW-Rennleiter Jochen Neerpasch seine Rennwagen Nachwuchspiloten an. Als heute legendäre „Wilde Reiter GmbH“ mischen Eddie Cheever, Marc Surer und Manfred Winkelhock damals die Deutschen Rennsport-Meisterschaft (DRM) auf.

Teamkollegen ... 1987 und 2019 – Marc Hessel  (links) und Eric van de Poele im Fahrerlager von Zolder mit dem BMW M3 von 2.0 Automotive (Foto: 2.0 Automotive)
Teamkollegen … 1987 und 2019 – Marc Hessel (links) und Eric van de Poele im Fahrerlager von Zolder mit dem BMW M3 von 2.0 Automotive (Foto: 2.0 Automotive)

Für alle drei Piloten war das BMW-Junior-Team das Sprungbrett zur Profi-Karriere. Alle drei kämpften sich bis in die Formel 1 vor. Was den Erfolg der BMW-Nachwuchsförderung eindrucksvoll unterstreicht. Offensichtlich erinnerten sich die Verantwortlichen rund zehn Jahre später an das Projekt. Denn nach den tödlichen Unfällen von Manfred Winkelhock und Stefan Bellof verlor der deutsche Motorsport im Sommer 1985 seine Aushängeschilder.

Zwar brachten Nachwuchsserien wie der Formel Ford oder der Formel VW durchaus Talente hervor. Doch der Sprung in höhere Serien war – damals wie heute – teuer. Immer wieder fehlte Nachwuchsfahren Geld, um die Karriere in der Formel 3 oder Formel 3000 fortzusetzen. In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre begannen DMSB-Vorläufer ONS und Industrie darüber nachzudenken, wie sie den Nachwuchs besser unterstützen können.

BMW reagiert und legt ein neues Junior-Team auf!

Wie schon eine Dekade zuvor entschied sich der bayrische Autobauer dafür, ein Junior-Team an den Start zubringen. BMW beauftragte Zakspeed damit, zwei für Autos mit Junioren am Lenkrad in der DTM einzusetzen. Die „Deutsche Tourenwagen Meisterschaft“ hatte sich nach drei Saisons in der Publikumsgunst etabliert. Denn der deutsche Sonderweg, Gruppe A-Autos ohne Rücksicht auf Hubraum oder Antriebskonzept anzugleichen, kam gut beim Publikum an.

Mit dem damals neuen BMW M3 der Baureihe E30 stellten die Bayern ein perfektes DTM-Einsatzgerät auf die Räder. Herzstück des Rennwagens war der S14 genannte Vierzylinder, den Paul Rosche für den M3 entwickelte. Mit einer Leistung von 315 PS bei sagenhaften 9.600 U/Min und seinem brachialen Ansauggeräusch prägte dieser Motor in den kommenden Jahren diese frühe DTM-Ära.

BMW S12 – Herz des legendären BMW M3 (Foto: BMW)

BMW vergab die Cockpits seines neuen Junior-Teams an Eric van de Poele und Marc Hessel. Der damals 22-Jährige Hessel erfüllte als Aufsteiger aus der Formel Ford das typische Schema des Nachwuchspiloten. Doch die Wahl des Belgiers van de Poele war überraschend. Denn van de Poele ist damals mit 25 Jahren fast schon ein alter Hase. Der Belgier blickt vor dem ersten DTM-Start bereits auf Rennen in der französischen Formel 3 und für BMW Belgien zurück.

Das neue BMW-Junior-Team setzt sich von Anfang an gut in Szene!

Doch schon beim Saisonauftakt in Hockenheim bestätigen beide die Wahl. Denn der Belgier van de Poele fährt beim Rennen auf der Kurzanbindung über die Ameisenkurven als Zweiter gleich aufs Podium. Teamkollege Hessel verpasst als Vierter das Podest nur knapp. Drei Wochen später gelingt Marc Hessel im Nieselregen von Zolder bereits der erste Sieg. Das beeindruckt die Szene auch, weil Hessel das Rennen vom 23. Startplatz aufnahm.

Das ganze Jahr über fighten die Junioren um die Tabellenspitze und damit auch um den Meistertitel. Als einzige Starter gelingt es den beiden DTM-Newcomern, bei jedem DTM-Rennen der Saison 1987 zu punkten. Bei den Flugplatzrennen in Wunstorf und Diepholz war ich Zeuge, als van de Poele zweimal aufs Podium fuhr. Auch wenn dem Belgier der Sprung nach ganz oben verwehrt bleibt, geht van de Poele als Tabellenführer ins Saisonfinale.

Weitere Titelaspiranten beim finalen Showdown am Salzburgring sind sein Teamkollege Marc Hessel und der Ford-Pilot Manuel Reuter. Das Finalrennen beenden die Drei auf den Plätzen neun (Hessel), zehn (van de Poele) und zwölf (Reuter). Damit gewinnt der Belgier 1987 den Titel des DTM-Meisters – ohne Sieg eines DTM-Rennens. Mit konstantem Punktesammeln, der Zuverlässigkeit des M3 und etwas Glück beim Finale sicherte sich Eric van de Poele die Krone.

2.0 Automotive sorgt jetzt für eine Zeitreise

32 Jahre später kehren die damaligen Teamkollegen an diesem Wochenende in Cockpit ihres damaligen Einsatzgeräts zurück. 2.0 Automotive, die in Düsseldorf beheimate Performance-Schmiede kümmert sich auch um die Restauration und den Aufbau historischer Rennfahrzeuge. Zum Fuhrpark des Unternehmens von Kfz-Meister Sebastian Küppers und Ex-Fußball-Profi und Langzeit-Automobilfan Martin Stranzl gehört ein BMW M3 Gruppe A-Rennfahrzeug.

Mit diesem im eigenen Haus restaurierten Ex-Zakspeed-BMW M3 trat 2.0 Automotive bereits im vergangenen Jahr regelmäßig bei Rennen der Tourenwagen Classics an. Beim Saisonauftakt 2019 wechseln sich in Zolder Eric van de Poele und Marc Hessel im Cockpit des Rennwagens ab. Das Rennen im Rahmenprogramm der DTM bietet an diesem Wochenende beiden die Möglichkeit, zu einer Reise in die eigene Vergangenheit.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
DTM 1987, Eric van de Poele im BMW M3, 7. Lauf Nürburgring (Foto: BMW)

DTM 1987, Eric van de Poele im BMW M3, 7. Lauf Nürburgring

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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