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Tom Schwede, bewegt alles, was vier Räder hat Hallo, ich bin Tom — zusammen mit der Auto Blogger Crew mit viel Benzin im Blut blogge ich hier im Auto-Blog für Auto-Natives über Autos. Seit 2007 gibt es in diesem Blog regelmäßig Reportagen, Tests und Meinungen rund ums Auto. Dazu zählen auch Beiträge über Oldtimer oder Youngtimer sowie über Motorsport.

 


Eigentlich wollte ich an dieser Stelle längst auf die Planai-Classic 2016 zurückblicken. Denn die Rallye in Österreich gehört zum Besten, was der Winter zu bieten hat. Doch manchmal kommt es anders. Denn an dieser wunderbaren Oldtimer-Rallye nahm auch der ehemalige Rennfahrer Hans-Joachim Stuck teil. Denn der Herr DMSB-Präsident ist auch Repräsentant eines Autoherstellers. In diesem Job nimmt Stuck regelmäßig an Oldtimer-Events teil.

Im Rahmen Planai-Classic gab Hans-Joachim Stuck den Verantwortlichen der Oldtimer-Rallye ein Interview, das heute Nachmittag als Pressemitteilung verteilt wurde. Da Hans-Joachim Stuck dabei recht ausführlich auf die Situation am Nürburgring eingeht, haben wir uns entschlossen, das Interview, das die Kollegen Michael Hintermayer und Fabian Bonora mit Hans-Joachim Stuck führten, hier in Auszügen wiederzugeben – denn die Antworten des Herren sind (teilweise) genauso offen wie irritierend.

Hans-Joachim Stuck wäscht in diesem Interview richtig schmutzige Wäsche. So bezeichnet der ehemalige Rennfahrer beispielsweise Dirk Adorf als „schwierigen Menschen“, redet an anderer Stelle vom „einkacken“.

Doch lest selbst:

Frage: Zur aktuellen Lage am Nürburgring – was ist in den letzten Wochen und Monaten passiert?

Stuck: „Wir, der DMSB (Deutscher Motosportbund) versuchen für alle das Maximum herauszuholen. Der Nürburgring ist eine spezielle Geschichte. Es hat dort einen tödlichen Unfall mit Zusehern gegeben, was nicht passieren darf. Daraufhin mussten Maßnahmen eingeleitet werden. Das haben wir gemacht, mit dem Speedlimit und den Zuschauerzonen. Jetzt gibt es andere, kleine Umbaumaßnahmen um die Strecke zu entschärfen. Wir hatten verschiedene Arbeitsgruppen. Die Arbeitsgruppe Fahrer hat sich als sehr schwierig erwiesen, da sie uns Vorschläge gemacht haben, die teilweise nicht machbar sind. Natürlich kann man sich viele Dinge überlegen, aber am Nürburgring brauchen wir 1.000 Streckenposten. Nach deren Vorgaben bräuchten wir plötzlich 1.200. Wo nimmst denn die her? Wir haben am Montag noch eine Sitzung mit allen Beteiligten. Für den Rennsport ist es wichtig ein Rennen ohne Speedlimit zu haben – das will keiner. Das mussten wir aber machen, weil es von der FIA gefordert wurde. Wir wollen allen Fahrern ein möglichst sicheres Umfeld bieten – das muss der Ansatz sein.“

Warum glaubst du, ist die Situation jetzt so schnell eskaliert, mit Boykott-Drohungen und so weiter?

„Die Arbeitsgemeinschaft Fahrer hat aus meiner Sicht über das Ziel hinausgeschossen. Das muss man deutlich sagen. Das ist eine Arbeitsgemeinschaft die auf uns zuarbeitet. Wir nehmen ihre Ideen auf, präsentieren und diskutieren sie dann im Präsidium. Es ist ganz klar, dass ein Ergebnis einer AG nicht Eins zu Eins umgesetzt werden kann. Das ist unmöglich. Weil eben, wenn sie bei Code 60 mehr Streckenposten haben wollen – wo nimmst die her? Das muss schon alles machbar und umsetzbar sein. Da ist natürlich ein Mensch dabei, der Dirk Adorf, den ich auch selbst in die Gemeinschaft aufgenommen habe, aber der hat sich als sehr sehr schwierig erwiesen. Und manchmal etwas weit entfernt von der Realität. Er macht sicher seine Arbeit, aber er muss auch einsehen, dass es irgendwo Limits gibt. Ohne Kompromiss geht’s nicht.“

Es gibt zurzeit viele Leute, die dich für das Debakel verantwortlich machen. Aber du bist ja nicht der Einzige Mann im DMSB…

„Ja sicher, aber ich bin nun Mal der Oberste. Auf mich können sie alle einkacken, aber das ist mir Wurscht – das steh ich durch. Meine Aufgabe ist etwas Produktives umzusetzen. Ich habe als Präsident sicher meine Stimme, wie die anderen sieben auch. Aber entschieden wird im Mehrheitsprinzip. Wir haben am Montag das Meeting – es soll genauso wie nach dem Unfall eine einstimmige Entscheidung geben. Und erst wenn das passiert, gehen wir raus.“

Mich irritieren diese Aussagen!

Zwar bin auch ich ein Freund offener Worte. Aber mit diesen Aussagen überschreitet Hans-Joachim Stuck als demokratisch gewählter Präsident eines Sportverbands in meinen Augen definitiv eine Grenze. Seine Wortwahl und der persönlichen Angriff einen ehrenamtlichen Berater des DMSB sind Dinge, die einer sachlichen Diskussion nicht dienlich sind.

Insgesamt hat das Interview ein Niveau, das man von kleinen lokalen Dorf-Vereinen erwartet. Aber selbst in jedem größeren Vespa-Club ist dieses Verhalten vermutlich schon untragbar. Für den höchsten Repräsentanten eines Sportverbands, der die Interessen von Sportlern aus Deutschland in einem Weltverband vertritt, ist dieses Auftreten meiner Meinung nach ein Armutszeugnis.

Aussagen wie „… , den ich auch selbst in die Gemeinschaft aufgenommen habe, …“ offenbaren zudem eine gewisse Hybris. Klingt fast so, als ob Hans-Joachim Stuck und der von ihm vertretene DMSB von der durch sie eingesetzten „Arbeitsgruppe Fahrer“ nur ein Abnicken von Vorschlägen erwartet haben. Damit offenbart der gewählte Interessenvertreter Stuck ein seltsames Verständnis von Vereins- und Gremienarbeit. Und sorgt nur wenige Zeilen später für einen Widerspruch, wenn Stuck seine eigene Rolle auf einen von acht reduziert.

Lieber Hans-Joachim Stuck, auf der Strecke waren Sie ein Könner!

Aber als Funktionär sind Sie eine Fehlbesetzung. Falls noch jemand Zweifel hatte, dieses Interview ist der endgültige Beweis. Carl Hahn gab Ihnen kürzlich bei einer Veranstaltung in Dresden auf der Bühne einen  Ratschlag, als er Sie an Ihren Vater erinnerte. Mit diesem Interview haben Sie den Ratschlag von Herrn Dr. Hahn zumindest nicht befolgt. Schade eigentlich! Denn unser Sport und der Nürburgring hätten es verdient.


Hinweis: Die entsprechenden Fragen und Antworten habe ich 1:1 aus der Pressemitteilung übernommen. Die von Stuck genannte Sitzung fand am vergangenen Montag, den 10.01.2016 statt. Infos dazu sind bisher nicht öffentlich.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Hans-Joachim Stuck

Der DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck wird das WEC-Rennen am Nürburgring starten. Viele Fans des Motorsports werden bei dieser Nachricht denken: Vielleicht macht der ehemalige Rennfahrer dabei ja eine bessere Figur als in seiner Rolle als DMSB-Präsident. (Foto: Karla Schwede)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

5 Comments

  1. Also in meinen Augen sagt her Stuck nur was er ehrlich von der Situation denkt. Man kann natürlich in allem irgendetwas Negatives sehen. Ich persönlich halte mehr von Menschen, die ehrlich ihre Meinung äußern, als von denen die es nur hinter vorgehaltener Hand tun. Daher kann ich auch Ihre Meinung dazu nicht teilen. Schade, dass es nicht mehr Menschen wie Herrn Stuck gibt, besonders von denen die in der Öffentlichkeit stehen.

  2. Frau Schenk, leider Gottes gibt es aber anscheinend genügend ***** Menschen wie Sie (ja, ich betitele Sie hiermit in dieser Situation als zu ****, die gesamte Angelegenheit zu überblicken), die offenbar wenig Gesamtüberblick besitzen, aber dummsabbeln müssen. Ihre Aussage können Sie gerne in der Kirchenandacht oder beim Kaffekränzchen vorbringen; das wäre womöglich der bessere Platz dafür. Herr Stuck ist alles nur nicht unabhängig; er ist bezahlter Botschafter des VW-Konzerns und damit in seiner Position eigentlich untragbar. Was Herrn Stuck heilig ist, ist sein mönetärer Ertrag, koste es was es wolle. Alles andere ist ihm „wurscht“, dem „Gaudibursch´“. Und als ein in Deutschland rechtskräftig verurteilter **** (***), *** *** *** ** *** – und so einer „führt“ den DMSB ??

    • Gerade mit Ihrem Verhalten zeigen Sie doch, dass Sie keinen Deut besser sind als Herr Stuck über den Sie ablästern. Anstatt sachlich etwas beizutragen, greifen Sie die Leute auf einem Niveau an, dass man erst unter dem Teppich suchen muss.
      Gut und schön das Herr Stuck Markenbotschafter ist, aber mir geht nicht in den Kopf inwiefern das hier eine Rolle spielt, bzw. welche Beweggründe VW haben sollte Herrn Stuck bezüglich Nürburgring hier etwas vorzudiktieren?
      Zum Anderen wurde er demokratisch gewählt damit er den DMSB mit ihren Stimmen vertritt… somit müssen diese auch mit den damit verbundenen Konsequenzen leben. Klar ist die Ausdrucksweise nicht gerade die Beste, aber ihn deswegen für seine Argumente und Fähigkeiten zu disqualifizieren ist ebenso unsachlich (@Tom Schwede).

      • Toni, Toni, Toni Reply

        Haben Sie sich schon mal mehr als eine Minute mit der Situation am Nürburgring beschäftigt? Mit Audi und Porsche bieten gleich zwei Marken aus dem VW-Konzern, für den Herr Stuck Termine wahrnimmt, GT3-Fahrzeugen, die nicht mehr zur Nordschleife passen, an. Jeder halbwegs intelligenter Mensch weiß doch inzwischen das diese Autos nicht mehr zur Strecke passen. Was ist die Lösung? Autos verbannen oder an der Strecke schrauben. Hm, mal nachdenken, das erste tut der Industrie weh, da ist doch das Zweite einfacher … und wird prompt vom DMSB und seinem Grüßonkel Stuck an der Spitze befürwortet. Das ist schon etwas, was an die Unabhängigkeit zweifeln lässt.

  3. Also, liebe Frau Schenk,

    auch wenn ich nicht vollends Ihrer Meinung bin, so muss ich Sie doch in Schutz nehmen vor diesem Pöbel ‚Karl D.‘, dessen „Meinung“ in seinem Kommentar sich lediglich auf verbale Entgleisungen reduziert.
    Menschen wie er sind es nicht wert, in der Sache (hier H.-J. Stuck, DMSB und Nürburgring) gehört zu werden!

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