Die Kfz-Versicherungsbedingungen schließen schon seit Jahrzehnten die Haftung bei Autorennen und den dazugehörigen Übungsfahrten aus. In der Vergangenheit wurden jedoch Schäden, die bei Gleichmäßigkeitsprüfungen oder den beliebten Touristenfahrten auf der Nordschleife auftraten, in der Regel anstandslos reguliert. Das OLG Karlsruhe hat jetzt eine Entscheidung getroffen, die diese Praxis infrage stellt.

Viele Gesellschaften haben in ihren Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) zur Kfz-Haftpflichtversicherung einen Abschnitt „Genehmigte Rennen“. Dort heißt es dann zum Beispiel:

„Kein Versicherungsschutz besteht für Schäden, die bei Beteiligung an behördlich genehmigten kraftfahrt-sportlichen Veranstaltungen, bei denen es auf die Erzielung einer Höchstgeschwindigkeit ankommt, entstehen. Dies gilt auch für dazugehörige Übungsfahrten.“

Im aktuell vom OLG Karlsruhe verhandelten Fall hatte ein Versicherungskunde mit seinem Porsche 911 GT3 am freien Fahren des Deutschen Sportfahrerkreis (DSK) teilgenommen. Bei einem Tempo von rund 115 km/h hatte der Porsche-Pilot die Kontrolle über seinen Porsche verloren und war in die Leitplanke geknallt. An seinem Fahrzeug entstand ein Schaden von rund 20.000 Euro. Dazu nahm die Rennstrecke den Unglücksvogel in Anspruch, den Schaden an der Leitplanke zu ersetzen.

Die Versicherung des Porsche lehnte die Regulierung beider Schäden ab. Diese Auffassung bestätigte das OLG Karlsruhe nur teilweise. Nicht zu regulieren sei in diesem Fall tatsächlich der Schaden am Porsche. Denn im vorliegenden Fall war die Teilnahme an Fahrveranstaltungen umfassend in den Bedingungen zur Kaskoversicherung geregelt. Hieß es doch dort:

„Darüber hinaus besteht kein Versicherungsschutz für jegliche Fahrten auf Motorsport-Rennstrecken, auch wenn es nicht auf Erzielung einer Höchstgeschwindigkeit ankommt (zum Beispiel bei Gleichmäßigkeitsfahrten, Touristenfahrten). Versicherungsschutz besteht jedoch für Fahrsicherheits-Trainings.“

Eigentlich eine klare Geschichte. Deshalb widersprach der Fahrzeugbesitzer auch nicht der Klausel selbst. Stattdessen führte er an, dass diese Klausel in der Kaskoversicherung überraschend sei. Um das zu verstehen, müsst Ihr Folgendes wissen. Wenn Ihr euer Auto versichert, schließt ihr zwei unterschiedliche Verträge ab. Einmal den Vertrag zur Haftpflichtversicherung und einmal den Vertrag zur Kaskoversicherung – auch wenn beide Verträge in einem Antrag und einem Versicherungsschein zusammengefasst werden.

Daher lehnte das Gericht den Hinweis des Porschefahrers, die unterschiedliche Formulierung im Haftpflicht- und Kaskobereich sei intransparent, ab. Mal abgesehen davon, dass der Einwand des Kunden auch deshalb eine gewisse Komik hat, weil der Kläger selbst Versicherungsvermittler ist, ist das – wenn man das als zwei Verträge ansieht – nachvollziehbar. Den Schaden an einem Porsche muss der Kläger selbst tragen. Auf Grundlage dieser Bedingungen bestand für den Schaden kein Versicherungsschutz.

Anders ist der Schaden an der Leitplanke zu beurteilen. Hier verurteilte das Gericht die beklagte Versicherungsgesellschaft zur Zahlung des Schadens. Denn bei den Veranstaltungen des DSK gibt es keine Zeitmessung und keine Wertung. Daher sei der Einwand „… Erzielung einer Höchstgeschwindigkeit …“ nicht anzuwenden. Da der Kläger keine Absicht hegt, Motorsportveranstaltungen zu bestreiten, wurde das freie Fahren auch nicht als Übungsfahrt deklariert.

Tipp zur Kfz-Versicherung: Auf die richtige Klausel achten!

Prüft die Allgemeinen Versicherungsbedingungen eurer Kfz-Versicherung, ob in euren Verträgen ähnliche Klauseln vorhanden sind. Bei der Haftpflichtversicherung wird das mit Sicherheit der Fall sein. Ich habe mir heute früh die AVB von fünf Gesellschaften besorgt. Alle hatten eine entsprechende Klausel, die die Haftung für Schäden in Rennen ausschließt.

Bei der Kaskoversicherung habe ich allerdings sehr unterschiedliche Formulierungen gefunden. Einige Gesellschaften schliessen, wie die in Karlsruhe beklagte Gesellschaft, eine Leistung bei der Teilnahme an GLPs, Trackdays und Touristenfahrten aus. Andere verweigern auch im Kaskobereich die Leistung nur bei der Teilnahme an Rennen.

Das solltet Ihr in Euren Versicherungsbedingungen prüfen!

Ihr könnt auch Euren Versicherer um Auskunft bitten. Schreibt einfach eure Versicherung an und teilt ihr mit, dass ihr mit Euren Fahrzeug an einer Gleichmäßigkeitsprüfung oder einem Trackday teilnehmen wollt. Weißt dabei wahrheitsgemäß daraufhin, dass bei der Veranstaltung keine Zeitmessung erfolgt (Trackday) bzw. es nicht um die Erzielung einer Höchstgeschwindigkeit (GLP) geht.

Mit dem Schreiben bittet ihr die Gesellschaft darum, euch konkret den Versicherungsschutz für die jeweilige Veranstaltungsart zu bestätigen. Wenn die Gesellschaft Euch den Versicherungsschutz bestätigt, seit ihr im Schadensfall auf der (relativ) sicheren Seite. Verweigert sie diese Bestätigung, solltet Ihr euch um einen neuen Versicherungspartner kümmern.

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