Der ADAC und sein österreichisches Pendant ÖAMTC testeten 273 aktuelle Fahrzeugmodelle auf ihre Diebstahlsicherheit. Nur bei vier Modelle konnten die Testern das Keyless Go System nicht knacken. Alle unüberwindbaren Fahrzeuge stammten von Jaguar Land Rover.

Das überrascht, denn in den letzten Jahren gab es in den Statistiken der Autoversicherer eine Konstante. Fahrzeug von Jaguar Land Rover lagen in der Hitparade der Kfz-Diebstähle im Vorderfeld. Besonders für die Geländewagen von Land Rover interessierten die Langfinger. Das blieb dem britischen Autobauer natürlich nicht verborgen. Jaguar Land Rover intensivierte daher die Bemühungen, die Fahrzeuge der Kunden diebstahlsicher zu bekommen.

Offensichtlich mit Erfolg!

Denn im aktuellen Test des ADAC zur Sicherheit von schlüssellosen Zugangssystemen brillierten die Fahrzeuge des britischen Autobauers. Der ADAC testete in Zusammenarbeit mit seinem österreichischen Pendant ÖAMTC die Sicherheit von 273 aktuellen Automodellen. Nur Jaguar E-PACE, Jaguar I-PACE, Land Rover Discovery und Range Rover waren nicht ohne Schlüssel zu öffnen und zu starten.

Die Automobilclubs weisen seit einigen Jahren auf die Sicherheitslücken von Keyless-Go-Systemen hin. Denn die bisher in der Autoindustrie eingesetzten Systeme lassen sich einfach überlisten. Die Diebe scannen das von den Schlüsseln dauerhaft ausgehende Funksignal. Das passiert beispielsweise in Restaurants oder anderen Orten, wo die Fahrzeugbesitzer ihre Autos nicht dauerhaft im Blick haben.

Das aufgefangene Signal leiten die Diebe mit einem eigenen Sender zu einem Komplizen auf dem Parkplatz weiter. Der kann dank dieser Verlängerung der Reichweite das Auto öffnen, starten und wegfahren. Dabei laufen die Autos in der Regel weiter, bis der Tank leer ist. Wer bei laufendem Motor nachtankt, der kann das Auto problemlos Tausende Kilometer vom Originalschlüssel entfernen.

Das Problem ist lange bekannt. Vor zwölf Monaten testeten ADAC und ÖAMTC bereits 180 Fahrzeuge. Damals scheiterten die Tester nur am Land Rover Discovery. In diesem Jahr dehnten die Automobilclubs den Umfang der Tests um mehr als 90 weitere Fahrzeuge aus. Das Ergebnis erschreckt. Außer den vier Fahrzeugen von Jaguar Land Rover lies sich weiterhin alle Fahrzeuge öffnen und starten.

Was macht Jaguar Land Rover anders?

Das Ergebnis des Tests zeigt, dass die Autoindustrie das Problem bisher überwiegend ignoriert. Vermutlich war es die große Beliebtheit der Fahrzeuge von Jaguar Land Rover bei Langfingern, die den Autobauer handeln lies. In ihren Presseunterlagen sprechen die Briten davon, dass ihre Ultra-Wide-Band-Technik (= Ultrabreitband) die Entfernung zwischen Auto und Schlüssel berücksichtigt. Das Ultrabreitband nutzen Physiker für eine sogenannte Nahbereichsfunkkommunikation.

Sie kennzeichnet laut Wikipedia „die Nutzung extrem großer Frequenzbereiche mit einer Bandbreite von mindestens 500 MHz oder von mindestens 20 % des arithmetischen Mittelwertes von unterer und oberer Grenzfrequenz des genutzten Frequenzbandes“. Eine bekannte Anwendung dieser Technik ist das ZigBee-Protokoll. Das kennen viele aus Systemen zur Home Automation und den bekannten Philips Hue Lampen.

Wie funktioniert das bei einem Keyless Go System?

Zu den möglichen Anwendungen eines Ultrabreitbands gehört die Bestimmung von Objekten und Positionen. Das US-Millitär arbeitet mit schon länger mit tragbaren UWB-Systemen, um Soldaten im Einsatz durch Mauern schauen zu lassen. Bei diesen Systemen handelt es sich im Prinzip um eine Art tragbares Radarsystem. Die Ortung beziehungsweise Ortung eines Schlüssels ist dagegen fast schon trivial.

Seefahrer kennen seit Jahrhunderten die Triangulation, wenn sie mit Hilfe von Leuchttürmen ihre Position auf dem Meer bestimmen. Fluglotsen bestimmen die Position von Flugzeugen über die sogenannten Funkfeuer auf die gleiche Art und Weise. Das Prinzip ist simpel. Denn die Reisenden bestimmen ihre Position, weil sie die Position der Bezugspunkte kennen.

Dieses Prinzip lässt sich leicht auf das Auto und den Schlüssel übertragen. Das Auto benötigt dazu nur mindestens zwei Antennen. Die Fahrzeuge von Jaguar Land Rover verfügen über kleine Antennenflächen in den Scheiben. Hier hilft, dass die Antennen der Ultrabreitband-Technik sehr klein sind. Das Auto ordnet die unverrückbaren Position dieser Antennen seinem eigenen geografischen Koordinatensystem zu.

Jedes Auto ist das Zentrum seiner eigenen Welt!

Mithilfe der Signallaufzeiten und der Abstrahlwinkel lassen sich so die Entfernung und die Position des Schlüssels zum Auto ermitteln. Gleichzeitig kann der Schlüssel als Teil des Gesamtsystems auch seine Position und Abstand zum Auto ermitteln. Erst wenn Schlüssel und Auto im Koordinatensystem des Autos zum gleichen Ergebnis über Abstand und Ausrichtung kommen, öffnet und startet das Auto.

Eine einfacher Verlängerung der Reichweite funktioniert in diesem System nicht. Trotzdem überrascht, dass die Briten bisher die Einzigen sind, die ihre Keyless Go Systeme so absichern. Natürlich sorgt der Einbau eines solchen Systems für Mehraufwand. Aber dank der Ultrabreitband-Technik sind die Antennen klein und energieeffizient.

Warum ist Jaguar Land Rover allein auf weiter Flur?

Bleibt die Frage, warum Jaguar Land Rover bisher der einzige Autobauer ist, der ein so komplexes Keyless Go System betreibt. Denn der Diebstahl des eignen Autos ist für den Kunden, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, eine ärgerliche Geschichte. Es ist daher nicht nachvollziehbar, warum andere Hersteller ihre Fahrzeuge nicht besser absichern. Denn Jaguar Land Rover beweist ja, dass das möglich ist!

1 Kommentar

  1. Wer ist denn Entwickler/Hersteller der Jaguar Systeme? Das machen doch Autozulieferer, die sicherlich nicht nur exklusiv für Jaguar arbeiten. Wäre mal eine interessante Info.

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