Die Mehrzahl der Motorsportler befindet sich noch in der Winterpause. Trotzdem könnte uns dieses Wochenende noch lange beschäftigen. Denn seit Freitag ist klar, Aston Martin tritt 2020 nicht mehr in der DTM an. Wir fragen uns, wie die Zukunft der DTM aussehen könnte. Über allem schwebt, ist der Ausstieg von Aston Martin für die DTM ein schwarzer Freitag oder der Aufbruch zu neuen Ufern? Ich sehe drei denkbare Varianten.

Aston Martin kehrt nach nur einem Jahr der DTM den Rücken. Wobei das mit Aston Martin ja immer so eine Sache war. Denn eigentlich war der Auftritt ein privater Einsatz von R-Motorsport aus der Schweiz. Die Technik stammte vom langjährigen Mercedes-Partner HWA, der auch den Einsatz an der Strecke übernahm. Schon im Herbst kündigten HWA und R Motorsport das Ende ihrer Zusammenarbeit an. Eine Antwort, wer den Einsatz 2020 betreut, fand R Motorsport offenbar nicht.

Damit rennen in der DTM nur noch Audi und BMW. Statt 18 Autos sind im Moment in der DTM nur 14 Autos sicher, wenn sie denn fahren. Denn im Moment ist alles möglich. Vermutlich laufen die Kommunikationskanäle in der Szene längst heiß. Denn am Kuchen DTM hängen nicht nur die Hersteller. Es geht auch um TV- und Werbe-Verträge, um die Veranstalter und Rennstrecken sowie um die Arbeitsplätze bei den überwiegend privaten Einsatzteams.

1. Variante zur Zukunft der DTM — Audi und BMW füllen das Feld auf

Stellen die verbleibenden Hersteller in einem Kraftakt weitere Fahrzeuge auf die Räder, um das Feld aufzufüllen? Diese Idee galt bevor R Motorsport als Aston Martin in den Ring trat, als Weg, um ein Übergangsjahr zu retten. In Zeiten, wo der Motorsport mit Verbrennungsmotoren zunehmend um Akzeptanz kämpft, ist dieser Weg, das Feld zu füllen, nicht wahrscheinlich.

Denn Audi und BMW sind Großunternehmen. Sie leben mit Budgetplanungen und Vorstandsbeschlüssen. In Zeiten, wo Autohersteller jeden Cent für die Transformation ihres Geschäfts benötigen, ist das Überziehen der Budgets nicht wahrscheinlich. Zudem bleibt das Manko, dass in der DTM auch mit zusätzlichen Audi oder BMW nur noch zwei Hersteller aktiv sind. Mindestens drei Hersteller galten in der Vergangenheit aber als Muss, um den Aufwand zu rechtfertigen.

Der Einsatz weiterer Fahrzeuge ist selbst in Zusammenarbeit mit einem Privatteam vergleichsweise teuer. Die Controller in Ingolstadt, bei der Audi-Konzernmutter in Wolfsburg sowie in München rechnen seit spätestens seit Freitag alle Varianten durch. Ihre Frage ist, wann ist ein Ende mit Schrecken billiger als ein Schrecken ohne Ende! Die Möglichkeit, dass Audi und BMW die neue Situation nutzen, um ebenfalls auszusteigen, ist durchaus real.

Wer könnte zusätzliche Autos einsetzen?

Insbesondere da Einsatzteams und Sponsoren, die den Einsatz weiterer Fahrzeuge stemmen und finanzieren, nicht auf den Bäumen wachsen. Auch bei Sponsoren sind die Medien- und Sponsor-Planungen längst abgeschlossen. Wobei der Motorsport ohnehin Schwierigkeiten hat, Sponsoren zu finden.

Selbst beim „Werkseinsatz“ von Aston Martin trug nur eines der vier Autos das Kleid eines Sponsors. Auf der Suche nach privaten Einsatzteams ist zurzeit ausgerechnet R-Motorsport einer der wenigen Hoffnungsträger. Denn in seiner Meldung zum Abschied würdigte das Team ausdrücklich BMW, ohne dies zu begründen.

Kenner wissen, die Bayern suchen bereits länger ein Kundenteam. Robert Kubica sucht mit dem Geld der Tankstellenkette Orlen ein Cockpit. Möglicherweise kommt es auf diesem Weg zum Comeback der Mannschaft von Teamchef Florian Kamelger. Ansonsten ist die Chance gering, weitere Audi und BMW auf die Strecke zu bringen. Denn dafür ist es unter normalen Umständen eigentlich viel zu spät.

2. Variante zur Zukunft der DTM — die Japaner kommen (endlich)

Die Autos der DTM basieren auf dem sogenannten Class-1-Reglement. Dieses Regelwerk kommt – mit geringen Änderungen – auch in Japan zum Einsatz. Super GT heißen die Rennwagen dort. Seit Jahren gibt es Absichtsbekundungen, gemeinsame Rennen durchzuführen. Bisher blieb es bei Demo-Runden, dem Mitrollen im Feld und einer Show-Veranstaltung in Fuji — alles ohne großen sportlichen Wert! Wo ein Wille ist, da ist ein Weg, heißt es eigentlich. Bisher fehlte der Wille offenbar!

Natürlich wäre eine Meisterschaft spektakulär, in der neben Audi und BMW auch Honda, Lexus und Nissan rennen. Doch bisher kam das Paket so nicht auf die Strecke. Es ist auch nicht erkennbar, warum ausgerechnet der Rückzug von Aston Martin daran etwas ändern sollte. Die japanische Super GT Serie funktioniert seit Jahrzehnten. Sie ist einer fester Bestandteil der Motorsport-Szene im Land der aufgehenden Sonne.

René Rast im Audi Sport RS 5 DTM #33 vom Audi Sport Team Rosberg beim Dream Race in Fuji
René Rast im Audi Sport RS 5 DTM #33 vom Audi Sport Team Rosberg beim Dream Race in Fuji (Foto: Audi)

Die DTM steht im Vergleich dazu auf wackeligen Beinen. Insofern können bei diesem Szenario im Moment die Japaner die Bedingungen diktieren. Damit liegt der Ball in den Konzernzentralen der japanischen Autobauer. Nur Optimisten glauben, dass die DTM noch eine attraktive Bühne für Nissan GT-R, Toyota Supra oder Honda NSX bietet. Es sei denn, die Japaner gewinnen. Ob die deutschen Hersteller das akzeptieren, um überhaupt zu fahren? Unwahrscheinlich!

3. Variante zur Zukunft der DTM — von Japan lernen, heißt überleben

In Japan gehen die Class-1 Boliden der GT500 zusammen mit der sogenannten GT300-Klasse auf die Strecke. Die GT300 sind die freie japanische Interpretation der GT3-Klasse. Natürlich passen zwei unterschiedliche Fahrzeugklassen in Langstreckenrennen, wie die Super GT sie fährt, besser zusammen. Doch auch bei nur einer Stunde Rennzeit lassen sich unterschiedliche Klassen zu einem Rennen zusammenzufügen.

Der Zuschauer kommt so in den Genuss von zwei gleichzeitig stattfindenden Rennen. Das hat seinen Reiz, wie zahlreiche Serien in aller Welt zeigen. Zudem sorgt es für volle Felder. Insofern war es wohl kein Zufall, dass die DTM-Verantwortlichen im vergangenen Herbst „plötzlich“ die DTM Trophy für Fahrzeuge der FIA-Gruppen E2-SH und E2-SC ausschrieben. Bei sechs DTM-Veranstaltungen soll die allgemein als GT4-Fahrzeuge bekannten Rennwagen im Rahmenprogramm antreten.

Damals wunderten sich viele Beobachter über diesen Schritt. Inzwischen glaube ich, dass die DTM-Verantwortlichen sich mit der DTM Trophy von Anfang an ihre Rettungskapsel schufen. Denn der Ausstieg von Aston Martin Lizenznehmer R Motorsport kam nicht überraschend. Nach der Trennung von HWA blieb R Motorsport einfach verdächtig ruhig. 

Vielen war längst klar, je länger sich R Motorsport in Schweigen hüllt, um so wahrscheinlicher wird der Ausstieg. Um das Feld zu füllen, könnte die DTM die Fahrzeuge der DTM-Trophy als eigene Klasse ins Hauptfeld integrieren. Denn GT4-Fahrzeuge sind in ausreichender Stückzahl verfügbar. Für GT4-Teams wäre die DTM mit weltweiten TV-Übertragungen eine großartige Bühne.

Warten wir mal ab, was in den kommenden Tagen passiert. Ich tippe, dass die die 3. Variante die Zukunft der DTM der darstellt.

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