Nach dem Motto Win on Sunday, sell on monday warb Opel 1972 mit Rallye-Erfolgen des Ascona. Heute wäre so eine Auto-Werbung wohl undenkbar.

In den Kindertagen des Automobils war Motorsport ein Erprobungsfeld, um die Technik zu verbessern. Doch es dauerte nicht lange, da erkannten die Autobauer den Werbewert des Motorsports. Nachrichten von Autos, die Strecken wie von Paris nach Rouen, Bordeaux oder Marseille ohne Probleme zurücklegen, finden Ende des 19. Jahrhunderts weltweit Beachtung. Sie tragen zum schnellen Siegeszug des Autos bei. Denn sie bauen die Angst vor der Unzuverlässigkeit des Autos ab.

Auch heute noch setzen Autobauer darauf, mit Erfolgen im Motorsport ihr Image aufzubessern. Besonders beliebt ist dabei inzwischen die Formula E, weil dort –angeblich politisch korrekte – Elektrofahrzeuge rennen. Und natürlich spielt die Berichterstattung der Medien immer noch eine wichtige Rolle. Auch Kunden, die mit Motorsport wenig am Hut haben, wissen, dass Nico Rosberg im vergangenen Jahr die Fahrerweltmeisterschaft der Formel 1 mit einem Mercedes gewann.

Daneben spielen aber heute auch Einladungen an die Strecke eine wichtige Rolle. Dort können ausgewählte Kunden und Partner einen Blick hinter die Kulissen werfen, um die Bindung zur Marke zu vertiefen. Tom erlebt das immer wieder, wenn bei seinen Einsätzen als Streckensprecher am Nürburgring oder in Hockenheim plötzlich eine “Touristengruppe” im Hemd eines Herstellers in der Sprecherkabine steht.

In der Werbung ist Motorsport heute selten

Weitgehend ausgestorben ist dafür die Werbung mit Motorsport-Erfolgen. Legendär sind die Sieger-Plakate von Porsche. Kultstatus hat auch die Anzeige „Nobody’s perfect“ der Zuffenhausener, die sich auf den Zieleinlauf in Le Mans 1983 bezog. Auch Opel warb früher mit seinen Erfolgen. Das heutige Clipping erinnert daher an eine Werbeanzeige, die Opel 1972 für den Ascona schaltete:

Werbeanzeige für den Opel Ascona von 1972
Werbeanzeige für den Opel Ascona von 1972 © GM Company

Getreu des Mottos win on sunday, sell on monday bewarb Opel damals die Rallye-Erfolge des 1970 vorgestellten Mittelklasse-Fahrzeugs. In der Anzeige betonen die Rüsselsheimer allerdings, dass es neben den Sporterfolgen auch andere Gründe für den Kauf eines Ascona gibt. Damit schlugen die Verantwortlichen einen Bogen vom Sporteinsatz zum Alltag der Kunden.

Doch nicht nur das hat sich verändert!

Dazu pressten die Werber vor 45 Jahren erstaunlich viel Text in die Anzeige. Pflichtschuldig zählen sie nicht nur die Ausstattungsmerkmale (“… Drehstab-Stabilisatoren an Vorderster- und Hinterachse, Scheibenbremsen vorn…”) sondern auch alle angebotenen Motorvarianten auf. Das ist am Ende so viel Information, dass die Anzeige teilweise zum Telegramm mutiert.

Vermutlich kürzen die Texter in der Anzeige deshalb beispielsweise die Größenangabe zum Hubraum mit konsequent “Ltr.” ab. Auch das unterscheidet diese Anzeige von aktueller Werbung. Denn irgendwie denkt der heutige Leser beim Betrachten der Anzeige unweigerlich an den Spruch vom Lametta, das früher irgendwie mehr war.

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