Mercedes-Benz Classic feiert in der anstehenden Klassik-Saison „125 Jahre Motorsport“. Bei ausgewählten Veranstaltungen sind die Stuttgarter auch 2019 wieder mit Fahrzeugen aus ihrem Museum unterwegs. Ich habe nachgefragt, bei welchen Veranstaltungen ihr Museumsfahrzeuge von Mercedes-Benz bestaunen könnt. Und das Beste dabei, bei einer dieser Veranstaltungen darf ich Euch die Fahrzeuge sogar auf der Rennstrecke präsentieren.

Motorsport spielt bei Mercedes-Benz traditionell eine wichtige Rolle. Denn schon, als im Juli 1894 mit einer Wettfahrt von Paris nach Rouen das wohl erste Autorennen der Geschichte stattfand, trieben das siegreiche Auto Motoren von Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach an. Seit diesem Sieg sind 125 Jahre vergangen. Rennwagen von Mercedes-Benz haben in der Zwischenzeit wohl fast jedes wichtige Rennen mindestens einmal gewonnen.

Für Mercedes-Benz Classic ist das ein Grund, um die 125-jährige Motorsport-Tradition von Mercedes-Benz und den Vorgängermarken in diesem Jahr ausführlich zu feiern. Denn schon vor dem 1926 vollzogenen Zusammenschluss von „Benz & Cie.“ und der „Daimler-Motoren-Gesellschaft“ (DMG) spielte der Motorsport für beide Ursprungsmarken eine wichtige Rolle. Heute ist der erste Sieg eines von der DMG gebauten Mercedes bei der Rennwoche von Nizza 1901 genauso legendär wie die Rekordfahrten des Blitzen-Benz am Strand von Daytona Beach.

Daimler-Benz fuhr mit Mercedes Grand Prix und gewann in Le Mans!

Nach der Fusion der trat Daimler-Benz in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg in der Grand-Prix-Europameisterschaft an. Zusammen mit AUTO Union prägte der Stuttgarter Autobauer die Ära der Silberpfeile. Nach dem Krieg siegten die Stuttgarter 1952 mit den Mercedes-Benz 300 SL bei den 24-Stunden von Le Mans. Zwei Jahre später folgte mit Juan Manuel Fangio der erste Titel in der Automobil-Weltmeisterschaft, den der Argentinier 1955 erfolgreich verteidigte.

35-PS Mercedes-Simple-Rennwagen, 1901
Der 35-PS Mercedes-Simplex-Rennwagen des Baron Henry de Rothschild (alias „Dr. Pascal“) in La Turbie nach dem Sieg beim Bergrennen Nizza–La Turbie am 29. März 1901. Am Steuer Wilhelm Werner, der spätere Fahrer des deutschen Kaisers. Foto: Daimler – Mercedes-Benz Classic

Selbst als sich Daimler-Benz nach der Katastrophe von Le Mans sich für gut 30 Jahre offiziell vom Motorsport verabschiedete, blieb Motorsport mehr oder minder offiziell in Stuttgart ein Thema. Denn trotz des Rückzugs traten Autos von Mercedes immer wieder bei Tourenwagen-Rennen und Rallye-Wettbewerben an. Doch offiziell geriet das Motorsport-Verbot des Vorstands erst in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre ins Wanken.

Unter der Regie von Erich Waxenberger, zuvor als Leiter des Fahrversuchs für Mercedes tätig, trat der Stuttgarter Autobauer bei Langstrecken-Rallyes wie London–Sydney (1977) oder der „Vuelta a la Americana Sud“ (1978) an. 1979 und 1980 gewann Mercedes zweimal die „Rallye Bandama – Côte d’Ivoire“, die damals zur Rallye-Weltmeisterschaft zählte. Entsprechend groß waren die Hoffnungen als Waxenberger Anfang 1981 mit Walter Röhrl den aktuellen Rallye-Weltmeister verpflichten durfte.

Doch bei Testfahrten zeigte sich schnell, dass der Mercedes-Benz 500 SL Roadster (im Rallye-Betrieb mit Hardtop) nicht konkurrenzfähig war. Mercedes und Röhrl trennten sich. Das gab dem Ausnahmekönner die Möglichkeit, noch im Frühling 1981 mit einem privaten Porsche 911 in die Weltmeisterschaft zurückzukehren und ein Jahr später als Opel-Werksfahrer zu seinem zweiten WM-Titel zu fahren. Und als Daimler-Benz kurze Zeit später mit dem Mercedes-Benz 190 E 2.3-16 eine kompakte Sportlimousine vorstellten, gab es auch in Stuttgart bald kein zurück mehr.

Mit privaten Teams kehrte Mercedes in den Spitzensportler zurück!

Zunächst traten private Teams mit dem 190er in zahlreichen nationalen Meisterschaften an. Doch es war ein offenes Geheimnis, dass in den Servicemannschaften immer wieder Daimler-Mitarbeiter tätig waren. Parallel dazu baute der Schweizer Peter Sauber den V8 aus der S-Klasse in seinen Sportprototypen ein. Kaum zu glauben, dass niemand im Werk das Projekt unterstützte. Daher überraschte es auch nicht, als Mercedes ab 1988 auch offiziell in der DTM und der Sportwagen-WM antrat.

Sauber-Mercedes C9 bei den 24 Stunden von Le Mans 1989
Sauber-Mercedes C9 bei den 24 Stunden von Le Mans 1989 – Foto: Daimler – Mercedes Benz Classic

Im Mercedes-Nachwuchsteam holten sich Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Karl Wendlinger im Sauber-Mercedes der Gruppe C den Feinschliff für die Königsklasse. Und trafen dort bald auch Mercedes wieder. Denn nach dem Ende der Gruppe C wechselte Peter Sauber ab 1993 mit seinem Team in die Königsklasse des Motorsports. Im ersten Jahr warb Mercedes auf der Motorhaube des Sauber C12 mit dem Slogan „concept by Mercedes-Benz“, um ein Jahr später Sauber auch offiziell mit Motoren zu beliefern.

Ab 1995 platzierte Mercedes seine Motoren bei McLaren. Es folgten 1998 und 1999 zwei Titel mit Mika Häkkinen. Zeitweilig hielt der deutsche Autobauer 40% der McLaren-Anteile. Doch nach der Spionage-Affäre löste sich Mercedes schrittweise von McLaren. Beim Titelgewinn von Lewis Hamilton 2008 war das McLaren offiziell nur noch ein Kundenteam. 2009 fuhr dann mit Jensen Button im BrawnGP erneut ein Mercedes-Kunde zum WM-Titel. Anschließend übernahm Mercedes BrawnGP vollständig.

Mit der Übernahme von BrawnGP kehrte Mercedes-Benz auch als Hersteller in die Formel 1 zurück, um in der aktuellen Turbo-Ära schließlich zum Dominator der Szene aufzusteigen. Zur Würdigung dieser 125 Jahre Motor-Geschichte rückt Mercedes-Benz Classic 2019 bei ausgewählten Veranstaltungen mit Fahrzeugen aus der eigenen Sammlung aus. Wobei ich natürlich freue, weil darunter mit den Classic Days Schloss Dyck auch eine Veranstaltung ist, die ich auch in diesem Jahr moderieren darf.

Im Terminkalender stehen unter anderem:

  • 1000 Miglia (15. bis 18. Mai 2019)
  • Silvretta Classic (4. bis 6. Juli 2019)
  • Goodwood Festival of Speed (4. bis 7. Juli 2019)
  • Grand Prix von Deutschland (26. bis 28. Juli 2019)
  • Classic Days Schloss Dyck (2. bis 4. August 2019)
  • Hamburg-Berlin-Klassik (September 2019)
  • Bonhams London to Brighton Veteran Car Run (31. Oktober bis 3. November 2019)

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