Heute vor 50 Jahren starb in Monza mit Wolfgang Graf Berghe von Trips der bis dahin erfolgreichste deutsche Formel 1 Pilot. AutoNatives.de wirft aus diesem Anlass einen Blick auf das Leben des Renngrafen, dessen Vermächtnis über die Erinnerungen an seine sportliche Laufbahn weit hinausgeht.

Wolfgang Graf Berghe von Trips wurde 1928 in die Seitenlinie eines 700 Jahre alten Rittergeschlechts hineingeboren. Früh erlag Berghe von Trips dem Reiz des Motorsports. Bereits als Grundschüler fuhr er regelmäßig mit seinem Vater an den Nürburgring. Dort erlebten Vater und Sohn als Zuschauer an der Strecke begeistert die Rennschlachten der 1930er-Jahre zwischen Auto Union und Mercedes-Benz mit. Favorit des jungen Wolfgangs, war Bernd Rosemeyer, der 1938 auf der Autobahn Frankfurt Darmstadt bei einem Versuch, den Geschwindigkeitsweltrekord zu brechen, tödlich verunglückte.

Irgendwann in dieser Zeit muss in dem Knaben der Wille entstanden sein, später ebenfalls Rennfahrer zu werden. Bereits mit 8 Jahren unternahm Berghe von Trips mit dem Opel der Eltern erste Fahrversuche auf dem Gelände der elterlichen Burg, der Burg Hemmersbach in Horrem. Doch angesichts der angeschlagenen Gesundheit hätte zu diesem Zeitpunkt wohl niemand geglaubt, dass der Bube es später tatsächlich einmal in den Grand Prix Sport schaffen sollte. Ohrenprobleme und eine Gesichtslähmung, die 1942 sogar einen halbjährigen Krankenhausaufenthalt notwendig machten, ersparten Berghe von Trips die Hitlerjugend. Erst kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfasste man den Jugendlichen und bildete ihn zum Luftwaffenhelfer aus. Doch noch vor dem Ende der Ausbildung war der Krieg vorbei.

Der vorgezeichnete Karriereweg

Nun schien alles darauf hinauszulaufen, dass das einzige Kind des Hauses eines Tages den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern übernehmen würde. Von amerikanischen Soldaten, die auf der Burg der Eltern einquartiert wurden, lernte er Englisch. Dies erklärt den breiten amerikanischen Akzent, mit dem der erfolgreiche Sportler später in Interviews glänzte. Nach dem Abitur absolvierte Berghe von Trips zunächst eine kaufmännische Ausbildung in Köln. Im Anschluss setzte er die Ausbildung an der „Höhere Landwirtschaftsschule“ in Brühl fort, die er 1954 erfolgreich abschloss.

Bereits ab 1950 nahm er mit einem Motorrad an Orientierungs- und Geschicklichkeitsfahrten teil. 1951 wurde Berghe von Trips in die Mannschaft des ADAC Gau Nordrhein aufgenommen. Nach zwei durchaus erfolgreichen Jahren wechselte Berghe von Trips – wie einst sein Vorbild Bernd Rosemeyer – vom Motorrad ins Auto. Mit einem privaten Porsche 356 A 1300 setzte Berghe von Trips sich erfolgreich in Szene.

Doch es kommt anders

Auf Vermittlung von Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein ging Berghe von Trips bereits im Mai 1954 gemeinsam mit dem Wolfsburger Ingenieur Walter Hampel bei der Mille Miglia an den Start. Der Sieg in der GT-Klasse bis 1.300 ccm und der 33. Platz im Gesamtklassement sorgten dafür, dass der Motorsportler Berghe von Trips auch im Auto Ernst genommen wurde. Dafür sorgte auch der noch im gleichen Jahr errungende Titel des Deutschen Meisters in der Klasse der Serienwagen bis 1.600 ccm.

Diese Erfolge ermöglichten Berghe von Trips, der nun nicht mehr unter dem Pseudonym „Axel Linther“ antrat, den Start für das Mercedes-Werksteam. Dazu nahm Berghe von Trips an Formel-2-Rennen sowie Bergrennen teil und trat auch weiterhin für Porsche an. Als herausragend gelten seine Siege auf dem Nürburgring beim ADAC-Eifelrennen sowie beim ADAC-500-Kilometer-Rennen – herausgefahren auf Porsche jeweils in der 1.300-ccm-Klasse.

Bereits 1956 war der Graf ein viel beschäftigter Mann. In den USA siegte er gemeinsam mit Hans Herrmann er beim 12-Stunden-Rennen von Sebring in der Klasse bis 1.500 ccm. Bemerkenswert, dass die beiden mit dem kleinen Porsche dabei sogar einen sechsten Platz im Gesamtklassement erreichten. In Le Mans wurde Berghe von Trips – diesmal teilte er sich mit Richard von Frankenberg das Lenkrad – bei seinem Klassensieg mit dem Porsche 550A/4 RS Coupé als Fünfter der Gesamtwertung abgewunken.

Aufstieg in die Formel 1

Enzo Ferrari hatte aufmerksam diesen steilen Aufstieg, Berghe von Trips gehörte gerade einmal drei Jahre nach seinem ersten Auto-Rennen zur Weltspitze der Sportwagen-Piloten, verfolgt. Zum Finale der Formel 1 Weltmeisterschaft bot Enzo Ferrari dem jungen Grafen ein Cockpit an. Berghe von Trips nahm diese Chance war, doch bereits im Training brach bei einer Geschwindigkeit von rund 200 km/h vorne rechts ein Lenkhebel. Der Pilot überstand den Unfall – anders als der Ferrari – weitesgehend unverletzt. An einen Start war nicht zu denken, trotzdem nahm Enzo Ferrari den Deutschen unter Vertrag. Ab 1957 gehörte dieser auch zum Formel-1-Aufgebot des Commendatore.

Sein Debüt als Formel 1 Pilot feierte Berghe von Trips in Argentinen. Bereits im dritten Rennen – wieder in Monza – wurde Berghe von Trips Dritter und sicherte sich damit seine ersten WM-Punkte. Zuvor hatte die Presse den Deutschen mit dem wenig schmeichelhaften Spitznahmen „Count Crash“ (Graf Unfall) versehen. Dafür verantwortlich waren Unfälle, wie der Unfall mit einem Ferrari 250 GTO beim Training zum ADAC-1000-Kilometer-Rennen, der Berghe von Trips 1957 für einige Monate außer Gefecht setzte.

Trotz der Unfälle hält Enzo Ferrari zu seinem Piloten, der sich immer wieder als untadeliger Sportsmann erweist. Legendär sein Verhalten bei der Mille-Miglia 1957. Berghe von Trips verzichtet darauf, seinen von einem Aufhängungsschaden gehandicapten Kontrahenten Piero Taruffi zu überholen und beendet das Rennen als Zweiter. Beim Le Mans Rennen 1958 unterbrach Berghe von Trips in der Nacht die Fahrt, um den Franzosen Jean Hébert, der so schwer verunglückt war, dass er seinen brennenden Alfa Romeo GZ nicht aus eigener Kraft verlassen konnte, zu bergen. Anschließend säuberte Berghe von Trips die Strecke, um anschließend die Fahrt ungerührt fortzusetzen.

von Trips überzeugt auf – und neben – der Strecke

1958 sichert er sich mit einem Porsche die Berg-Europameisterschaft und siegt bei den Formel-2-Rennen auf der Solitude und in Monza. In der Formel 1 Weltmeisterschaft wird Berghe von Trips mit insgesamt neun Punkten 12. In der kommenden Saison geht er kaum an den Start. Berghe von Trips hat in den vergangenen Monaten eine Menge Kollegen aus dem Ferrari-Team zu Grabe getragen. Zunächst den Italiener Eugenio Castellotti. Dann mit dem spanischen Marquis Alfonso de Portago einen engen Freund. Und schließlich, kurz nacheinander, Luigi Musso, Peter Collins und Mike Hawthorn.

Unabhängig davon kümmert sich Berghe von Trips um den Nachwuchs. Er leitet regelmäßig Sportfahrer-Lehrgänge und äußert sich immer wieder zu Fragen der Verkehrssicherheit. 1958 gehört Berghe von Trips – gemeinsam mit Richard von Frankenberg, der die Präsidentschaft übernimmt – zu den Gründungsmitgliedern des „Deutschen Sportfahrer Kreis„. Begeistert von der Idee der Formel Junior entwickelt Berghe von Trips gemeinsam mit dem italienischen Ingenieur Valerio Collotti den TCA (für Trips – Colotti – Auto Union) Formel Junior-Rennwagen mit DKW-Motor.

Geburtshelfer des Kart-Sports

Anfang 1960 gründet Berghe von Trips zudem die Sportfahrergemeinschaft „Scuderia Colonia“. Im gleichen Jahr kehrt er auch wieder regelmäßig ganz in den großen Rennsport zurück. Für Ferrari bestreitet er die Formel 1 Weltmeisterschaft. Mit 10 Punkten schließt er diese auf einem siebten Platz ab.  Nebenbei importiert Berghe von Trips – im Handgepäck – zwei Go Karts aus Amerika. Dort werden mit diesen Rohrrahmen-Fahrzeugen Jugendliche an den Motorsport herangeführt.

Fasziniert von dieser Idee, betätigt sich Berghe von Trips als Geburtshelfer des Kart-Sports in Europa. In Horrem stellt Berghe von Trips – auf dem elterlichen Besitz – Land für eine Kart-Bahn zur Verfügung. An der Bahn, die mit Unterstützung der Eltern Gräfin Tessa und Graf Eduard Berghe von Trips 1965 eröffnet wird, entsteht der heutige „Wolfgang Reichsgraf Berghe von Trips e. V., Kart-Club Kerpen-Manheim im DMV„, der später mit Michael und Ralf Schumacher, Nick Heidfeld und Heinz Harald Frentzen mehrere erfolgreiche Formel 1 Piloten hervorbringt.

Zur Saison 1961, Ferrari hat mit dem Ferrari 156 das überlegene Fahrzeug, gilt der Graf als Titelfavorit. Mit Siegen in Zandvoort und Aintree wird er dieser Rolle gerecht. Nach dem Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring führt Berghe von Trips die Weltmeisterschaft überlegen an.

Doch beim Rennen in Monza passiert das Unfassbare!

Beim Anbremsen von der Parabolica berühren sich der Ferrari und der Lotus des Schotten Jim Clark. Der Ferrari Berghe von Trips schießt nach links und fliegt in die Zuschauer. Berghe von Trips wird aus dem Ferrari geschleudert und ist sofort tot, mit ihm sterben 14 Zuschauer. Den Weltmeistertitel 1961 sichert sich der Amerikaner Phil Hill, der am Ende der Saison einen Punkt mehr als Wolfgang Graf Berghe von Trips auf seinem WM-Konto verbuchen darf.

Mit dem Unfall verlor der Motorsport eine der herausragenden Persönlichkeiten der Nachkriegsjahre. Zu jung für den Krieg, zeichnete Berghe von Trips insbesondere im Ausland das Bild eines weltgewandten und sympathischen Deutschen, der auch außerhalb seines Heimatlandes begeistern konnte. Bis in die Gegenwart, so setzte beispielsweise 1996 der Musiker Chris Rea seinem Idol Wolfgang Graf Berghe von Trips mit dem Spielfilm „La Passione“ ein filmisches Denkmal.


Den Spielfilm „La Passione", den Chris Rea 1996 über Graf Berghe von Trips drehte, gibt es beispielsweise bei Amazon (Werbung).


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Formel 1 Debüt von Berghe von Trips beim Großen Preis von Argentinien 1957 (Foto: Carlos Alberto Navarro)

Formel 1 Debüt von Berghe von Trips beim Großen Preis von Argentinien 1957 (Foto: Carlos Alberto Navarro)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

6 Comments

  1. Sören Hartmann Reply

    Liebe Redaktion,
    schöner Artikel. Aber Heidfeld ist nicht erfolgreich
    Mit sportlichem Gruß
     Sören

  2. Werner Vogel Reply

    Hallo Redaktion, Hallo Sören,
    Sören hat Recht (was den Bericht angeht) und vergisst, dass Ralf und Heinz-Harald noch weniger erfolgreich sind bzw. waren als Quick Nick 😉
    So, und jetzt mal im Ernst: beim nächsten Mal bitte Heinz-Haralds Nachnamen richtig schreiben, d.h. mit einem „t“ .Soviel Zeit muss sein. 🙂

  3. Motorsport ist mehr als die Formel 1! Claudia Hürtgen und Jörg Müller, Lucas Luhr und Christian Menzel, alles ebenfalls erfolgreiche Motorsportler, stammen auch aus dem Club, oder?

  4. Christoph M. Reply

    Und noch ein Name fehlt in der dürftigen Aufzählung, denn auch die Existenz der Kartbahn in Oppenrod bei Gießen  geht ja wohl auf den schnellen, fairen und charismatischen Grafen zurück. Gemeint ist Stefan Bellof, der, wenn er nicht das Opfer seines skrupellosen Erzfeindes Jacky Ickx geworden wäre, wohl allerbeste Aussichten auf den Titel des ersten deutschen Formel 1 Weltmeisters gehabt hätte. Denn nicht nur Ickx war Bellof weit überlegen! Noch heute hat seine Fabelzeit auf der Nordschleife Bestand und wenn man betrachtet wie diese Runde zustande kam, so wird seine Leistung noch eindrucksvoller! Man beachte das Interview von Jochen Maas nach dem Zeittraining! Auch das Regenrennen von 1984 in Monaco bleibt unvergessen! Und wenn man ihm den Sieg nicht durch den Rennabbruch gestohlen hätte, würde er auch in der Siegerliste des Monaco GP zu finden sein. Aber hätte, wäre, wenn! Für die „Generation Schumi“ jedenfalls scheint die Zeitrechnung im Motorsport erst mit dessen Erscheinen zu beginnen. Welch eine Fehleinschätzung! Gott sein Dank arbeitet Schumacher gerade selbst eifrig daran, sein Denkmal vom Sockel zu stoßen und seine Erfolge in der F1 zu relativieren! Weil nun jedem klar sein muss, dass es vor allem dem seinerzeitigen F1 Reglement und dem finanziellen Einsatz Ferraris zuzuschreiben ist, dass er 5 Titel in Folge einfahren konnte. Wären seine unzähligen Trainingskilometer in Maranello schon damals verrboten gewesen und hätte es gleichberechtigte Teamgefährten gegeben, na wer weiss…..?!! Und heute müssen wir Idioten vom Schlage eines Hamilton ertragen, der zu Zeiten unseres Grafen oder Bellofs, wohl kaum die Eier besessen hätte, einen Rennwagen am Limit zu bewegen! Und falls doch, diesen Mut noch in der ersten Saison mit dem Leben bezahlt hätte! Ganz zu schweigen von dessen mangelndem Charakter und Anstand!

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