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Tom Schwede, bewegt alles, was vier Räder hat Hallo, ich bin Tom — zusammen mit der Auto Blogger Crew mit viel Benzin im Blut blogge ich hier im Auto-Blog für Auto-Natives über Autos. Seit 2007 gibt es in diesem Blog regelmäßig Reportagen, Tests und Meinungen rund ums Auto. Dazu zählen auch Beiträge über Oldtimer oder Youngtimer sowie über Motorsport.

 




Zu Wolfsburg gehört seit inzwischen fast 20 Jahren neben dem VW Werk auch die Autostadt. In ihrem Schatten geht das AutoMuseum Volkswagen manchmal fast etwas unter. Doch auch das von der Stiftung AutoMuseum Volkswagen betriebene Museum zur Marke VW ist eine Reise wert. Neben der permanenten Ausstellung glänzt das AutoMuseum Volkswagen immer wieder mit interessanten Sonderausstellungen.

Seit vergangenem Donnerstag widmet sich das Museum dabei den Wüstenwinden aus Osnabrück und präsentiert 28 Sportcoupés der Typen VW Scirocco und VW Corrado. Neben Serienmodellen gehören dazu auch Prototypen, Unikate, Umbauten und Rennwagen. Die Sonderausstellung ruft in Erinnerung, dass VW über viele Jahre Coupés in Zusammenarbeit mit dem Osnabrücker Karosseriebauer Karmann anbot. Schon 1955 stellt der Autobauer seinem Käfer (Typ 1) in Zusammenarbeit mit Karmann den VW Karmann-Ghia (Typ 14) zur Seite.

Zwischenzeitlich gab es mit dem „großen Karmann-Ghia“ des Typs 34 ein zweites Coupé aus Osnabrück. Beide Fahrzeuge basierten auf den luftgekühlten Volkswagen mit Heckmotoren jener Jahre. Anfang der 1970er-Jahre vollzog VW den Wandel zu wassergekühlten Motoren. Gleichzeitig stieg der Autobauer aus Niedersachsen auf Frontmotoren und Vorderradantrieb um. Im Rahmen des Umstiegs fiel schon Ende 1971 die Entscheidung, auf Basis des kommenden Golf auch ein neues Sportcoupé anzubieten.

Giorgio Giugiaro kleidete den Scirocco I ein

Passend zu den anderen modernen Volkswagen, deren Namen sich von Winden ableiten, bekam das Coupe den Namen des Sahara-Winds Scirocco. Designer Giorgio Giugiaro, der auch den Golf zeichnete, entwarf das Coupé. Wer genau hinsieht, der erkennt die „Verwandtschaft“ zum zeitgleich von Giugiaro entworfenen Alfa Romeo Alfasud Sprint. Schon die Prototypen stellte Karmann auf die Räder, wobei der Karosseriebauer teilweise in Vorleistung trat, um sein Interesse am Bau des Serienmodells zu unterstreichen.

Die Strategie ging auf. Denn Volkswagen beauftragte Karmann mit dem Bau des Coupés, das schließlich im Frühjahr 1974 auf dem Genfer Automobilsalon Premiere feiert. In der Modellpalette von Volkswagen tritt der Scirocco nahtlos die Nachfolge des inzwischen 19 Jahre alten VW Karmann-Ghia an. Doch VW positioniert den Scirocco von Anfang an etwas anders als den Karmann-Ghia.

Denn bei Autofreunden trugen die Coupés von Karmann den Spitznamen „Sekretärinnen-Porsche“. VW selbst hatte 15 Jahre zuvor diesen Namen geprägt, als Volkswagen of America den Typ 34 als „A Ladies‘ Sportscar“ vermarktete. Mit dem Scirocco wollte VW jüngere Käufer ansprechen. Das gelang spätestens, als Volkswagen im Juni auch einen Scirocco GTI anbot. Bis zum Modellwechsel 1981 verkaufte Volkswagen mehr als 500.000 Exemplare der ersten Scirocco-Generation.

Das Design des Scirocco II stammt von Volkswagen

Wie schon beim Golf der zweiten Generation entwarf auch beim neuen Scirocco Volkswagen selbst die Karosserie. Grundlage des Coupés blieb übrigens auch beim Modellwechsel der Golf I. Mit dem Modellwechsel verbreiterte VW die Motorenpalette. Im ersten Scirocco konnten die Kunden zwischen bis zu fünf Motoren wählen. Beim Scirocco II standen zeitweise sieben Motoren zur Wahl. Gleichzeitig heizte VW das Interesse an dem kompakten Sportcoupé immer wieder mit Sondermodellen wie White Cat oder Scala an.

Schon 1988 stellte Volkswagen dem Scirocco den höher positionierten Corrado zur Seite. Ältere Autofreunde erinnerte dieses Vorgehen an den 1961 präsentierten „großen Karmann-Ghia“. Der Typ 34 trat nie ganz aus dem Schatten seines kleinen Bruders VW Karmann-Ghia (Typ 14) heraus. Vom kleinen VW Karmann-Ghia entstanden in 20 Jahren mehr als 440.000 Stück. Mit nur gut 42.000 Exemplaren blieb der damals teuerste und schnellste Personenwagen von Volkswagen deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Vermutlich war die Marke Volkswagen Anfang der 1960er-Jahre noch nicht reif für ein Auto auf diesem Preis-Niveau. Denn das VW 1600 L Karmann Ghia Coupé stand 1965 mit einem Listenpreis von 8.750 Mark in den Preislisten der VW-Händler. Der VW startete damals bei 4.980 Mark. Doch Ende der 1980er-Jahre strebte Volkswagen nach Höherem. Der Corrado basierte auf dem Golf II und wartete mit einigen technischen Raffinessen auf.

Neben leistungsstarken G60- und VR-Motoren begeisterte der selbstausfahrende Heckspoiler die Auto-Fans. Denn das hatte damals sonst nur der legendäre Porsche 911. Die Produktion des VW Corrado übernahm erneut Karmann. Doch wie beim Typ 34 blieb auch der Corrado hinter den Erwartungen zurück. 1995 nahm VW den Corrado ohne echten Nachfolger aus dem Programm. Da Volkswagen schon drei Jahre zuvor auch das Kapitel Scirocco schloss, endete damit die Coupé-Tradition bei Volkswagen (vorerst).

Mit der Sonderschau „Wüstenwinde aus Osnabrück“ erinnert das AutoMuseum Volkswagen in Wolfsburg jetzt an VW Scirocco und Corrado. Die Sonderausstellung umfasst 28 Exponate, die die Geschichte der bei Karmann gebauten Coupés umfassend beschreiben. Neben Serienfahrzeugen gehören auch Prototypen und Einzelstücke zur Ausstellung, die bis zum 18.August 2019 zu sehen ist.


Das Museum der Stiftung AutoMuseum Volkswagen befindet sich in der Dieselstraße 35 (Parkplatz im Lerchenweg links), 38446 Wolfsburg. Es ist Dienstag bis Sonntag, von 10 bis 17 Uhr geöffnet.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Zur Sportcoupé-Ausstellung im AutoMuseum Volkswagen gehört auch der Lifestylekombi Sciwago – der Umbau eines VW Scirocco I von 1977.

Foto: Volkswagen AG

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