Heute besteht eine Formel 1 Saison aus fast 20 Rennen, die von März bis November ausgetragen werden. Dabei reisen die Piloten im Eiltempo um die ganze Welt. Tragen ihre Rennen auf allen vier Kontinenten aus. Nur Afrika ist zurzeit nicht vertreten. Kein Wunder, viele Bewohner dieses Kontinents haben im Moment andere Sorgen als ein Formel 1 Rennen.

Doch das war nicht immer so. Mit der Rallye Paris-Dakar, die heute wegen zahlreicher Konflikte in Afrika nicht mehr durchführbar ist, begann früher regelmäßig das Motorsport-Jahr. Und auch die Formel 1 war in Afrika zu Gast. Zunächst auf dem Prince George Circuit in East London (Ostkap), später in Kyalami. Bereits in den 1930er-Jahren wurden in Südafrika Grand Prix gefahren. Der Zweite Weltkrieg brachte das zum Erliegen. Erst 1960 fanden wieder internationale Rennen statt. 1961 musste das Land wegen der Apartheid das Commonwealth verlassen.

Für die Formel 1 war das kein Problem. Südafrika zahlte gut. Und die Formel 1 fährt, wo gezahlt wird. Das ist heute genauso wie es 1962 war. Prompt zählte das Rennen in Südafrika ein Jahr nach dem Ausscheiden aus dem Commonwealth erstmals zur Formel 1 Weltmeisterschaft. Zum Debüt kam Südafrika sogar in den Genuss, das WM-Finale durchzuführen. Vor dem Rennen, das am 29.12.1962 – heute vor 51 Jahren – stattfand, hatten mit Jim Clark und Graham Hill noch zwei Piloten Titelhoffnungen.

Hill und Clark waren die dominierenden Piloten der 61’er Saison, die im Mai in Spa-Francorchamps begonnen hatte. Vor dem Finale hatten beide jeweils drei der acht durchgeführten Saisonrennen für sich entscheiden können. Hill hatte dazu zwei zweite Plätze vorzuweisen. Clark konnte nur mit einem vierten Platz als weiteres Ergebnis in den Punkten aufwarten. Bei den anderen Rennen war der Schotte mit seinem revolutionären Lotus 25 mehrmals in aussichtsreicher Position ausgefallen. Damit lag Hill vor dem Finale scheinbar deutlich mit 39 zu 30 Punkten in Front.

Streichresultate sorgen für die Tücke im Detail

Denn 1962 wurden nur die fünf besten Ergebnisse eines Piloten gewertet. Bei einem Sieg von Clark hätte Hill selbst ein zweiter Platz nicht zum Titel gereicht. Ein weiterer zweiter Platz wäre für Hill keine Verbesserung gewesen, hätte dem Briten wegen der Regelung der Streichresultate keine weiteren WM-Punkte eingebracht. BRM-Pilot Hill wäre auf seinen 39 Punkten „sitzen geblieben“, während Lotus-Fahrer Clark nach Punkten gleichgezogen hätte. Mit den neun Punkten, die damals für einen Sieg vergeben wurden, hätte nun auch der Schotte 39 Punkte angesammelt. Da bei Punktgleichheit die Anzahl der Siege für die Vergabe des Titels herangezogen worden wäre, wäre der Titel mit 4:3 Siegen an Clark gefallen.

Mit dieser Ausgangslage waren alle Voraussetzungen für ein spannendes Rennen gegeben. Clark ging vom besten Startplatz ins Rennen und übernahm von Anfang an die Führung. Drehte schon in der dritten Runde (!) die schnellste Runde des Rennens. Alles sah nach dem ersten Titelgewinn des Schotten aus, der erst zwei Jahre zuvor die Bühne der Formel 1 betreten hatte. Doch 20 Runden vor dem Ende schlug die Defekthexe erneut zu. Mit einem Ölleck musste Jim Clark seinen Lotus am Streckenrand parken, wie so oft in dieser Saison. Damit fiel der Titel an Graham Hill, der auch den Rennsieg „erbte“.

Mit diesem Erfolg sicherte Hill seinem Team auch den Konstrukteurs-Titel. Das macht die Saison 1962 zur erfolgreichsten in der Geschichte der British Racing Motors. Der legendäre Teamchef Alfred Owen hatte endlich sein Ziel erreicht. In den kommenden Jahren fiel das Team kontinuierlich zurück. Vielleicht auch, weil sich das Team vom Erfolg berauscht, in zu vielen Projekten verzettelte. Denn um Geld zu verdienen, betreute Owen den Le Mans Einsatz von Rover und verkaufte seine Motoren an andere Formel 1 Teams.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Graham Hill 1962 im BRM (Foto: Lothar Spurzem)

Graham Hill 1962 im BRM (Foto: Lothar Spurzem)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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