Der Weg, den Jaguar Land Rover zurzeit verfolgt, ist beeindruckend. Konsequent und souverän spielen die Briten mit dem typisch britischen Attribut sportlicher Eleganz. Dabei testen sie von Zeit zu Zeit auch die Grenzen aus. Der Range Rover Sport SVR ist ein gutes Beispiel dafür.

Seit 2013 bietet Jaguar Land Rover die zweite Generation des Range Rover Sport an. Mit bis zu 510 PS litt der SUV sicherlich auch bisher nicht an Leistungsmangel. Schließlich fuhr Paul Dallenbach am Pikes Peak mit dem Range Rover Sport 5.0 Supercharged zur Bestzeit für Serien-SUV. Doch gerade im Bereich der Hochleistungsfahrzeuge gilt seit Erfindung des Autos der Grundsatz: Leistung hat ein Auto nie genug.

Insbesondere wenn der fünf Liter große V8-Motor des Hauses im Jaguar F-Type R schon mit einem Leistungsplus von 40 PS verfügbar ist. Und so wird sich einer der Entwickler irgendwann gefragt haben, warum machen wir das eigentlich nicht im Range Rover Sport. Die neugegründete „Special Vehicle Operations“ nahm sich der Sache an. Sie formte aus der Idee den 550 PS starken Range Rover Sport SVR – der jetzt das Angebot der Briten nach oben abrundet.

Wie wirkt der Range Rover Sport SVR?

Sicherlich ist es diese Leistungsangabe, die mich an Doc Martens Schuhe beim Wiener Opernball oder an ein Ben Sherman Hemd auf dem Parkett der Frankfurter Börse erinnert. Beides galt einst als Provokation. Heute müssen dafür schärfere Geschütze herhalten. Die Leistung des V8-Motors, der dazu noch einen fast 1,8 Meter hohen SUV antreibt, ist ein Statement, das als Provokation taugt.

Zu den 550 PS Spitzenleistung gesellt sich ein maximales Drehmoment von 680 Newtonmetern. Den Sprint aus dem Stand auf das Tempo von 100 Kilometern pro Stunde legt dieser Sport in knackigen 4,7 Sekunden auf den Asphalt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 260 Kilometern pro Stunde. It’s good to be bad – so bewarb Jaguar den Einstand des F-Type. It’s better to be worse – könnte die Fortführung dieses Claims lauten, um den Range Rover Sport SVR vorzustellen.

Wie fährt sich der Range Rover Sport SVR?

Die Kraft des SUV ist brachial. Ich konnte den Range Rover Sport SVR auf der Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings ausprobieren. Sie kenne ich aus der Perspektive der Sprecherkabine. In den vergangenen fünf Jahren habe ich am Nürburgring für das Publikum zahlreiche Rennen am Streckenmikrofon begleitet. Insofern war der Einstieg in den Range Rover Sport SVR für mich mit einem Perspektivwechsel verbunden.

Nach einer Einführungsrunde hinter dem Sicherungsfahrzeug darf ich an Start- und Ziel endlich voll auf das Gas steigen. Der 550 PS starke V8 reißt den SUV kräftig nach vorne. Mit rasender Geschwindigkeit passiert die Tachonadel der Marke von 180 Kilometern pro Stunde. Ich fliege an der Ausfahrt der Boxengasse vorbei. Auf der linken Seite der Strecke stehen jetzt kleine Hinweisschilder, die die Entfernung bis zur Kurve anzeigen.

Mein Gehirn gibt den Befehl zum Bremsen

Am zweiten Hinweisschild steige ich endlich auf die Bremse. Schließlich verfügt die Fuhre über ein Leergewicht von 2,3 Tonnen. Sie zu verzögern ist eine große Aufgabe. Der Range Rover Sport SVR bremst – fast will man sagen – konventionell mit Stahl-Scheiben und einer Sechskolben-Bremse von Brembo.

Eine Bremsanlage mit Carbon-Scheiben wäre denkbar. Doch dann wäre der Range Rover nicht mehr für den Ausflug ins Gelände geeignet. Jaguar Land Rover war es wichtig, dass sich der SVR bei den Off-Road-Qualitäten nur unwesentlich von seinen „schwächeren“ Brüdern unterscheidet.

Nach der Betätigung des Bremspedals nickt der Range Rover Sport SVR trotz seiner Luftfederung vorne etwas ein. Die negative Beschleunigung des Geschwindigkeitsabbaus ist mindestens so überzeugend, wie es der Aufbau des Tempos war. Schließlich kann ich schon deutlich vor dem Einlenkpunkt die Bremse wieder lösen.

Ich habe offensichtlich zu früh den Anker geworfen

Dem Lenkbefehl folgt der SUV willig. Das überwiegend aus Aluminium gefertigte Fahrwerk verfügt über vier einzeln aufgehängte Räder. Vorne übernehmen Doppelquerlenker die Führung der Räder. Die Hinterachse ist eine aufwendige Mehrlenkerlösung. Im Unterschied zu seinen bisher bekannten Brüdern verfügt der SVR über größere Dämpfer und härtere Fahrwerksbuchsen.

Alles zusammen erinnert mehr an einen Sportwagen als an einen SUV. Und fährt sich im Prinzip auch so. Zumal der Kompressormotor die ganze Zeit schön am Gas hängt. Ich treibe den Range Rover durch die Mercedes-Arena. Provoziere ihn mit Lastwechseln. Doch das Fahrwerk lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Dabei hilft, dass die Entwickler die Schaltzeiten der Achtgang-Automatik um 50 Prozent verkürzten.

Die Provokation macht verdammt viel Spaß

Ich bin auf der Sprintstrecke des Grand-Prix-Kurses unterwegs. Die DTM tritt auf dieser Streckenvariante im August in der Eifel an. Bei den Fahrern ist diese Version der Strecke nicht besonders beliebt. Besonders die fünfte Kurve – die Kurzanbindung – kommt nicht gut weg. Denn die Strecke hängt an dieser Stelle etwas durch und ist ein bisschen wellig. Deshalb bleiben hier bleiben beim Anbremsen oft die Räder stehen.

Auch im Range Rover Sport SVR treibe ich das ABS in den Regelbereich. Irgendwie ziehe ich den SUV trotzdem mit einem sanften Bogen durch die Kurve. Unfassbar, wie der Range Rover Sport SVR in der Warsteiner Kurve das Gas annimmt. Das gesamte Stück bergab durch den ADVAN-Bogen baut der SUV Geschwindigkeit auf. Deutlich mehr als 200 Kilometer pro Stunde projiziert das Head-up-Display in die Scheibe.

Ich bremse die NGK-Schikane an. Wir fahren die etwas flüssigere Motorrad-Variante. Wieder lässt sich der Range Rover Sport SVR sehr sauber durch die Schikane zirkeln. Selbst als ich die Curbs mit in die Strecke einbeziehe, bleibt der SUV ruhig. Steckt meine Provokation locker weg.

Wie sitze ich im Range Rover Sport SVR?

Den Innenraum des Range Rover Sport SVR dominieren die auffälligen Schalensitze. Mit ihren Gurtdurchführungen und den feststehenden Kopfstützen sehen sie aus, als ob Sie dem Teilekatalog eines Rennsporthändlers entstammen. Zunächst habe ich Zweifel, ob ich mit meiner Länge von mehr als zwei Metern in den Sitzen Platz finde.

Doch schon die erste Sitzprobe lässt alle Bedenken sofort verfliegen. Die Sitze passen. Und sie bewähren sich später auf der Strecke. Denn dort verwachse ich über den Sitz fast mit dem Auto. Die Wangen bieten bei meinem Tanz durch die Kurven den notwendigen Seitenhalt.

Was hat mir gefallen?

Wenn ein Tuner dieses Auto gebaut hätte, stände es wohl mit einer auffälligen Lackierung und vermutlich auch wilden Verbreiterungen vor mir. Die „Special Vehicle Operations“ haben dieser Versuchung widerstanden. Sie hat sich im Wesentlichen „nur“ des Motors und dem Fahrwerk des Sport angenommen. Von außen ist der SVR kaum von seinen zahmeren Brüdern zu unterscheiden. Ich mag diese besondere Form des britischen Unterstatements.

Was hat mit nicht gefallen?

Das ich ihn mir nicht leisten kann. Denn der Spaß an der Provokation erfordert in Deutschland 124.600 Euro. Das reduziert den Kreis der möglichen Provokateure.

Bilder vom Range Rover Sport SVR

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