
Unter dem Namen „Nano“ stellte der indische Automobilhersteller Tata heute in Neu-Delhi den günstigsten Neuwagen der Welt vor. Der kleine Viersitzer kostet auf seinem Heimatmarkt in der günstigsten Version 100.000 Rupien. Das entspricht rund 1.700 Euro. Den Antrieb des 33 PS starken Kleinwagens übernimmt ein 623-Kubikzentimeter-Zweizylindermotor. Für AutoNatives.de war die Vorstellung des Fahrzeugs Anlass, einmal die Webseite des Herstellers zu besuchen. Wir staunten nicht schlecht, als wir dort die Überschrift einer Pressemitteilung zum neuen Kleinwagen erblickten. Denn dort hieß es tatsächlich: „Tata Motors blitzkrieg of new products at its biggest ever presence at the Auto Expo“.
Was für einen Übersetzungscomputer hat die Presseabteilung des Herstellers denn da bemüht? Immerhin findet sich in der Pressemitteilung zum Glück noch nichts über eine Markteinführung in den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Das wäre dann wirklich der Blitzkrieg. Doch wir lesen, dass der 3,10 Meter lange, 1,50 Meter breite und 1,60 Meter hohe Kleinwagen erst der Anfang sei. Lassen wir das mal als Versuch einer Erklärung stehen. Denn Tata kündigte zur Autoshow in Neu-Delhi eine Vielzahl neuer oder überarbeiteter Fahrzeuge an. Tata stellte dem Nano einen „Lifestyle Pick-up“ Xenon XT sowie einen Sattelschlepper Tata LPS 4923 TC 6×4 zur Seite.
Ist die Vokabel Blitzkrieg Absicht?
Im Online-Lexikon Wikipedia lesen wir:
Der Blitzkrieg ist eine Form der Kriegsführung durch den kombinierten, koordinierten Einsatz verschiedener Teilstreitkräfte, d. h. Luft-, See- und Landstreitkräfte. Plötzliche, schnelle und unerwartete Vorstöße sollen dem Gegner im Idealfall keine Gelegenheit lassen, eine stabile Verteidigung zu organisieren. Quelle: Wikipedia.
In Deutschland gibt es zurzeit kaum Autos, die weniger als 10.000 € kosten. Lada 1118, Dacia Logan oder die Basisversion des Fiat Seicento bedienen dieses Marktsegment. Ein Preis von 1.700 Euro macht den Nano, der sich optisch trotz vier Sitzen irgendwie am Smart anlehnt, zur Kampfansage. Mit so einem Kampfpreis wird ein Auto auch in Schwellenländern plötzlich für Millionen Menschen bezahlbar. Damit bereitet der neue Kleinwagen wohl nicht nur dem Chef des Weltklimarats, Rajendra Pachauri, Albträume.
Es wird spannend, wie die etablierte Autoindustrie auf diese Herausforderung aus Indien reagiert!
Denn dafür benötigt sie eine ausgefeiltere Strategie. Die Diskussion ausschließlich auf den Vorwurf des Plagiats und die Sicherheitsstandards zu lenken, springt zu kurz. Das hat schon im Kampf gegen Japaner und Koreaner nicht funktioniert. Und das wird auch gegenüber den Autobauern aus China nicht ausreichen, wo europäische Autobauer gerade beginnen, dieses alte Lied anzustimmen.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer prognostiziert: 2015 finden zehn Millionen Neuwagen für weniger als 10.000 Dollar (6.800 Euro) einen Kunden. 3,5 Millionen dieser Fahrzeuge werden sogar nur zwischen 2.000 und 5.000 Dollar (1.360 bis 3.400 Euro) kosten. Trotzdem werden ihre Hersteller Geld verdienen. Geld, das sie anschließend in neue Produkte investieren. Gut möglich, dass sie damit den Grundstein für eine völlige Veränderung der Autoindustrie legen. Dann wäre der Nano tatsächlich der Anfang eines Blitzkriegs!
Nachtrag von 2021:
Der Tata Nano blieb auf dem Heimatmarkt bis 2018 im Programm des Autobauers. Schon 2009/10 kündigte Tata das Angebot in Europa an. Doch dazu kam es nie. Offenbar wurde der Blitzkrieg abgesagt.
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