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Ein Freitag in Spa: Ich wollte Autos sehen, sie boten Musik und einen Catwalk!

Formel 1 in Spa. Freitagstraining. Früher bedeutete das: ein ganzer Tag Motorsport mit Formel Ford, Tourenwagen und kreischenden Motoren. Heute? DJ-Sets, Papaya-Shirts und TikTok-taugliche Norris-Fans. Nach meinem gestrigen Besuch in Spa weiß ich: Ich bin nicht mehr Zielgruppe 14–49 und gehöre zur Generation „Motorsound ist Kultur“.

Tom Schwede
Von Tom Schwede 26. Juli 2025 3 Minuten Lesezeit
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Tom Schwede bei McLaren
Zu Besuch bei McLaren: Lando war gerade nicht da, aber sein Auto hat schon mal freundlich gegrüßt. Draußen hätten viele Fans vermutlich alles dafür gegeben, einmal hier zu stehen. Aber anders als ich, nicht wegen des Autos. (Foto: Fabian Wiedl)

Gestern war ich in Spa beim Trainingstag des Grand Prix von Belgien. Freitags fuhr ich schon als Student gerne an die belgische Strecke. Die Ardennen-Achterbahn war vom Ruhrgebiet aus schnell zu erreichen. Und Freitag passte zum Studenten-Budget, bot dieser damals ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Für etwa 20 DM gab es zum Auftakt des Grand Prix-Wochenendes ein Happening des Motorsports. Dicht gedrängt folgten Formel Ford 1600, Formel Ford 2000, nationale Formel 3, Tourenwagen, manchmal sogar Sportwagen. Allein die Königsklasse war mehrere Stunden auf der Strecke. Von 9 bis 18 Uhr röhrte, brüllte, kreischte es.

Festival statt Rennsport

2025 gab es Formel 3, Formel 2, ein bisschen Formel 1 und ein paar F1-Klassiker zur Feier von 75 Jahren Weltmeisterschaft. Nett. Aber irgendwie auch Einheitsbrei mit Nostalgiesoße. Da hilft auch der Porsche Supercup nicht, der um 18 Uhr noch auf die Strecke ging. Dafür gab es in der „Fan Zone“ ein volles Programm: mehr als 15 (!) Live-Acts. Ich kannte keinen davon. Und trotzdem – oder vermutlich deswegen – strömt die Generation Netflix in Massen an die Strecke. Ich kann mich nicht erinnern, dass es an einem Freitag in Spa jemals so voll war!

McLaren 2025

Zwischen dem Freien Training und der Sprint-Qualifikation überprüften die Mechaniker die Rennwagen genau. Der Zusammenbau erinnert an eine Mischung aus Puzzle und Mechaniker-Ballet.

Ich dachte immer, Freitag sei für Menschen, die Autos sehen wollen. Das stimmt wohl nicht mehr. Heute ist der Freitag offenbar der Tag der Teenys, die Musik hören wollen. „Drive to Survive“ hat ganze Arbeit geleistet, schuf eine neue Fan-Generation. Sie hat weniger Benzin im Blut, dafür aber die bessere Hautpflege. Die Formel 1 ist für viele ein Festival geworden. Kein Motorsport-Festival, einfach nur Festival. Motorsport ist das Bühnenbild und nicht mehr das Hauptprogramm. Das holt erstaunlich viele Frauen an die Strecke. McLaren scheint dabei das neue Ferrari zu sein. Das Duo Norris/Piastri sorgt überall für glänzende Augen und verkauft viele orangefarbene Papaya-Shirts.

Mode statt Motoröl!

Denn wer dazugehören will, der trägt Fan-Artikel eines Teams. Fast scheint es, dass Fan-Artikel die verbleibende Brücke zum Hauptakt sind. Getragen werden Hemden, Mützen, Hüte. Viel Ferrari, überraschend viel Williams und überall McLaren sowie natürlich Max Verstappen. Mercedes hingegen? Kaum zu sehen. Und wenn doch, dann zumeist am Körper eines älteren, übergewichtigen Briten mit Sonnenbrand und Senf auf dem T-Shirt. Das ist dann wieder der Rennsport vergangener Tage. Böse gesagt: Hier lebt das Motorsport-Biotop der 1990er-Jahre weiter.

Und ich? Ich weiß seit gestern endgültig, dass ich nicht mehr zur werberelevanten Zielgruppe 14 bis 49 gehöre. Ich bin der Senior, der die Formel Ford noch kennt und für den das Geräusch eines aufschreienden Saugmotors Kultur ist. Doch die neue Formel 1 ist anders. Sie ist bunter, lauter (außer bei den Motoren), weiblicher und modischer. Aber vielleicht ist das auch gut so. Denn solange die Tribünen voll sind und irgendwo zwischen Papaya-Shirts und DJ-Sets doch noch ein echter Grand Prix stattfindet, so lange lebt der Zirkus weiter.

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