Kommentar: 24 Stunden zum Vergessen

Was ist nur aus dem Mythos Nürburgring geworden? Das 24 Stunden-Rennen 2025 zeigte vor allem eins: Chaos, Ungerechtigkeit und verlorene Faszination. Ein Kommentar über erkaltete Leidenschaft und sportliche Enttäuschung.

Tom Schwede
Von Tom Schwede 22. Juni 2025 3 Minuten Lesezeit
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Unfall auf der Nordschleife
Das 24-Stunden-Rennen 2025 am Nürburgring enttäuschte mit fragwürdigen Entscheidungen, Promibonus und einem sportlich belasteten Sieger. Damit crashte sich das Rennen aus meinem Interesse.

Ich liebe die Nordschleife. Kein Asphaltband ist faszinierender, fordernder und gefährlicher. Ich bin sie selbst im Wettbewerb gefahren. Und noch heute sorgt jeder Ausflug auf die Strecke dafür, dass mich Glücksgefühle durchströmen. Auch das 24-Stunden-Rennen auf dem mythischen Kurs der Nordschleife war für mich lange einer der Höhepunkt des Motorsportjahres. Doch was einst ein Fest war, ist heute eine Farce. Meine Liebe zu diesem Rennen ist am Wochenende abgekühlt.

Profis und Amateure in einem Rennen? Funktioniert das noch?

Und das liegt nicht an der Strecke – sondern an dem, was auf ihr inzwischen passiert. Denn das Grundprinzip, das man gerne als „Charme des Rennens“ verkauft, ist in Wahrheit ein systematischer Fehler: Profis und Amateure in einem Starterfeld – das klingt nach Motorsport-Romantik, ist aber längst zum Sicherheitsrisiko verkommen. Die Tempounterschiede sind grotesk, die Kommunikation auf der Strecke oft ein Glücksspiel. Und so passiert es Jahr für Jahr, ambitionierte Hobbyfahrer werden ungewollt zur rollenden Schikane – oder von übermotiviert wirkenden Profis aus dem Weg geräumt.

Das Ergebnis ist kein heroischer Langstrecken-Kampf mehr, sondern Chaos mit Ansage. 2025 ist da der – wohl leider nur vorläufige – Tiefpunkt. Zunächst donnert ein DTM-Profi im Training mit Vollgas an zahlreichen roten Flaggen vorbei – und bekommt de facto nur eine bessere Standpauke. Angemessen wäre gewesen, wenn Mirko Bortolotti nach diesem Fehler seine Heimreise hätte organisieren dürfen. Doch im Glanz des Marketings zählen längst nicht mehr nur die Regeln, sondern offenbar der Promibonus. Denn zuvor wurden andere für Vergehen in Slow-Zones vom Rennen ausgeschlossen – zumindest kurzzeitig.

Transparenz? Fehlanzeige. Glaubwürdigkeit? Aufgebraucht.

Doch wirklich zum Abwinken war das, was mit dem schnellsten Auto im Feld geschah: dem beliebten Grello-Porsche. Eine Kollision mit Überschlag des Kontrahenten führte zu 100 Strafsekunden – an sich nachvollziehbar. Doch weil es der Rennleitung nicht gelang, diese Strafe rechtzeitig zum Absitzen durchzusetzen – obwohl das Vergehen über fünf Stunden vor Rennende passierte – wurde das eigentliche Siegerauto nachträglich degradiert. Bei allem Verständnis für sportrechtliches Geplänkel, das Resultat ist ein sportliches Trauerspiel!

Denn am Ende steht nicht der Schnellste ganz oben – sondern der Zweitplatzierte. Das führt zu einem sportlich belasteten Sieg für BMW – garniert mit juristischem Gezeter und kleinlichem Nachtreten aus der Ecke der Unterlegenen. Motorsport wie er nicht sein sollte: bürokratisch, verbissen, grotesk. Dass zwischendurch gestern am frühen Abend auch noch der Strom an der Strecke ausfiel und für eine rote Flagge sorgte – sinnbildlicher hätte das alles nicht laufen können. Denn der Stromausfall sorgte für mehr als zwei Stunden Stillstand.

Hat sich das Konzept des Rennens überlebt?

Angesichts dessen, was folgte, wünschte man sich fast, es wäre so geblieben. Die Grüne Hölle? War einst das Herz des Motorsports. Heute wirkt das 24-Stunden-Rennen wie ein schlechter Abklatsch seiner selbst. Mit überfrachteten Regularien, fragwürdigen Entscheidungen und einem sportlichen Niveau, das unter der eigenen Legende zusammenbricht. Vielleicht braucht das Rennen nicht mehr Zuschauer, sondern eine Generalüberholung. Sonst bleibt am Ende von der Liebe zur Nordschleife nur noch Wehmut.

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