1967 gelang Ferrari bei den 24 Stunden von Daytona ein überlegener Triumph. Das Foto der Ferrari auf den Plätzen eins, zwei und drei, die Seite an Seite ins Ziel fuhren, ging um die Welt.

Daytona 1967 – als der dreifach Triumph von Ferrari für ein ikonisches Sportfoto sorgte!
Daytona 1967 – die drei Erstplatzierten Ferrari gehen Seite an Seite ins Ziel (Foto Ferrari)

Mit den 24 Stunden von Daytona endet für viele Motorsport-Fans traditionell der Winterschlaf. Auch wenn das Rennen in Florida letztmals 1981 zur Sportwagen-Weltmeisterschaft zählte, findet das Rennen bis heute weltweit Beachtung. Denn es ist einfach beeindruckend, wie die Rennwagen im Wechsel durch die überhöhten Kurven des Ovals und die langsameren Streckenpassagen im Infield des Daytona International Speedway jagen.

Zur Faszination des Rennens trägt auch bei, dass die Nacht in Daytona Ende Januar wesentlich länger als Mitte Juni bei den 24 Stunden von Le Mans ist. Weshalb das Rennen auch als „Lange Nacht in Florida“ bekannt ist. Entstanden ist das Rennen 1966 als Weiterentwicklung des zuvor in Daytona ausgetragenen 2.000-Kilometer Rennens. Bei der Verlängerung der Renndauer auf der 1959 eröffneten Rennstrecke spielte auch der damals neue Ford GT40 eine Rolle.

Denn mit dem heute legendären Sportwagen mischte Ford ab 1964 auf der Langstrecke mit. Der Start war schwierig. Doch 1965 gewann Ford unter der Regie des amerikanischen Nationalidols Carroll Shelby ausgerechnet beim 2.000 Kilometer-Rennen in Daytona seinen ersten Rennsieg. Die vom North American Racing Team NART eingesetzten Ferrari hatten an diesem Tag trotz Piloten wie Pedro Rodríguez oder John Surtees im Cockpit keine Chance gegen die Amerikaner.

Ford machte Lust auf mehr!

Die Verantwortlichen des Daytona International Speedway, der zum NASCAR-Imperium der Familie France gehört, verlängerten ihr Sportwagen-Rennen. Wohl auch, um das traditionelle 12-Stunden-Rennen im benachbarten Sebring zu übertreffen, etablierten sie ein 24-Stunden-Rennen. Bei der Erstausgabe fuhr Ford zu einem überlegenden Dreifachsieg. Dieser Erfolg dokumentierte endgültig die Zeitenwende auf der Langstrecke.

Denn bis Mitte der 1960er-Jahre war Ferrari auf der Langstrecke der Platzhirsch. Der italienische Sportwagen-Hersteller gewann die 24 Stunden von Le Mans alleine von 1958 bis 1965 siebenmal. Nur 1959 unterbrach Aston Martin einmal die Siegesserie von Ferrari. Doch Rennsport ist traditionell ein teures Vergnügen. Deshalb war Enzo Ferrari immer auf der Suche nach zusätzlichen Finanzquellen und bot sein Unternehmen zeitweilig zum Verkauf an.

Lance Reventlow, Sohn der Woolworth-Erbin Barbara Hutton und Gründer der Automarke Scarab bot zehn Millionen US-Dollar für eine Übernahme von Ferrari. Doch schon, als der SPIEGEL am 12. August 1959 von diesem Übernahmeangebot berichtete, galt als sicher, dass Ferrari mit den Verkaufsgesprächen nur die italienische Regierung und seinen Hauptsponsor SHELL unter Druck setzen wollte, um diese zu mehr finanzieller Unterstützung zu bewegen.

Kurze Zeit später galt eine Übernahme von Ferrari durch Ford als ausgemacht. Die Übernahme scheiterte letztlich am Ego der Beteiligten. Enzo Ferrari strebte im Zuge der Übernahme die Rolle als globaler Sportchef der Amerikaner an. Zudem gab es Differenzen, ob der Sportwagenbauer des Italieners nach der Übernahme Ferrari-Ford oder Ford-Ferrari heißen sollte. Über diesen Streit erklärte Enzo Ferrari plötzlich, dass seine Firma unverkäuflich sei.

Henry Ford II schäumte und schwor Rache!

Ford beauftragte seinen Mitarbeiter Harley Copp einen Sportwagen auf die Räder zu stellen, der Ferrari in Le Mans schlagen kann. In Zusammenarbeit mit Lola entstand der Ford GT40 – der Rest ist Geschichte. Auch das erste 24-Stunden-Rennen von Daytona gewann Ford. Mit weiteren Erfolgen in Sebring, wo ein GT40-Roadster das Rennen gewann, und bei den 24-Stunden von Le Mans holte sich Ford 1966 auch die WM-Titel für Prototypen und Sportwagen über zwei Liter Hubraum. Doch 1967 holte Ferrari zum Gegenschlag aus.

Denn beim Saisonauftakt in Daytona fuhr Ferrari zum Dreifach-Erfolg. Wobei die Italiener medienwirksam die drei führenden Fahrzeuge in den Schlussrunden zusammenführten. Nebeneinander fuhren die drei Rennwagen von Ferrari durch die Steilkurven von Daytona. Die Fotos von den drei italienischen Sportwagen gingen um die Welt und begeistern bis heute. Die Aufnahme gehört für mich zu den ikonischsten Sportfotos aller Zeiten.

Für Enzo Ferrari war der Sieg eine Genugtuung!

Der siegreiche Werkswagen mit der Startnummer 23 von Chris Amon und Lorenzo Bandini ist oben in der Steilkurve unterwegs. Den Ferrari 330P4 eskortieren ein weiterer Werkswagen und ein Ferrari 412 des „Kundenteams“ NART. Den zweiten Ferrari 330P4 (Startnummer 24) des Werks steuerten Ludovico Scarfiotti und Mike Parkes auf den zweiten Platz. Im Ferrari 412P griffen Pedro Rodríguez und Jean Guichet ins Lenkrad.

Für Enzo Ferrari war der Erfolg im Heimatland des großen Rivalen Ford eine große Genugtuung. Der Sportwagen-Bauer feierte den Triumph auch damit, dass der 1969 vorgestellte Straßensportwagen Ferrari 365 GTB/4 den Beinamen „Daytona“ bekam.

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