Ich bin Mitte der 1990er-Jahre aus dem hohen Norden ins Ruhrgebiet gezogen. Mit Opel hatte ich zuvor nicht viel am Hut. Mein Opa, der meine Autoleidenschaft ganz wesentlich prägte, ist ein Sternenjünger. Schon als ich noch im Tretauto durch den Garten rollte, „warnte“ er mich vor Opel und predigte die Zuverlässigkeit und Überlegenheit der Sterne aus Stuttgart.

Opas persönlichen Erfahrungen mit dem Blitz standen offensichtlich unter keinem guten Stern. Kurz nach dem Krieg kaufte mein Großvater einmal einen Opel Kapitän. Es blieb eine kurze Episode. Denn nach einem halben Jahr gönnte Opa sich (wieder) einen Mercedes und blieb dem Stern bis zur Aufgabe des Autofahrens treu. Denn auch fast 70 Jahre später hat dieser Opel immer noch die rote Laterne seiner persönlichen Autohitparade.

Erst mit meinem Umzug ins Ruhrgebiet entzog ich mich der „Indoktrination“. Von meiner ersten Wohnung in Bochum blickte ich prompt auf das Bochumer Opel-Werk. Auf dem Weg zum Fussball im Ruhrstadion kam ich sogar direkt am Opel-Werk vorbei. Im Laufe der Zeit änderte sich meine Beziehung zur Marke mit dem Blitz. Vielleicht lag das auch daran, dass Karla in einem Opel Corsa unterwegs war, als ich sie kennenlernte.

Später fuhr ich sogar für Opel Oldtimer-Rallyes. Und nicht zu vergessen, mit dem Hundemobil gehört inzwischen sogar ein Opel Combo zu unserem Fuhrpark. Parallel dazu lernte ich in den inzwischen fast 20 Jahren im Ruhrgebiet, dass Opel im Bochum zu Stadt gehört. Hier hat fast jeder einen Bezug zu Opel. Sogar die heutige Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz fuhr früher einen Opel Manta.

1962 kam Opel nach Bochum.

Damals war der Bergbau in der Krise. Mit Opel kehrte die Hoffnung in den Pott zurück. Das Werk entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Zeche. Jetzt steht dort der nächste Wechsel an. Optimisten sprechen von Bochum 4.0. Realisten sehen, dass der zweitgrößte Opel-Standort in Deutschland Geschichte ist. Mit den (nur noch) rund 3.000 Opel-Mitarbeitern verlieren auch zahlreiche Beschäftigte von Zulieferern und Dienstleistern ihren Job.

Kritiker sprechen von bis zu 10.000 Arbeitsplätzen, die mit Opel Bochum verloren gehen. Das ist längst ein struktureller Kahlschlag. Denn bereits jetzt sind in der Stadt schon mehr als 17.000 Menschen ohne Arbeit. Insofern wird der 5. Dezember 2014 für die Stadt Bochum wohl für lange Zeit Symbol eines tiefen Einschnitt bleiben.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Opel Werk Bochum Foto: Tuxyso / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

1 Comment

  1. Wirklich schade um das Werk in Bochum. Ich war zwar selbst nie Opel-Fahrer, war dem Hersteller aber auch nicht abgeneigt. Vor allem um die vielen Mitarbeiter, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren, tut es mir leid. Weiß man denn schon was da dann Neues auf dem Gelände des Opel-Werks entstehen soll?

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