Der Abend ist wieder klar. Zum Glück, denn die letzte Station auf unserer LandMarks2015 Tour sollte eine ganz besondere werden. Schon 2007 haben Tom und ich an der feierlichen Eröffnung des 30 Meter hohen Blow-Ups einer Grubenlampe teilgenommen. Heute gilt der Entwurf des deutschen Künstlers Otto Piene nicht nur als Wahrzeichen der Kulturhauptstadt 2010, sondern auch als das größte Montankunstwerk der Welt.

Die Halde Rheinpreußen liegt nahe der Halde Norddeutschland bei Moers. Ihr Hang ist nicht besonders steil, die Auffahrt bereitet also keinerlei Schwierigkeiten. Außerdem habe ich mittlerweile Übung. Tom kann den Defender nur bedingt fahren. Und besser nur wenn er nicht links blinken muss. Denn mit seinen 2,02 m passt er kaum hinter das große Lenkrad. Theoretisch ist das kein Problem, denn ganz ähnlich wie beim alten Mini sind Sitzschienenverlängerungen für den Defender schwunghaft gehandelte Zubehörteile. Doch ausgerechnet diesen hier konnten und durften wir natürlich nicht umbauen.

Eiskaltes Grubenfeuer

Wir parken den Landy vor dem Geleucht. Ganz dekorativ, als würde er den Ausblick ebenso genießen wie wir. Zur Dämmerung soll die Beleuchtung des Turms automatisch anspringen, doch Dämmerung definiert offenbar jeder ein bisschen anders. Wir warten also. Ein Gruppe Besucher wartet mit uns. Plötzlich klopft es am Fenster der Fahrertür. Eine Frau hat sich aus der Gruppe gelöst: “Fahren Sie doch mal den Wagen weg!“ Ihr Ton passt mir nicht. „Nein, tut mir leid. Der Wagen muss hier stehen bleiben. Wir haben seine Position nämlich genau abgezirkelt.“ „Was machen sie überhaupt hier? Wir wollen auch gucken!“ „Dann gehen Sie doch einfach um den Wagen herum.“, sage ich. Ihr Ton passt mir jetzt noch weniger. Kurz, die Frau wird ausfallend, holt flott ihren Ehegatten zur Verstärkung, der dann ebenfalls ausfallend wird. Wieder diese Blockwartmentalität, die ich so hasse! Wir bleiben und ziehen unseren Stiefel durch.


Halde Rheinpreußen
Gutenbergstraße
47443 Moers

51°28’42.7″N 6°39’01.0″E

Die Sonne ist weg und es wird bitterkalt. Der Wind pfeift so scharf, dass die Besuchergruppe bald die Nase voll hat und verschwindet. Ich kann für eine kurze Zeit die Kälte vergessen. Denn so durchschnittlich mir das Geleucht bei Tageslicht begegnet, so spektakulär strahlt es in der Dunkelheit. Im Turm, so denke ich später, bläst der Wind vielleicht nicht ganz so gemein. Falsch, denn in der Stahlröhre verwirbelt die Luft zu einem kleinen Eissturm. Der Zeigefinger meiner rechten Hand wird taub, so dass ich den Auslöser der Kamera nicht mehr fühlen kann. Rückzug! Wir flüchten ins Innere des Defenders. Seine Heizung bullert wie ein großer Kohleofen. Hier bleiben wir und steigen nie wieder aus!

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