Frontantrieb trifft Bertone – Der Favorit war Škodas mutiger Kurswechsel
Mit dem Favorit wagte Škoda den Sprung in die automobile Moderne. Das kompakte Schrägheckmodell war eine völlige Neuentwicklung. Es feierte im Juli 1987 auf der Industriemesse von Brünn, der Brno Engineering Fair Weltpremiere. Der Favorit trat die Nachfolge des betagten Škoda Typ 742 an, der mit seiner klassischen Heckmotor-Bauweise noch bis 1990 parallel weiterproduziert wurde. Trotzdem markierte der Favorit einen klaren Bruch mit der Vergangenheit – technisch wie gestalterisch.
Denn statt auf sein altbewährtes Konzept zu setzen, entschied sich Škoda für eine moderne, frontgetriebene Plattform mit quer eingebautem Motor. Das war für den tschechoslowakischen Autobauer Neuland. Genauso mutig war der Schritt, sich für das Design Unterstützung aus dem Westen zu holen. Denn die Karosserie des Fahrzeugs entwarf das italienische Studio Bertone. Es verlieh dem Favorit eine zeitgemäße, europäische Linienführung.
Der Favorit überzeugte Volkswagen!
Damit war der Škoda Favorit nicht das seinerzeit modernste Auto aus dem Ostblock – er war ein Symbol für Aufbruch, Kooperation und technische Erneuerung unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Ab 1988 exportierte das damalige Staatsunternehmen Škoda seinen Favorit auch in den Westen. Er kam übrigens genau zur rechten Zeit: Denn nach der Samtenen Revolution und der Öffnung des Ostens war das Modell bereit für neue Märkte – und weckte das Interesse von Volkswagen.

Professor Carl H. Hahn, damals Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, erzählte mir bei einer Oldtimer-Rallye mit Volkswagen Classic einmal, dass sich seine Techniker den Favorit vor dem Einstieg bei Škoda sehr genau angesehen hätten. Danach sei in Wolfsburg klar gewesen: „Die können Autos bauen.“ Deshalb entschied sich Volkswagen, die Škoda automobilová zu erwerben. Damit spielte der Favorit eine entscheidende Rolle beim erfolgreichen Wandel der Marke zu einem weltweit anerkannten Automobilhersteller.
Wie sähe der Favorit heute aus, wenn man ihn neu erfinden würde?
Diese Frage beantwortet Škoda jetzt mit einem spektakulären Konzeptfahrzeug. Designer Ljudmil Slavov holte den Favorit von 1987 jetzt in die Gegenwart – als vollelektrisches Showcar mit modernen Proportionen, klaren Linien und einem Design. Es orientiert sich, wie kürzlich schon das Motorrad Škoda Slavia B, an der neuen Formsprache Modern Solid der Marke Škoda. Anders als sein Kollege Romain Bucaille bei der Neuinterpretation der Slavia B verzichtet Slavov bei der Studie des Favorit auf offensichtliche Retro-Zitate.
Erst auf den zweiten Blick werden die Parallelen zum Original deutlich: die klar gezeichnete Silhouette, die markante Front und vor allem die Scheinwerfer. Wie schon Bertone 1987 musste sich auch Ljudmil Slavov mit der Integration großer Leuchten auseinandersetzen. Seine Lösung: Hinter halbtransparenten Abdeckungen verbergen sich LED-Streifen, die je nach Wunsch unterschiedliche Lichtmuster erzeugen können. Auch wenn das Fahrzeug nicht für die Serienproduktion gedacht ist – es zeigt eindrucksvoll: Škoda kennt seine Wurzeln.
Oldtimer-Szene
30 Jahre Škoda Museum: Vom Ostblock-Preisbrecher zur Kultmarke mit Geschichte
Historischer Motorsport
130 Jahre Škoda und ein Comeback in Le Mans: Der Škoda Sport ist zurück!
News
Škoda Slavia B: Zurück in die Zukunft auf zwei Rädern
Auto-Erinnerungen
Škoda 1203 – das Kind der Planwirtschaft benötigte einen langen Anlauf bis zur Serie!
Auto-Erinnerungen
Škoda TREKKA – der Kiwi-SUV auf Basis des OCTAVIA