Škoda blickt auf 130 Jahre Geschichte zurück. An deren Anfang standen Fahrräder. Denn ab 1895 baute Škoda-Vorläufer Laurin & Klement Zweiräder. Bereits kurze Zeit später rüstete Laurin & Klement diese mit Motoren aus. 1925 wurde das Unternehmen Teil des Škoda-Konzerns. Der Rest ist Geschichte: Vom Kleinwagen bis zum Rallye-Champion entstand seither bei Škoda vieles. Während des Eisernen Vorhangs baute Škoda solide Autos mit Heckmotor, bewahrte sich dabei trotz begrenzter Ressourcen stets ein bemerkenswertes Maß an Ingenieurskunst.
„Modern Solid“: Škodas neue Linie zwischen Stahl und Strom
Modelle wie der Škoda 1000 MB oder der 105/120 prägten das Straßenbild im Ostblock, blieben im Westen aber Außenseiter. In Westdeutschland tauchten die Škoda-Modelle zeitweise im Katalog von Versandhändlern auf – als Exoten mit Charme und Charakter. 1991 beteiligte sich Volkswagen an Škoda Auto und übernahm drei Jahre später die Mehrheit. Seit nunmehr 25 Jahren ist Škoda vollständig Teil des Volkswagen-Konzerns. Daher nutzen die Tschechen die Technik der deutschen Mutter, dürfen beim Design jedoch eigene Akzente setzen.

So sind ihre Scheinwerfer oft eine Hommage an böhmische Glaskunst – präzise, klar und handwerklich inspiriert. Aktuell feilen die Designer der Marke an einer neuen Designsprache. Unter dem Namen „Modern Solid“ gestaltet Škoda seinen Weg ins Zeitalter der Elektromobilität und der Digitalisierung. Klare Linien, funktionale Details, nachhaltiges Denken – das sind die Schlagworte, die die Marke mit ihrem Design verkörpern möchte. Die erste Konzeptstudie zeigt jetzt, wohin der Weg führen soll.
Slavia B: Motorradgeschichte neu verdrahtet
Mit der Slavia B interpretiert Škoda eines der ersten Motorräder des Hauses auf futuristische Weise neu – und schlägt so eine Brücke zwischen Herkunft und Zukunft. Dabei entstand eine Verneigung vor einem Motorrad, das Laurin & Klement 1899 vorstellte. Statt eines Motors prägt die Slavia B ein leerer Rahmenraum mit scheinbar schwebendem Škoda-Logo. Dies ist ein Zeichen für den elektrischen Antrieb. Die Silhouette greift das Original von 1899 auf.
„Ich wollte zurück zu den Wurzeln der Marke. Als jemand, der auch Motorräder liebt, war das ein erfrischender Tapetenwechsel und eine große kreative Herausforderung.“Romain Bucaille, Designer der Konzeptstudie Slavia B
Eine vertikale Trennlinie gliedert das Fahrzeug in Front und Heck. Sie schafft eine visuelle Balance zwischen Vergangenheit und Zukunft. Designer Romain Bucaille, der sonst an den Exterieur-Designs der Serienfahrzeuge arbeitet, begann klassisch mit Bleistiftzeichnungen – ganz im Geiste der frühen Škoda-Ingenieure. Daraus entstanden digitale Entwürfe, die schließlich zur finalen Studie führten. Bucaille beschreibt das Konzept als „futuristischen Café Racer im Stil von Modern Solid“.
Beeindruckend – die Bezüge zur Vergangenheit
Die Rahmengeometrie ist eine Hommage an den Stil von Václav Laurin, Konstrukteur der ersten L&K-Maschinen. Die integrierte Ledertasche und der schwebende Sitz erinnern an die sportliche Tradition der Marke. Zu ihr gehört mit Narcis Podsedníček auch jener Werksfahrer, der 1901 das legendäre Rennen Paris–Berlin auf einer Slavia B absolvierte. Fast schade, dass die Slavia B ein Einzelstück bleibt. Doch genau darin liegt ihre Kraft: Sie zeigt, wie ernst die Tschechen ihre Wurzeln nehmen und zugleich bereit sind, sie radikal neu zu denken.

Mit der Slavia B beginnt Škoda eine kreative Zeitreise. Weitere Re-Designs historischer Fahrzeuge im modernen Gewand – etwa des legendären 200 RS, des 1203-Transporters oder der ersten Voiturette – kündigt Škoda an. Auch ein Superb aus den 1930ern, ein 1000 MB von 1964 oder ein Favorit von 1987 scheinen im Hintergrund schon nach einer Neuinterpretation zu rufen. Die Botschaft ist klar: Škoda denkt an morgen – mit beiden Händen am Lenkrad und einem wachen Blick in den Rückspiegel.
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