Den Ford GT40 kennt dank seiner vier Siege in Le Mans bis heute fast jeder Auto-Fan. Der 1970 präsentierte Ford GT70 ist dagegen weitestgehend unbekannt. Im Schatten erfolgreicher Geschwister ist es manchmal schwierig, seinen eigenen Weg zu gehen.

Beim Ford GT40 gab es von Anfang an ein klares Ziel. Denn Henry Ford II wollte mit dem Sportwagen Ferrari schlagen, um sich für die gescheiterten Übernahmegespräche zu revanchieren. Nach den vergeblichen Anläufen 1964 und 1965 gelang Ford beim dritten Anlauf endlich der erste Sieg. Als es Ford gelang, den Erfolg 1967, 1968 und 1969 zu wiederholen, fuhr der GT40 endgültig in den Status der Legende.

Der Versuch scheiterte, die Erfolgsgeschichte mit dem Ford P68 fortzusetzen. Ende 1969 stellte Ford das Sportwagen-Programm endgültig ein. Ford-Motorsportdirektor Stuart Turner sah im Rallye-Sport ein geeignetes Einsatzgebiet für seinen Arbeitgeber. Denn durch die Aufnahme der Safari Rallye in den Kalender wurde 1970 aus der Europameisterschaft die Internationale Rallye Meisterschaft für Marken. Der WM-Status war nur noch eine Frage der Zeit und folgte tatsächlich drei Jahre später.

Der Ford GT70 ist ein best-of Ford Europe

Turner war klar, dass der Escort hinter der überlegenen Alpine A110 einen schweren Stand haben wird. Deshalb entstand bei Ford Britain in Dagenham der Ford GT70. Bei der Konstruktion des Mittelmotorsportwagens griffen die Ingenieure auf viel Bewährtes zurück. Fahrwerksteile und Elektrik stammten zum großen Teil vom britischen Ford Zodiac. Den Motor lieferte der Ford Capri RS2600 von Ford Köln. Designer Ercole Spada kleidete den Sportwagen mit einer ansprechenden GFK-Karosserie ein. Len Bailey entwirft für den Sportwagen spezielle Felgen.

Nach der Premiere in Brüssel testet Ford den neuen Sportwagen regelmäßig in Goodwood. 1971 führt Roger Clark den GT70 erstmals bei einer internationalen Rallye aus. Zudem treten Francois Mazet und Jean Todt mit dem Sportwagen bei der „Tour de France Automobile“ an. Dabei bestätigt sich, dass der Mittelmotor-Sportwagen schwierig zu fahren ist. Ford France rüstet seinen GT70 daher mit einem BDA-Vierzylinder aus, um den Schwerpunkt abzusenken.

Trotzdem kann der GT70 selbst dem Escort nicht das Wasser reichen. Zudem steigen mit Einführung der Weltmeisterschaft die für die Homologation benötigten Stückzahlen. Das zieht dem GT70 endgültig den Boden unter Rädern weg. Ford stellt das Projekt GT70 Ende 1973 ein. Sechs Exemplare des Mittelmotor-Sportwagens sind bis um diesem Zeitpunkt entstanden. Eines dieser Fahrzeuge gehört heute zum Museumsbestand des Autobauers.

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