Vor dem Zweiten Weltkrieg war Opel zeitweise der größte Lkw-Produzent im Deutschen Reich. Im brandenburgischen Werk rollten die Blitz-Lastwagen vom Band, die bei Handwerkern, Speditionen und Behörden (sowie der Wehrmacht) gleichermaßen beliebt waren. Nach Kriegsende lag das Werk allerdings in der sowjetischen Besatzungszone und Opel verlor sein Nutzfahrzeug-Standbein.
Vom Blitz zum Rückzug
In Rüsselsheim startete man trotzdem noch einmal durch: Mit dem Opel Blitz entstanden in den 1950er- und 1960er-Jahren neue Lkw-Generationen, die vom guten Ruf der Marke profitierten und ihn noch ausbauten. Doch Anfang der 1970er-Jahre kam der Rückschlag: General Motors ordnete die europäischen Marken neu. Bedford in Großbritannien bekam die Nutzfahrzeuge, Opel sollte sich auf Pkw konzentrieren.

Das Ergebnis: der Bedford Blitz, von 1973 bis 1986 in Deutschland verkauft – ein kleiner Transporter, der sich gegen VW T4, Ford Transit oder die Bremer Transporter von Mercedes-Benz einen sehr schweren Stand hatte. Die Stückzahlen blieben stets im unteren dreistelligen. Mit dem Ende des Bedfords verschwand das Thema Transporter bei den Opel-Händlern fast komplett, auch wenn einige Händler als Ersatz den Isuzu Midi anboten.
Arena und Movano: Der vorsichtige Wiedereinstieg
In den 1990er-Jahren erkannten die Opel-Geschäftsführer, dass dies ein Fehler war. Denn wer Handwerker und Transporteure nicht mit ihren Brot-und-Butter-Fahrzeugen bedient, verliert diese oft auch im Pkw-Segment als Kunden. Opel suchte sein Heil in Kooperation mit Renault. Ab Ende 1997 konnten die Opel-Verkäufer in Opel Arena umbenannten Renault Trafic ihren Kunden anbieten.

Kein schlechter Start, aber der Traffic war schon 17 Jahre auf dem Markt – kein Wunder, dass er auch als Opel Arena den VW T4 oder den Mercedes Sprinter praktisch nicht ernsthaft unter Druck setzen konnte. 1998 folgte – 24 Jahre nach dem Ende des Opel Blitz – der Movano. Der mittelgroße Transporter war baugleich mit dem Renault Master II und dem Iveco Daily III, war ein Gemeinschaftswerk, bei dem Renault, Iveco und GM die Kräfte bündelten.

Diese Kooperation entstand, weil Renault als Staatsunternehmen traditionell eher ein Instrument der Strukturpolitik war und für einen Alleingang die Mittel fehlten. Schon 1989 legte sich Renault daher mit Leyland DAF ins Bett. Doch das niederländisch-britische Unternehmen ging 1993 Konkurs. Als Ersatz holte Renault zunächst Iveco an Bord und gewann dann GM als zusätzlichen Partner.
Vivaro: Opel holt den Transporter zurück
Drei Jahre nach dem Movano kam 2001 der Opel Vivaro als Nachfolger des Arena auf den Markt. Auch dieser Lieferwagen entstand wieder in Kooperation mit Renault, basierte auf dem Trafic II und brachte gleich ein paar Neuerungen mit: das „Jumbo-Dach“ für viel Kopffreiheit und einem Design, das Mut bewies, sowie dem mittig integrierten Schalthebel für Pkw-ähnliche Ergonomie.
Opel begleitete den Vivaro von Anfang an mit visionären Studien:
- Vivaro Concept V (2001): Luxuriöser Hightech-Bus mit Konferenzbestuhlung – Vorläufer moderner Lounge-Konzepte.
- Vivaro OPC (2007): Sportliche OPC-Interpretation eines Transporters – fast schon Kult für Fans von Werks-Tuning.
- Vivaro e-Concept (2010): Früher Elektro-Transporter mit 400 km Reichweite – lange bevor E-Transporter Mainstream wurden.
Die erste Generation lief bis 2014, dann kam der Vivaro B, den wir sogar einst testen durften. 2019 folgte die dritte Generation – diesmal auch mit Elektroantrieb. Gleichzeitig endete die Renault-Ära: Seit 2017 gehört Opel zu PSA, inzwischen Stellantis. Heute basiert der Vivaro wie Peugeot Expert, Citroën Jumpy, Toyota Proace, Fiat Scudo und Iveco eJolly auf der EMP2-Plattform, die PSA zusammen mit Toyota entwickelte.
Mehr als nur ein Lieferwagen
Der Vivaro zeigt, wie Nutzfahrzeuge immer mehr Pkw-Qualitäten übernehmen: Navigation, Infotainment, Assistenzsysteme – alles längst Standard. Gleichzeitig bleibt er, was er immer war: ein vielseitiges Arbeitstier, das sich als Shuttle, Mannschaftswagen oder Camper-Umbau eignet. Wer weiß, vielleicht feiern wir schon bald die ersten Vivaro-Youngtimer – ähnlich wie heute VW T4 oder Ford Transit der 90er. 25 Jahre nach seinem Start hat er jedenfalls das Zeug dazu.
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