Seinen Namen hörte ich zum ersten Mal 1982, als der Rennfahrer aus Gießen bei seinem Debüt in der Formel 2 gleich beide Auftaktrennen gewann. Davon erfuhr ich in der Sportschau, die damals tatsächlich noch über Formel-2-Rennen berichtete. Ab da war ich infiziert und verfolgte jedes Rennen des Gießeners, der bald auch im Sportwagen zu einer festen Größe wurde. Ich verschlang rallye racing und Motorsport aktuell, kurzum ich war FAN.
1984 dann endlich das Formel-1-Debüt!
Und gleich dieses überragende Rennen in Monaco, das auch meine Schulfreunde überzeugte: Deutschland hatte wieder einen Topfahrer! Doch in der F1 mühte sich Bellof mit dem unterlegenen Tyrrell ab und verlor am Jahresende sogar alle Punkte, weil das Team beim Gewicht trickste. Tyrrell und seine Piloten flogen aus der Wertung und wurden damit fast aus den Geschichtsbüchern des Sports gestrichen.

Im Sportwagen war Bellof dagegen längst eine Macht. 1983 war ich mit meinem Opa beim 1.000-km-Rennen auf dem Nürburgring, wo Bellof im Porsche 956 seine legendären Nordschleifen-Runden fuhr. Leider nur am Renntag – aber auch 6:25,91 Minuten sind nicht schlecht! Irgendwann fehlte der 956, wir hörten, dass er auf der Anfahrt zum Schwalbenschwanz Unterluft bekam und verunglückte. Zum Glück blieb es damals beim Totalschaden des Autos.
1985 dann der Unfall in Spa.
In der Formel 1 hatte Bellof inzwischen zwar endlich einen Turbo, doch Tyrrell war kein Topteam mehr. Also blieben die Sportwagen, wo er inzwischen nicht mehr im Werksteam, sondern für Brun fuhr. Bis zu jenem verhängnisvollen 1. September in Spa, als Bellof in Eau Rouge mit Jacky Ickx kollidierte. Herausforderer gegen Platzhirsch: Bellof bezahlte den Versuch mit dem Leben. Ich erfuhr es im Autoradio, auf dem Rückweg eines Auswärtsspiels von Holstein Kiel, das mein Vater und ich besuchten.
Schon das Spiel war trostlos, Holstein verlor durch ein Tor kurz vor Schluss unglücklich. Nun das: Stefan Bellof starb den Rennfahrer-Tod und ich verlor für ein paar Monate jedes Interesse am Motorsport. Die Bilder des Unfalls sah ich erst Jahre später, als es längst YouTube gab. Damals war mein Interesse am Motorsport so gering, dass ich nicht einmal mitbekam, wie Christian Danner nur drei Wochen nach Bellofs Unfall als erster Deutscher nach dem Krieg eine internationale Top-Meisterschaft im Formelsport gewann.
Was hätte sein können?
Heute wissen wir, dass Bellof mit Ferrari verhandelte. Enzo Ferrari wollte den Deutschen in sein Formel 1-Team holen. Der charismatische Italiener hatte Zeit seines Lebens ein Herz für unerschrockene Piloten, sah in Bellof einen Nachfolger oft spektakulär fahrender Piloten wie Alberto Ascari, Mike Hawthorn, Lorenzo Bandini oder Gilles Villeneuve. Hätte der Gießener dort den ganz großen Titel holen können? Vermutlich nicht, denn Ferrari war damals nicht auf der Höhe von McLaren oder Williams. Aber spannend wäre es geworden.
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