Legenden der Formel 1: Manfred Winkelhock

Manfred Winkelhock (Links) und Jochen Mass (rechts) auf dem Podium nach dem DRM-Lauf im Rahmenprogramm des Großen Preis von Deutschland 1981.

Manfred Winkelhock sorgte 1980 beim Formel 2- Rennen auf der Nordschleife mit einen mehrfachen Salto für Schlagzeilen. Zwischen 1982 und 1985 bestritt der Schwabe für die Teams von ATS, Brabham und RAM insgesamt 47 Grand Prix.

Anfang 1976 kündigte VW die Einführung eines neuen Markenpokals an. Mit dem „VW-Junior-Cup“sollte für den damals neuen 110 PS starken Scirocco werben. In Waiblingen konnte ein 24 Jahre alter Schwabe dieser Versuchung nicht widerstehen. Manfred Winkelhock sicherte sich einen Platz im neuen Markenpokal, siegte im ersten Rennen und holte sich am Ende der Saison auch den Meistertitel. Im Anschluß verpflichtete BMW den Titelträger sofort für sein frisch gegründetes BMW-Junior-Team. Dieses heute legendäre Nachwuchsprojekt führte Manfred Winkelhock 1977 bereits in seinem zweiten Motorsportjahr in die Deutsche Rennsportmeisterschaft (DRM).


Aufstieg in die Deutsche Rennsportmeisterschaft

Das funktionierte überraschend gut. Denn in der damals wichtigsten Tourenwagen-Serie der Welt schlug der Sieger des VW-Junior-Cups wie eine Bombe ein. Schon am Norisring glänzte Winkelhock mit der schnellsten Rennrunde. Im August siegte der BMW-Pilot beim Westfalen Pokal in Zolder erstmals in einem Profi-Rennen. Am Ende des Jahres sprang für den Neueinsteiger der dritte Platz in der DRM-Gesamtwertung heraus. Damit war Winkelhock erfolgreicher als seine hocheingeschätzten Teamkollegen Marc Surer und Eddie Cheever, die beide punktgleich den fünften Meisterschaftsplatz belegten.

Manfred Winkelhock im ATS D7
Von 1982 bis 1984 trat Manfred Winkelhock für ATS in der Königsklasse des Motorsports an. Dabei glänzte der Schwabe mehrfach im Training und stellte den ATS in eine der vordern Startreihen. Wobei jedoch nie der beste Startplatz heraussprang. (Foto: Archiv AutoNatives.de)

Ab 1978 trat Manfred Winkelhock daher auch in der Formel-2-Europameisterschaft an. Schon im Debütjahr gelang es Winkelhock, einmal auf das Podest zu fahren. Trotzdem fand der Schwabe 1979 in der Europameisterschaft kein Vollzeit-Cockpit. Nur beim Rennen auf der Nordschleife trat Winkelhock nochmal in der Formel 2-EM an. Dabei unterstrich der Deutsche mit Platz drei und der schnellsten Rennrunde sofort sein Potenzial. Weshalb Winkelhock 1980 im March-Werksteam die ganze F2-Saison in Angriff nahm. Doch das war ein hoffnungsloses Unterfangen. Denn Toleman und AGS fuhren zu dieser Zeit in einer eigenen Liga.

In der DRM war Manfred Winkelhock eine Größe!

Trotzdem erhielt Manfred Winkelhock im Herbst 1980 eine Chance in der Königsklasse des Motorsports. Doch als Ersatz für Jochen Mass scheiterte der Debütant im Arrows A3 beim Großen Preis von Italien in Imola an der Qualifikationshürde. Doch in der DRM zeigte Winkelhock immer wieder seine Klasse. Schon 1978 gewann der Schwabe für BMW zwei weitere Rennen. Ein Jahr später steuerte Winkelhock einen Turbo 320i und gewann erneut zwei DRM-Rennen. 1980 saß Manfred Winkelhock auch mit Hilfe seines Sponsors Nigrin in einem rund 700 PS starken Porsche 935 von Joest. Wieder springen zwei Sieg in der DRM heraus.

Die Szene begriff, dass die fehlenden Formel-2-Erfolge vielleicht doch nicht am Fahrer gelegen hatten. Zumal die DRM-Autos damals dank ihrer Turbomotoren über extrem viel Leistung verfügten. Mit Ground-Effect und ausladenden Flügeln bewegten sich ihre Rundenzeiten auf vielen Strecken auf dem Niveau damaliger Formel-1-Autos. 1981 wechselte Manfred Winkelhock mit seinem Sponsor zu Zakspeed. Damit saß Winkelhock im heute legendären Ford Capri mit Zakspeed Turbo-Motor. Mit sechs Siegen und dem dritten Platz in der Meisterschaft nutzte der Schwabe die DRM, um nachhaltig für sich zu werben. Daneben verlor Winkelhock auch die Formel 1 nicht aus den Augen. Starts mit dem BMW M1 in der Procar Serie brachten Winkelhock zurück ins Fahrerlager der Königsklasse. Denn die Procar Serie fuhr dort im Rahmenprogramm.

1982 gelang der Aufstieg in die Formel 1

1982 sollte es endlich klappen. Manfred Winkelhock wurde Formel-1-Pilot, trat von 1982 bis 1984 für das deutsche Team ATS an. Auf Fahrerstecken wie in Monaco beeindruckte Winkelhock immer wieder mit sehr guten Trainingsleistungen. Doch die Technik seiner Rennwagen von ATS verhinderten mehrfach, gute Trainingsleistungen auch in zählbare Ergebnisse umzumünzen. Immerhin schafft es Winkelhock, die Allüren von Teamchef Günter Schmid zu ertragen. Der Felgenhersteller galt als cholerisch und regierte immer wieder ins Team hinein. Der Pilot ertrug das fast drei Jahre. Erst im Herbst 1984 kam es – noch während der Saison – zum Bruch mit Günter Schmid. Winkelhock wechselte für ein Rennen zum Brabham-Team von Bernie Ecclestone.

1985 startete Winkelhock für das englische RAM-Formel-1-Team und fuhr daneben wieder mehr Sportwagen-Rennen. Bereits 1982 gehörte der Deutsche zum Werksteam von Ford in der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Doch der Ford C100 war nicht konkurrenzfähig. 1983 trat Manfred Winkelhock für Schnitzer in der Tourenwagen-Europameisterschaft an und saß ein Jahr später erstmals im Porsche 956 von Kremer. Was als Nebenbeschäftigung begann, entwickelte sich zunehmend zum Vollzeitprogramm. 1985 saß der Schwabe regelmäßig im Kremer-Porsche. Beim „Budweiser 1000 km“im kanadischen Mosport verunglückte Winkelhock schwer und starb einen Tag später an den Folgen des Unfalls.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Manfred Winkelhock (Links) und Jochen Mass (rechts) auf dem Podium nach dem DRM-Lauf im Rahmenprogramm des Großen Preis von Deutschland 1981. Winkelhock gewann den Lauf der Division I im Ford Capri III Turbo 1.7.

Foto: Archiv AutoNatives.de

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