Während Deutschland sich über den Sieg bei der Fussball-WM 1990 und die Anfang der 1990er-Jahre fehlten den deutschen Formel-1-Fans die einheimischen Idole. Der letzte Grand-Prix-Sieg eines deutschen Piloten lag 15 Jahre zurück. Piloten wie Bernd Schneider oder Christian Danner mussten oftmals froh sein, wenn ihnen überhaupt der Sprung ins Hauptfeld gelang. Das Team von Zakspeed war sympathisch, schrieb aber keine Erfolgsgeschichten. Im Gegenteil: Das letzte Jahr des Teams in der Königsklasse, als die Mannschaft aus der Eifel auf Motoren von Yamaha setzte, war dicht an der Schamgrenze. Wobei das wohl nicht nur an den Aggregaten aus Japan lag.
So war das TV-Ritual der Fans damals einfach: Man schaute zu, man fieberte mit Helden wie Ayrton Senna, Nigel Mansell oder Alain Prost, und man jubelte für McLaren, Williams oder Ferrari. Bernie Ecclestone sagte damals in einem Interview, dass der Formel 1 ein schneller Deutscher fehlen würde. Der Brite wusste, welches Potenzial der Sport in Deutschland hatte. Ecclestone sah in der damals blühenden deutschen Wirtschaft interessante Sponsoren, die Geld in den schnellsten Zirkus der Welt pumpen könnten.
Dann kam Michael Schumacher!
Schumachers Debüt beim Großen Preis von Belgien 1991 in Spa-Francorchamps änderte alles. Es war der Schlüssel dazu, dass die Visionen des Formel-1-Machers Bernie Ecclestone Realität wurden. Der junge Deutsche stellte beim Debüt seinen Jordan 191 sofort auf einen hervorragenden siebten Startplatz. Besser war ein Jordan noch nie in ein Formel-1-Rennen gestartet. Dass beim Start ins Rennen die Kupplung des Fahrzeugs versagte, spielte da fast keine Rolle mehr.

Denn der kurze Auftritt hatte bereits gereicht, um die Formel-1-Welt aufzurütteln. Teamchefs, Ingenieure und Beobachter hatten gesehen, was der Deutsche konnte. Ein Rennen später trat Michael Schumacher bereits für das aufstrebende Team des Strickgiganten Benetton an. Während Jordan 1991 ein Neueinsteiger war, konnte Benetton immerhin bereits auf zwei Grand-Prix-Siege zurückblicken. Und als offizielles Werksteam von Ford bot das Team Schumacher beste Voraussetzungen.
Bei Benetton reifte Michael Schumacher zum Weltmeister!
Trotzdem ahnte wohl noch niemand, dass der Wechsel des Deutschen zu Benetton der Beginn einer Zusammenarbeit war, die zu 19 Grand-Prix-Siegen und zwei WM-Titeln führen sollte. Schon am 30. August 1992, also nur gut ein Jahr nach seinem Debüt, nahm dies auch eine breite Öffentlichkeit wahr. Denn an diesem regennassen Nachmittag gewann Michael Schumacher im Benetton Formula B192 nicht nur sein erstes Formel-1-Rennen.
Das stellte die Welt der Königsklasse auf den Kopf. Plötzlich war da ein Deutscher, der es mit den ganz Großen aufnahm und sie beim Großen Preis von Belgien schlug. Und das Auto, mit dem Michael Schumacher seinen ersten Grand-Prix-Sieg feierte, kommt ab morgen bei der „Global Icons: Europe Online Auction“ von Broad Arrow Auctions unter den virtuellen Hammer. Es ist das erste Mal, dass der Benetton B192-05 öffentlich angeboten wird.
Der Benetton B192 brachte die Formel 1 nach Deutschland zurück
Der Erfolg von Michael Schumacher machte den Benetton zum letzten siegreichen Formel-1-Auto, das über ein manuelles Schaltgetriebe verfügte. Die Konkurrenz in den Boliden von Williams und Ferrari schaltete damals bereits mit Schaltwippen hinter dem Lenkrad. Das wertet den Erfolg von Michael Schumacher noch einmal zusätzlich auf. Doch vor allem war es ein Erfolg, der bereits die fahrerische Extraklasse des Piloten unterstrich.

Denn während des Rennens rutschte Schumacher einmal aus und fiel zeitweilig hinter seinen Teamkollegen Martin Brundle zurück. Dabei erkannte er, dass die Hinterreifen am Benetton des Briten in einem sehr schlechten Zustand waren. Michael Schumacher nahm an, dass das auch für seine eigenen Reifen gelten könnte. Daher funkte der Deutsche sein Team an und bat um einen vorzeitigen Boxenstopp. Dieser erwies sich als Grundstein des Sieges.
8,5 Millionen Euro sind viel Geld!
Nach seinem aktiven Einsatz blieb der Benetton zunächst im Besitz des Teams. Später war der Rennwagen Teil einer bekannten Sammlung. Inzwischen wurde der Bolide fachgerecht restauriert und gilt heute als fahrbereit. Erwartet wird ein Zuschlag jenseits von 8,5 Millionen Euro. Das ist viel Geld. Aber der Benetton ist eben auch ein Stück Motorsport-Zeitenwende. Denn mit diesem Auto begann in Deutschland eine neue Beziehung zur Formel 1.
Aus neutralem Zuschauen wurde Begeisterung, aus exotischem Interesse eine echte Motorsport-Leidenschaft. Und (fast) alles nahm seinen Anfang mit genau diesem Benetton im Regen der Ardennen. Manchmal ist ein Rennwagen eben mehr als Carbon, Aluminium und Benzingeruch. Manchmal ist er ein Startpunkt.
Zur Auktion: Global Icons: Europe Online Auction
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