Kürzlich moderierte ich erneut die Dekra Klassik am Lausitzring. Auch im Fahrerlager gab es einiges zu sehen. So war es beispielsweise das Ziel einer Oldtimer-Rallye. Nach deren Zieleinlauf standen alle Teilnehmerfahrzeuge in der Boxengasse. Diese Gelegenheit ließ ich mir nicht nehmen, um auch diese Klassiker in Augenschein zu nehmen. Dabei fiel mir schnell ein hellblauer Roadster auf, den ich zunächst gar nicht so recht einordnen konnte.
Mitte der 1950er-Jahre wollte auch Volvo sportlich sein!
Vor mir stand ein Volvo, einer den ich tatsächlich noch nie gesehen hatte. Offen, leicht und rund gezeichnet und ein auffälliger Kontrast zu dem, was man sonst mit der Marke aus Göteborg verbindet. Galt deren Autos in meiner Jugend doch als Schweden-Panzer: unzerstörbar, kantig, sicher. Autos für Menschen, die nichts riskieren wollten. Natürlich kannte ich die eleganteren Modelle wie den „Buckel-Volvo“ oder den späteren P1800, der als „Schneewittchensarg“ TV-Geschichte schrieb.

Doch dieser offene Sportwagen passte in keines dieser Bilder. Also stellte sich die Frage: Was ist das für ein Auto? Die Antwort ist kurz und ebenso erstaunlich: Mitte der 1950er-Jahre versuchte Volvo mit dem P1900 aus dem Image des soliden Familienwagens auszubrechen. Bei der Entscheidung zum Bau ließ sich Firmenchef Assar Gabrielsson von der Chevrolet Corvette inspirieren. Den diese war dem Schweden bei einer Dienstreise in den USA positiv aufgefallen.
Das Experiment Volvo P1900 scheiterte schnell!
Gabrielsson beschloss, dass auch Schweden einen solchen Wagen bauen könnten. Die Basis lieferte der PV444, dessen Fahrgestell für das Projekt angepasst wurde. Die Karosserie bestand – typisch für die Zeit – aus Glasfaser, gefertigt in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Firma Glasspar, deren Gründer Bill Tritt auch die Form gestaltete. Unter der Haube arbeitete ein 1,4-Liter-Vierzylinder mit rund 70 PS. Kein Rennwagen also, aber für ein Auto aus Schweden in den 1950ern durchaus sportlich.

Doch Assar Gabrielsson, der seit Gründung des Autobaus bei Volvo 1927 die Geschäfte führte, trat 1956 als geschäftsführender Direktor (Managing Director / CEO zurück und übernahm den Vorsitz des Verwaltungsrats. Nachfolger als Geschäftsführer wurde Gunnar Engellau, der nach einer Probefahrt gesagt haben:
„Das fühlt sich nicht an wie ein Volvo.“
Dazu kam, dass der Testwagen undicht und auch nicht sauber verarbeitet war. Damit war das Schicksal des P1900 besiegelt. Nach nur 67 oder 68 gebauten Exemplaren – die Quellen variieren – war Schluss. Eigentlich wollte Volvo 300 Exemplare bauen. Heute wirkt der Wagen wie ein freundlich lächelnder Außenseiter. Die Frontpartie ist eigenwillig, irgendwo zwischen charmant und befremdlich. Sie lässt den P1900 fast wirken, als wäre er aus Versehen zu früh geboren worden. Ein bisschen amerikanisch, ein bisschen italienisch, und doch eindeutig schwedisch.
Genau diese Mischung macht den Volvo P1900 so faszinierend!
Der P1900 ist ein Beispiel dafür, dass auch Volvo einmal träumen wollte: Träumen von Sonne, Leichtigkeit und der Idee, dass ein Auto nicht nur sicher, sondern auch schön sein darf. Und vielleicht ist genau das das Schönste an diesem Auto. Denn es beweist, dass selbst Schweden-Panzer gelegentlich Roadster Träume haben dürfen.
Es passierte am
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