Karla und ich waren mit dem 220 PS starken und luxuriösen Škoda Superb Combi Laurin & Klement unterwegs. In einem ausführlichen Test konnte der große Tscheche beweisen, was in ihm steckt.

Die dritte Generation des Škoda Superb der Moderne ist ein deutlicher Beleg dafür, wie sich Dinge mithilfe einer guten Strategie entwickeln lassen. Denn die Zeiten, wo der Superb „nur“ ein um zehn Zentimeter verlängerter Passat war, sind vorbei.

2001 war die Funktionärslimousine Passat Lingyu aus China das richtige Auto, um als Superb für Škoda den Markt in der oberen Mittelklasse zu öffnen. 15 Jahre später ist Škoda auch in der oberen Mittelklasse eine etablierte Marke.

Auf Basis des Modularen Querbaukastens (MQB) der Konzernmutter entstand daher jetzt ein Fahrzeug, das in vielen Details selbstbewusst auf die Tradition der Marke Škoda Bezug nimmt. Damit erweist sich der neue Škoda Superb als echter Nachfahre des legendären Škoda 640 Superb und emanzipiert sich deutlich von seinen Verwandten im VW-Konzern.

Was ist neu beim Škoda Superb der III. Generation?

Es klingt ja immer wie ein Widerspruch. Doch Grundlage der Eigenständigkeit ist der MQB. Denn in diesem flexiblen Baukastensystem sind die Abmessungen weitestgehend variabel. Eine feste Größe gibt es nur beim Abstand zwischen dem Gaspedal und der Mitte des Vorderrads. Dieses Maß ist bei allen MQB-Fahrzeugen identisch. Alles andere lässt sich (fast) beliebig skalieren.

Der Škoda Superb Combi ist ein Gigant
Der Škoda Superb Combi ist ein Gigant

Die Škoda-Designer setzen beim neuen Superb auf Größe und treiben den MQB an den Rand des Machbaren. Im Vergleich zum Vorgänger wuchs der Radstand um stolze acht Zentimeter. Gleichzeitig nahmen die Fahrzeugbreite um vier und die Spurbreite um 1,2 Zentimeter zu.

Angenehm, dass der Superb III. auch als Kombinationskraftwagen trotz der Größe nicht protzig oder klotzig wirkt. Denn die Designer reduzierten im Vergleich zum Vorgänger den vorderen Überhang um 6,1 Zentimeter. Das sorgt für einen dynamischen Auftritt des Neuen. Diesen unterstützt auch die sanfte Linie des Hecks. Wobei Kritiker an dieser Stelle gern anführen, dass die Heckscheibe für einen echten Kombi zu flach ausläuft.

Škoda-Freunde lächeln so eine Kritik locker weg. Denn angesichts des Ladevolumens von 660 Litern – im Normalbetrieb mit fünf Sitzplätzen – wirkt diese Kritik fast schon lächerlich. Zumal, wenn nicht alle Sitzplätze benötigt werden, auch bis zu 1.950 Liter Ladevolumen möglich sind. Das ist zurzeit in dieser Klasse konkurrenzlos. Und damit nebenbei die perfekte Umsetzung des Škoda-Wahlspruchs „Room for Life“.

Auftritt: Škoda Superb Combi Laurin & Klement

Schon bei der Übergabe des Testwagens denke ich: Wow, der ist aber chic. Die sanfte Linie spielt dabei sicher eine Rolle. Mit dieser Meinung stehe ich offensichtlich nicht alleine dar. Denn als Karla direkt nach der Übergabe ein Bild des Superb bei Facebook postet, hagelt es sofort überwiegend positive Kommentare. Es scheint, als ob den Gestaltern mit dem Superb ein auch in diesem Sinne großer Wurf gelungen ist.


Karla Schwede

Ich habe selten einen Testwagen so ungern gehen lassen wie den Skoda Superb Kombi. Er ist meine fahrende Lounge. Außen sehr schick, innen sehr bequem, sehr elegant und übersichtlich. Er strahlt Ruhe und Souveränität aus ganz ohne spießig zu sein.

Selbst die Spielerei mit unregelmäßig geformten Dreiecken überlädt das Design nicht. Die Dreiecke sind ein Verweis auf die traditionelle böhmische Glashandwerkskunst und damit die Heimat des großen Škoda. Als Nachbildung kristalliner Strukturen gibt es sie logischerweise an den Scheinwerfern. Zudem laufen auch der Kühlergrill, die Seitenschweller und der hintere Abschluss des Kombis jeweils mit einer Dreiecksform aus.

Auch im Innenraum treffe ich die Dreiecke wieder. Es gibt sie unter anderem an den Türöffnern und an den Sitzen der Ausstattungsvariante Laurin & Klement. Den Gestaltern ist es damit gelungen, eine persönliche Note zu setzen, ohne das Design zu überfrachten. Das passt perfekt zum Superb.

Die Ausstattungsvariante Laurin & Klement

Denn schon der 1934 vorgestellte Urvater dieser Reihe galt als eines der elegantesten Fahrzeuge seiner Zeit. Mein Großvater, der Mitte der 1930er-Jahre die Meisterschule besuchte, schwärmt noch heute von diesem Auto. Ich finde, dass gilt auch für den aktuellen Namensträger. Scheint fast so, als ob sich Škoda über gut 80 Jahre treu geblieben ist.

Den Kreis schließt auch die Ausstattungsvariante Laurin & Klement. Sie bezieht auf die Gründerväter des Škoda-Autobaus Václav Laurin und Václav Klement. Ihr Name kennzeichnet heute bei Škoda stets die Spitzenversionen der Ausstattungspalette. Und das merkt man dem Testwagen auch an.

Denn an Bord sind bereits serienmäßig zahlreiche Komfort- und Sicherheits-Features. So gehören zur Topversion Laurin & Klement serienmäßig eine Geschwindigkeitsregelanlage, ein Fahrlichtassistent, das adaptive Fahrwerk mit Fahrprofilauswahl, ein Regensensor sowie ein Berganfahrassistent.

Vorhanden sind auch eine automatische Klimaanlage mit zwei Temperaturzonen und ein DAB+ Radio. Besonders das digitale Radio gefällt mir, denn es gewinnt gegen seine analogen Brüder jeden Hörvergleich. Zudem schalten fortschrittliche Länder wie Norwegen ihre UKW-Sender ab 2017 ab.

Nicht ganz so nach Fortschritt klingen die Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht. Denn auch wenn das Xenon-Licht des Superb keinen Wunsch offen lässt, verwundert die Produktgestaltung in diesem Punkt etwas. Schließlich gehört ein LED-Fahrlicht – auch im VW-Konzern – inzwischen zumindest als Extra zum festen Programm der oberen Mittelklasse. Im Skoda ist es (bisher) nicht verfügbar.

Was treibt den Testwagen an?

Mit 220 PS Leistung und 350 Newtonmetern maximalem Drehmoment ist der Škoda Superb ein typischer Vertreter der oberen Mittelklasse. Die Krafterzeugung obliegt einem Reihen-Vierzylinder. Ein Turbolader unterstützt das Aggregat beim Atmen. Die Verbindung zur Straße stellt ein Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen her.

Zugegeben, das klingt alles nicht wirklich spektakulär. Doch vielleicht passt es genau deshalb perfekt zum Škoda Superb. Denn der fesche Kombinationskraftwagen liebt den elegant dezenten Auftritt und spricht damit nicht den typischen Sportfahrer an. Denn der Superb will nicht selbst das Sportgerät sein.

Der Superb ist kein Sportgerät
Škoda Superb Combi Laurin & Klement als Auto für Sportler

Stattdessen ist der Tscheche das richtige Fahrzeug, um bequem zum Sport zu fahren. In den Kofferraum passen locker einige Taucherflaschen oder die in dieser Klasse obligatorische Golf-Tasche. Mit einer Anhängelast von bis zu 2.000 Kilogramm eignet sich der Kombi auch dazu, einen Hänger mit einem kleinen Boot oder Rennwagen zu ziehen.

Im Notfall jagt der Škoda Superb auch mit einer Höchstgeschwindigkeit von 243 Kilometern pro Stunde über die Autobahn. Ich habe das ausprobiert. Die Autobahn-Richtgeschwindigkeit erreicht der Superb locker. Auch bis zur Marke von 200 Kilometern pro Stunde geht es durchaus zügig vorwärts. Doch um die Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, benötigt der Tscheche etwas Anlauf.

Wobei dafür eher die Abstimmung des Getriebes und der Getriebesteuerung als der Motor verantwortlich zeichnen. Denn im Bemühen darum, den Verbrauch zu senken, schaltet das automatisierte Schaltgetriebe in den meisten Fahrprogrammen sehr früh hoch. Das passt, denn schließlich – das hatten wir ja schon – will der Škoda Superb Combi gar kein Auto für Sportfahrer sein.

Wie fährt sich der Škoda Superb Combi?

Mit dem langen Radstand und der breiten Spur liegt der Superb jederzeit ruhig auf der Straße. Selbst zügige Spurwechsel bringen den Kombi nicht aus dem Gleichgewicht. Dank des adaptiven Fahrwerks ändert sich daran auch nichts, wenn vier Mitreisende im Superb Platz genommen haben und ihr Gepäck verstaut ist. Das macht den Škoda Superb im Alltag zu einem extrem angenehmen Begleiter.

Den positiven Gesamteindruck unterstreicht der Blick auf den Verbrauch. 65 Liter fasst der Tank des Škoda Superb. Im Test komme ich mit einer Tankfüllung durchschnittlich fast 800 Kilometer weit. Das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von 8,3 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer. Wohlgemerkt, erfahren mit viel Stau und einigen schnellen Autobahnpassagen. Wer mehr als ich auf seinen Fahrstil achtet, der kann den großen Suprb auch mit einer kleinen Sieben vor dem Komma bewegen.

Was kostet der Škoda Superb Combi?

Daten zum Testwagen:

  • Typ: Škoda Superb Combi Laurin & Klement
  • Grundpreis: 41.390 Euro (12/2015)
  • Motor: 4-Zylinder-Turbo-Ottomotor
  • Emissionsklasse: Euro 6
  • Getriebe: 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Hubraum: 1.968 ccm
  • max. Leistung: 205 PS bei 4.500 bis 6.200 1/min
  • max. Drehmoment: 350 Nm / 1.500 bis 4.400 1/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 243 km/h
  • Hersteller-Nummer / Typ: 8004 / APX
  • Versicherungstypklassen: 14, 21, 21 (Haftpflicht, Voll-, Teilkasko)

Der Einstieg in den Superb Combi erfordert mindestens 25.890 Euro. Dafür gibt es beim Škoda-Händler das Basismodell Active mit dem 1,4 großen und 125 PS (92 Kw) starken Benzindirekteinspritzer. Die Ausstattungsvariante Laurin & Klement steht mit mindestens 37.190 Euro in den Preislisten. Der 220 PS starke Motor und das Doppelkupplungsgetriebe des Testwagens erfordern bereits 41.390 Euro.

Zum Testwagen gehören auch eine Metallic-Lackierung, weitere Assistenten zum Parken, Spur- und Abstandhalten sowie ein Navigationssystem mit großem Bildschirm. Als ich die Konfiguration im Onlineauftritt von Škoda zusammenstelle, zeigt der Rechner schließlich einen Gesamtpreis von fast 47.000 Euro an. Das ist durchaus selbstbewusst, auch wenn es etwas unter den Preisen vergleichbarer Fahrzeuge liegt. Insofern geht der Preis Angesichts des Gebotenen letztlich in Ordnung.

Wie kann ich sitzen?

Die Antwort ist einfach. Gut! Ich finde für meinen überdurchschnittlich langen Körper ohne Probleme eine gute Sitzposition. Die Position zum Lederlenkrad mit seinen Multifunktionstasten stimmt. Dieses zentrale Bedienelement des Autofahrers liegt gut in meinen Händen. Meine Füsse und die Pedale des Škoda Superb gehen genauso gut die gewünschte Verbindung ein. Auch auf längeren Strecken sitze ich komfortabel. Das macht den Škoda Superb Combi zu einem hervorragenden Reiseauto.

Wir wiederholen den Sitztest mit Karla, die deutlich kleiner als ich ist. Auch sie findet genauso schnell eine gute Sitzposition. Damit besteht der Škoda Superb auch diesen Test mit Leichtigkeit. Zumal sich beim Fahrerwechsel die Memoryfunktion der Sitze bewährt. Einmal eingestellt, nimmt der Superb auf Kopfdruck automatisch die vom jeweiligen Fahrer gewünschte Position ein.

Zusammen fällt uns auf, wie geräumig der Škoda Superb auch in der Breite ist. Denn trotz der komfortablen Sitze entsteht nie das Gefühl der Enge. Ein Eindruck, der sich in der zweiten Reihe fortsetzt. Denn selbst hinter mir bleibt im Škoda Superb auch für Erwachsene jede Menge Platz. Das macht den Superb zum echten Raumwunder.

Was hat mir besonders gefallen?

Meiner Begeisterung für die äußere Form des Škoda Superb Combi habe ich mich bereits am Anfang des Artikels hingegeben. Der angenehme Eindruck setzt sich im Innenraum nahtlos fort. Auch innen folgt der Superb seiner Linie der klassischen Eleganz. Insgesamt sorgt die Gestaltung des Kombis dafür, dass der Tscheche in meinen Augen zu den begehrenswertesten Autos seiner Klasse gehört.


Tom Schwede

Schon der Skoda Superb 640 von 1934 war ein elegantes Auto. Scheint fast so, als ob sich Skoda über gut 80 Jahre treu geblieben ist.

Gut gefällt mir die Klimaanlage. Sie ist zugfrei und heizt trotzdem auch im Winter den Škoda Superb angenehm schnell auf. Selbst bei Dauerregen, wenn die Fahrgäste nach einem Zwischenstopp mit nasser Kleidung in den Škoda zurückkehren, hält die Klimaanlage zuverlässig alle Scheiben beschlagfrei. Das habe ich auch in dieser Klasse schon deutlich schlechter erlebt.

Ebenfalls zu den Pluspunkten des Škoda Superb gehört die Konnektivität. Der Tscheche „spricht“ MirrorLink, Android Auto und Apple CarPlay. Die Kopplung gelingt sowohl mit dem Google Nexus vom Junior als auch mit dem eigenen iPhone auf Anhieb. Ein nettes Detail ist die Phonebox vor dem Schalthebel. Dort lässt sich ein Telefon sicher ablegen und wird dabei induktiv geladen. Das ist – das richtige Gerät natürlich vorausgesetzt – extrem praktisch.

Was hat mir nicht gefallen?

Ich habe tatsächlich einen Kritikpunkt gefunden. Denn bei einem Tempo jenseits der Marke von 180 Kilometern pro Stunde treten leichte Windgeräusche an den Fenstern der Vordertüren auf. Das ist ein kleines Detail. Und es mag ein individuelles Problem dieses Testwagens sein.

Doch es zeigt, wie nah der Škoda Superb an der Perfektion ist. Denn wenn es keine größeren Probleme gibt, als ein kleines Pfeifen an der Vordertür, dann muss der Tester dem Škoda Superb Combi Laurin & Klement einfach ein gutes Zeugnis ausstellen.

Fazit zum Škoda Superb Combi Laurin & Klement

Schon die im Frühsommer gefahrene Limousine des Skoda Superb hat mir gefallen. Aber der Kombi zieht in meiner persönlichen Wertung an der Limousine vorbei. Denn der große Tscheche aus dem VW-Konzern glänzt in unserem Test mit gutem Aussehen, souveränen Fahrleistungen, inneren Werten, jeder Menge Komfort und extrem viel Platz.

Kofferraum des Škoda Superb Combi
660 Liter schluckt das Gepäckabteil des Škoda Superb Combi. Das reicht auch für den Autor.

Bereits im „Normalbetrieb“ schluckt der Kombi im Gepäckabteil 660 Liter. Nach dem Umklappen der Rücksitze sind es sogar 1.950 Liter. Damit ist der Škoda Superb Combi ein wahrer Gigant.

Wenn der Testwagen während des gesamten Tests so beeindruckt, dann fällt das Fazit leicht: Der Škoda Superb Combi Laurin & Klement gehört zum Besten, was in der oberen Mittelklasse zurzeit auf dem automobilen Speisezettel steht.

3 Kommentare

  1. Sehr schöner Bericht mit einem kleinen Fehler:
    das Handy wird in der Phonebox definitiv nicht per Induktion geladen. Die Platte unter der Phonebox ist lediglich mit der Außenantenne verbunden und soll so den Empfang des Mobilgeräts verbessern.

    Akku laden geht nur über die USB-Buchse per Kabel

  2. Liebes AutoNatives.de-Team,

    bei einem Punkt müssen wir euch leider widersprechen: „Nicht ganz so nach Fortschritt klingen die Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht.“
    Zuvor waren wir auch sehr enttäuscht über die fehlende Voll-LED-Scheinwerfer-Option, aber mittlerweile eigentlich froh, dass diese erst später kommen. Wir sind im Vergleich den Passat mit Voll-LED-Scheinwerfer Probe gefahren und mussten feststellen, dass der Superb mit den Bi-Xenon-Scheinwerfern eine Spur bessere Ausleuchtung seitlich und nach oben hin gegeben hat. Weiters hat die automatische Abblendung des Fernlichtes auch beim Superb besser geklappt und eine bessere Ausleuchtung gegeben. Hätte der Superb jetzt schon LED bekommen, wäre diese sicherlich eine abgespeckte Variante, wie bei SEAT geworden und damit wären wir nicht glücklich geworden. 😀

    Schöne Grüße
    ŠKODA Forum

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