An den Lancia Stratos 0 oder den Ferrari Modulo erinnern sich auch nach mehr als 40 Jahren viele Auto-Fans. Der VW Porsche Tapiro von Italdesign ist genauso alt und weitgehend vergessen. Dabei ist die Geschichte des von Giorgio Giugiaro entworfenen Tapiro spannend.

Zum Wesen der Mode gehört die Veränderung. Dies wird auch bei den Blechkleidern unser Autos deutlich. Auf die ausladenden Wölbungen der Pontonkarosserien folgte in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre die Sachlichkeit des Keils. Plötzlich gehörte die Keilform bei allen wichtigen Karosseriedesignern zum guten Ton. Besonders die italienischen Autodesigner glänzten mit zahlreichen aggressiven Keilen.

Den Anfang macht 1966 der Maserati Ghibli. Für dessen Design ist Giorgio Giugiaro verantwortlich. Der Designer entwarf den Ghibli während seiner Tätigkeit für die Carrozzeria Ghia. Giuseppe „Nuccio“ Bertone antwortete 1968 mit dem Lamborghini Espada. Pininfarina kleidete fast zeitgleich den Ferrari 365 GTB/4 im Keillook ein. Erstaunlicherweise waren zu dieser Zeit Serienmodelle die Trendsetter.

Nicht serienreif wird der von Giotto Bizzarrini entworfene Studie Bizzarrini Manta. Dem Autobauer Bizzarrini geht 1969 das Geld aus. So bleibt der Manta aus Italien genauso wie der Alfa Romeo 33 Italdesign Iguana eine Studie. Auch wenn Italdesign-Gründer Giorgio Giugiaro viele Jahre später bei der Gestaltung des DeLorean DMC-12 auf Designelemente dieser Studie zurückgreift.

1970 ist das Jahr des Keils!

1970 feiert die Keil-Welle ihren absoluten Höhepunkt. Im Frühjahr in Genf steht die Studie Mercedes-Benz C111 von Daimler-Benz. Der C111 fasziniert auch deshalb, weil seine äußere Hülle einen Gegenpunkt zu seinem Kreiskolbenmotor darstellt. Ebenfalls in Genf treibt Pininfarina die Idee des Keils beim Ferrari 512 S Modulo auf die Spitze. Fasziniert nehmen Autobauer und Gestalter weltweit die Idee auf.

Mazda zeigt im Herbst 1970 beim Heimspiel in Tokio mit dem aufregenden Mazda RX-500 ebenfalls eine Studie im Keildesign. Auch der Mazda verfügt, genauso wie der C111, über einen Wankelmotor. Praktisch zeitgleich mit der Tokyo Motor Show findet damals auch in Turin der Autosalon statt, wo Giuseppe „Nuccio“ Bertone mit dem Lancia Stratos 0 ein Design für die Ewigkeit ausstellt.

Auftritt: VW Porsche Tapiro by Italdesign

Auch Giorgio Giugiaro zeigt 1970 in Turin erneut ein Keil. Der Designer hat auf Basis des VW Porsche 914/6 den VW Porsche Tapiro by Italdesign erschaffen. Aufregend sind dessen Flügeltüren.  Denn wie seine Grundlage verfügt auch der Tapiro über zwei Sitzplätze. Trotzdem gibt es vier Flügeltüren. Denn auch der Kofferraum ist über Flügeltüren zugänglich. 1971 zeigt Giugiaro den Tapiro nochmals auf einer Messe in Los Angeles.

Ein Jahr später kauft ein spanischer Industrieller den Tapiro. Doch der Sportwagen verschwindet nicht in einer Sammlung oder einem Museum. Denn der neue Besitzer nutzt den Tapiro, um mit ihm zu Arbeit zu fahren. Doch Spanien ist im Übergang von Franco zu Demokratie ein unruhiges Pflaster. 1980 kommt es in den Fabriken des Besitzers zu Arbeitskämpfen. Extremisten platzieren eine Brandbombe unter dem Fahrzeug.

Bei ihrer Explosion brennt der Tapiro aus, doch die Substanz bleibt erhalten. Italdesign kauft das Wrack des Sportwagens daher zurück und präsentiert die Studie seitdem im hauseigenen Museum – ohne Restaurierung.


Vielen Dank an das ITALDESIGN PHOTO & MULTIMEDIA ARCHIVES von ITALDESIGN für die Unterstützung bei diesem Artikel.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
VW Porsche Tapiro by Italdesign

Foto: ITALDESIGN PHOTO & MULTIMEDIA ARCHIVES

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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