Alfa Romeo in der Formel 1 – 1950/51 dominierten die Alfa Romeo Tipo 158 „Alfetta“

Das erste Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft gewann 1950 ein Alfa Romeo. Damit knüpfte der italienische Autobauer nahtlos an seine Sporterfolge der Vorkriegszeit an. Bis Ende 2023 standen – mit Unterbrechungen – immer wieder Rennwagen von Alfa Romeo in der Formel 1 am Start. Wir blicken in sechs Teilen auf die umfangreiche Geschichte von Alfa Romeo in der Formel 1 zurück. Im ersten Teil geht es um die Jahre 1950 und 1951 als Alfa Romeo die Formel 1 fast nach Belieben dominierte.

Fabian P. Wiedl und Tom Schwede
Von Fabian P. Wiedl und Tom Schwede
11. März 2024 7 Minuten Lesezeit
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13. Mai 1950, Silverstone: Fangio mit dem Alfa Romeo 158 den Grand Prix von Europa – Foto: Alfa Romeo

Mit dem Erfolg beim ersten Rennen der neu gegründeten Automobil-Weltmeisterschaft knüpfte Alfa Romeo nahtlos an seine Sporterfolge der Vorkriegszeit an. Denn die Marke aus Mailand nutzte bereits in den Gründertagen des Grand-Prix-Sports regelmäßig die große Bühne des Motorsports, um für sich zu werben. In den 1930er-Jahren war Alfa Romeo unter Rennleiter Enzo Ferrari zeitweise der einzige echte Herausforderer der staatlich subventionierten deutschen Silberpfeile. Doch gegen die Übermacht der Silberpfeile konnte selbst der gewiefte Italiener wenig ausrichten.

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg legte Alfa Romeo – unwissentlich – die Grundlage für die Dominanz in der Automobil-Weltmeisterschaft.

Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs blieben Alfa Romeo nur Achtungserfolge. Ihr Starpilot Tazio Nuvolari wechselte sogar entnervt nach Deutschland. Zu groß war die Versuchung, einen der überlegenen Silberpfeile zu steuern. Im Cockpit des Auto Union Type D zeigte Nuvolari 1938 und 1939 seine Extraklasse. Sein ehemaliger Arbeitgeber wandte sich nach einem vorübergehenden Rückzug aus dem Grand-Prix-Sport ab 1939 verstärkt der Voiturette-Klasse zu. Enzo Ferrari hielt diese Entscheidung für einen Fehler. Ende 1938 kündigte Il Commendatore die Verträge mit seinem bisherigen Partner im Streit.

70 Jahre Formel 1-WM: Nino Farina im Alfa Romeo 158

13. Mai 1950, Silverstone: Nino Farina im Alfa Romeo 158 beim Großen Preis von Europa. Der Italiener gewinnt den ersten Lauf der Automobil-Weltmeisterschaft. Damit startet Alfa Romeo in der Formel 1 eine zwei Jahre andauernde Erfolgsserie. (Foto: Alfa Romeo)

Niemand konnte ahnen, dass die Entscheidung für den Bau eines Autos für die Voiturette-Klasse zwölf Jahre später Alfa Romeo zum Gewinn der ersten Automobil-Weltmeisterschaft verhelfen sollte. Im Mai 1945 schwiegen die Waffen in Europa. Schon im September fand im Pariser Park Bois de Boulogne ein Rennen für Fahrzeuge der Grand-Prix-Klasse statt. Zum Einsatz kamen Fahrzeuge, die den Krieg irgendwie überstanden hatten. Doch den Verantwortlichen in der Sportkommission C.S.I. des Automobil-Weltverbands war klar, dass sie neue Regeln benötigten, um die Hürden für den Einstieg zu senken und Hersteller zum Neubau von Fahrzeugen zu bewegen. Die C.S.I. registrierte, wie viele Voiturette von MG, ERA, Bugatti oder Maserati bei den ersten Nachkriegsrennen antraten.

Alfa Romeo hatte das perfekte Auto für die neuen Regeln!

Bei der Gestaltung neuer Regeln setzte sie darauf, dass diese beim offiziellen Neustart der Grand-Prix-Szene für volle Felder sorgen. Anfang 1947 trat ihre neue Internationale Grand-Prix-Formel in Kraft. Sie orientierte sich im Wesentlichen an der Voiturette-Klasse der Vorkriegsjahre. Erlaubt waren aufgeladene Motoren mit maximal 1,5 Litern Hubraum sowie Saugmotoren mit einem Hubraum von bis zu 4,5 Litern. 1948 definierten die Regelhüter zusätzlich eine neue internationale Einsteiger- oder Vorbereitungsklasse. Damit wurde aus der Internationalen Grand-Prix-Formel zunächst die Formel A, die ein Jahr später den Namen Formel 1 annahm. Die darunter angeordnete Klasse hieß zunächst Formel B und erhielt dann analog zur Königsklasse den Namen Formel 2.

Alfa Romeo profitierte von dieser Entscheidung. Denn der Autobauer konnte sechs seiner hochgezüchteten Alfa Romeo Tipo 158 „Alfetta“ über den Krieg retten. Mit ihnen nahm das Werksteam schon 1946 den Rennbetrieb wieder auf. Der ursprünglich bereits ab 1937 von Gioacchino Colombo konstruierte Rennwagen tat sich dabei gegen die Konkurrenz zunächst überraschend schwer. Doch Alfa Romeo intensivierte sein Testprogramm und brachte den Rennwagen mit viel Aufwand zum Laufen. Schon 1947 gewann Alfa Romeo drei der vier als „Grandes Épreuves“ herausgehobenen Rennen. Wobei die Alfa-Romeo-Werksfahrer beim Grand Prix der Schweiz, dem Großen Preis von Belgien und dem Großen Preis von Italien jeweils Dreifachsiege feiern durften.

Die Weltmeisterschaft holte Alfa Romeo zurück auf die Rennstrecken!

Auch 1948 gewann Alfa Romeo drei von fünf „Grandes Épreuves“. Doch der Auftritt mit vier Werksfahrern kostete viel Geld. Alfa Romeo war seit 1933 im Besitz einer staatlichen Industrieholding. Auch Italien litt unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs. Die hohen Kosten eines internationalen Grand-Prix-Engagements waren kaum zu rechtfertigen. Deshalb zog sich der Autobauer am Ende des Jahres aus dem Motorsport zurück. Doch schon ein Jahr später kam es zum Comeback. Denn die C.S.I. schrieb 1950 erstmals eine Automobil-Weltmeisterschaft aus. Neben sechs nach Formel-1-Regeln ausgetragenen Rennen sollten zu ihr auch die 500 Meilen von Indianapolis gehören.

13. Mai 1950, Silverstone

13. Mai 1950, Silverstone: Die Alfa Romeo 158 von Farina, Fagioli und Parnell. Daneben tritt auch Luigi Fagioli mit einem Alfa Romeo Tipo 158 an. Bei weiteren Grand Prix sitzen auch Consalvo Sanesi und Piero Taruffi in einem Werkswagen des italienischen Autobauers. (Foto: Alfa Romeo)

Die Aussicht, um eine Weltmeisterschaft zu kämpfen, holte Alfa Romeo nach nur einem Jahr Abstinenz auf die Rennstrecken zurück. Dort war der Alfa Romeo 158 in den Anfangstagen der jungen Meisterschaft drückend überlegen. Von den 15 Läufen um die Weltmeisterschaft, die 1950 und 1951 stattfanden, gewann Alfa Romeo zehn. Wobei die Italiener auf einen Start bei den 500 Meilen von Indianapolis in beiden Jahren verzichteten. Zehn Grand-Prix-Siege in den dreizehn nach Formel-1-Regeln ausgetragenen Rennen sind bleibender Beweis der Überlegenheit von Alfa Romeo in der Formel 1 dieser Jahre. Kein Wunder, dass mit Giuseppe „Nino“ Farina ein Alfa-Pilot 1950 als erster Fahrer-Weltmeister in die Motorsportgeschichte einging.

Alfa Romeo fehlen in der Formel 1 erst die Gegner und dann das Geld

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Farina gewann bereits das erste Rennen zur Automobil-Weltmeisterschaft. Seinem Erfolg am 13. Mai 1950 in Silverstone fügte Farina im weiteren Saisonverlauf noch die Erfolge in der Schweiz und in Italien hinzu. Ebenfalls drei Läufe gewann Farinas Teamkollege Juan Manuel Fangio. So gab am Ende den Ausschlag, dass der Argentinier neben seinen Siegen keine weiteren WM-Punkte einfuhr. Farina wurde in Belgien Vierter und gewann somit die Weltmeisterschaft. Auch den dritten Platz in der ersten Fahrer-Weltmeisterschaft sicherte sich mit Luigi Fagioli ein Alfa-Romeo-Fahrer. Das zeigt, wie überlegen Alfa Romeo in der Formel 1 zu Beginn ihrer Geschichte war.

Motor im Alfa Romeo Tipo 158

Zum Geheimnis des Erfolgs der Alfa Romeo in den Jahren 1950 und 1951 gehört auch der Motor. Der 1,5 Liter große Reihenmotor verfügt über acht Zylinder. Ein Kompressor unterstützt das Aggregat beim Atmen. Der Motor entstand ursprünglich bereits 1937/38. Er war bis 1951 im Tipo 159 an Bord.

Erst 1951 war die Scuderia Ferrari auf Augenhöhe mit dem ehemaligen Partner. Doch das zeigte sich zunächst nur bei den Grand Prix, die damals nicht zur Weltmeisterschaft zählten. 1951 waren das stolze 14 Rennen. Davon gewann Alfa Romeo „nur“ drei. Ferrari war abseits der großen WM-Bühne bereits fünfmal erfolgreich. Doch in der Weltmeisterschaft behielt mit Juan Manuel Fangio ein Pilot von Alfa Romeo die Oberhand. Zeitzeugen sind sich sicher, dass Alfa Romeo seinen zweiten Titel vor allem dem argentinischen Ausnahmepiloten verdankt. Am Ende der Saison 1951 sollte das ursprüngliche Formel-1-Reglement auslaufen. Die C.S.I. wollte ab 1952 auf Saugmotoren mit einem Hubraum von 2,5 Litern als neue Königsklasse setzen. Doch dazu kam es nicht.

Doppel-Weltmeister Alfa Romeo erklärt Ende 1951 überraschend seinen Rückzug aus der Königsklasse – und bringt die Weltmeisterschaft fast zum Scheitern!

In der Not schrieb die C.S.I. in den Jahren 1952 und 1953 ihre Weltmeisterschaft für Fahrzeuge der Formel 2 aus. Die Einführung der neuen 2,5-Liter-Klasse in der Formel 1 verschoben die Verantwortlichen um zwei Jahre. So sollten die Autobauer genügend Zeit haben, um sich auf die neuen Regeln vorzubereiten. Alfa Romeo blieb der Formel 1 trotzdem fern. Der geplante Alfa Romeo Tipo 160 mit einem 2,5 Liter großen V12-Motor und Allradantrieb wurde nicht fertiggestellt. Die Sportabteilung Alfa Corse baute stattdessen Studien und Prototypen wie den wunderbaren Alfa Romeo C52 Disco Volante. Doch die „Fliegende Untertasse“ konnte weder bei der Mille Miglia noch bei den 24-Stunden-Rennen in Spa oder Le Mans sportlich überzeugen.

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