Opel lädt in der Werbung zum Umparken ein und meint das Umdenken. Als Beleg des Wandels gilt der Opel Mokka. Denn mit dem Crossover kehrt der Erfolg nach Rüsselsheim zurück. Deshalb testeten wir den Opel Mokka 4×4 Turbo (2014).

Was macht Opel aus? Im Zuge der Ankündigung des neuen Modells Karl hieß es: „deutsch, emotional und nahbar“. Mit diesen Worten beschrieb Opels Marketingchefin Tina Müller die Opel-Markenwerte. Nahbar ist eine nette Umschreibung für „günstig“. Der Einstieg in den Mokka gelingt zu einem Preis von 18.990 Euro. Dafür gibt es einen Mokka mit Frontantrieb und einem 115 PS starken Benzinmotor.

Ich war mit dem 140 PS starken Turbo-Benziner mit Allradantrieb unterwegs. In der Topausstattungsvariante „INNOVATION“ kostet dieser Mokka ohne weitere Extras 26.705 Euro. Das liegt ziemlich exakt auf dem Niveau von Deutschland Durchschnittsneuwagen, denn der kostete schon vor zwei Jahren 26.446 Euro. Das klingt, als ob der Opel Mokka 4×4 Turbo für viele Kunden nahbar ist.

Zumal Opel seine Kunden mit dem Mokka auch emotional anspricht.

Der Mokka ist knuffig gestaltet. Die kurzen Überhänge, die hohe Seitenlinie und die teilweise etwas ausladende Form haben etwas von einem Hundewelpen. Die großen Lichteinheiten an der Front verstärken den Eindruck. Sie erinnern an Augen. Zumal zwischen ihnen ein Kühlergrill liegt, der an einen lächelnden Mund erinnert. Damit kommt der Mokka als freundlicher Zeitgenosse rüber.

Opel Mokka 4x4 Turbo
Der Opel Mokka 4×4 Turbo wirkt freundlich. (Foto: Karla Schwede)

Ich war kürzlich Referent bei einem Seminar über die Vertriebschance Internet für Versicherungsvermittler. Bei den Teilnehmern ist die Quote der BMW- und Audi-Fahrer traditionell überdurchschnittlich hoch. Mit anderen Testwagen wurde ich in diesem Kreis auch schon belächelt. Der Mokka weckte dagegen Interesse. Fast jeder der Seminarteilnehmer hat sich im Laufe der zwei Tage den Opel näher angesehen.

Auch bei diesen Benzingesprächen wurde mir wieder einmal bewusst, welchen Stellenwert die Rüsselsheimer einmal hatten. Fast jeder erzählte von einem Rekord oder Kadett, der einst in der Verwandtschaft gab. Opel ist in Deutschland traditionell Bestandteil vieler Auto-Erinnerungen. Opel hat die Herausforderung angenommen und mit dem Mokka die Gegenwart erreicht.

Mehr als 19.500 Exemplare hat Opel im ersten vollen Verkaufsjahr auf die Straße gebracht. Das ist ein Erfolg. Zumal überdurchschnittlich oft private Kunden den Mokka kaufen. Über die gesamte Modellpalette verkauft Opel nur knapp 30 Prozent an private Kunden. Beim Mokka ist der Anteil mehr als doppelt so hoch. Erfreulich für Opel ist auch, dass sich fast 36 Prozent der Kunden für den von mir getesteten Turbo 4×4 entschieden.

Opel Mokka 4x4 Turbo
Opel Mokka 4×4 Turbo in Revier (Foto: Karla Schwede)

„Nahbar und emotional“ ist der Mokka. Das Attribut „deutsch“ fehlt dem Mokka allerdings. Bisher fertigte ausschließlich die Opel-Mutter GM in Korea den Mokka. Wegen der erfreulich großen Nachfrage nahm inzwischen auch das Opel-Werk im spanischen Saragossa die Mokka-Produktion auf. Womit der Mokka immerhin als Europäer gilt.

Was bietet der Opel Mokka 4×4 Turbo?

Im Innenraum glänzt mein Testwagen mit einer langen Ausstattungsliste. Ich benötige einige Zeit, um alle Funktionen zu finden. Zumal ich nur im Notfall das Handbuch eines Autos lese. Dafür sorgt auch, dass Opel einige Dinge anders als andere Autohersteller löst. Ein Beispiel dafür ist der Tempomat. Bei vielen Wettbewerbern lässt sich die automatische Geschwindigkeitsreglung in einem Zug aktivieren und auf die gewünschte Geschwindigkeit einstellen.

Bei Opel sind das Einschalten und das Aktivieren getrennte Vorgänge. Das finde ich zunächst ziemlich umständlich, bis ich den Grund verstehe. Denn der Tempomat im Mokka trumpft im Gegenzug mit einem echten Mehrwert auf. Opels-Assistent merkt sich das zuletzt gewählte Tempo über das zwischenzeitliche Abschalten des Autos hinweg. Bei den Wettbewerbern ist der Speicher der Vorgabe dann oft gelöscht. Darüber habe ich mich schon oft geärgert. Diese Details zeigen, dass Nachdenken eine notwendige Voraussetzung fürs Umdenken ist.

Mein arroganter Verzicht auf das Lesen von Handbüchern recht sich auch auf der ersten Testfahrt mit dem Opel Mokka. Ich wundere mich zunächst über die kurzen Sitze. Dabei habe ich beim Einstellen des Sitzes schlicht den Hebel zum Herausziehen des Vorderteils der Sitzauflage übersehen. Damit finde ich doch noch eine bequeme Sitzposition. Allerdings reduziert ein Zweimeterriese am Volant in der Fahrzeugklasse der Kompakt-SUV das Platzangebot auf der Rückbank. Für Kinder reicht es. Ein ebenfalls überdurchschnittlich großer Erwachsener kann hinter mir im Mokka kaum sitzen.

Sitze im Opel Mokka 4x4 Turbo
Sitze im Opel Mokka 4×4 Turbo

Zum Erfolg des Mokka trägt auch die umfangreiche Sicherheitsausstattung bei. Sie umfasst Front-, Brust-Becken-Seiten- und Kopf-Airbags vorn und hinten, ein Antiblockiersystem mit Bremsassistenten, Tagfahrlicht, Reifendruck-Kontrollsystem sowie ein elektronisches Stabilitätsprogramm. Zudem bedient Opel geschickt auch die Komfortansprüche der Kunden. Serienmäßig gibt es eine Klimaanlage, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, eine Zentralverriegelung inkl. Heckklappen- und Tankdeckelentriegelung, elektrische Fensterheber vorne und einen Bordcomputer. Wer will, kann optional (350 Euro Aufpreis) mit dem Winterpaket sogar das Lenkrad beheizen. Nicht nachvollziehen kann ich allerdings, dass der DAB+ Empfänger 210 Euro zusätzlich kostet. Unsere europäischen Nachbarn schalten das gute alte UKW-Radio teilweise 2015 ab.

Wie fährt sich der Opel Mokka 4×4 Turbo?

Als Karla und ich dieses Auto-Blog vor inzwischen sieben Jahren starteten, stand der Hubraum unseres Minis Pate für den Namen. Neuwagen mit dem passenden Hubraum gab es allenfalls als Kleinwagen. Schon in der Kompaktklasse waren Motoren mit 1,6 oder 2,0 Liter Hubraum Standard. Doch in den Laboren der Entwickler auch 2007 längst das Thema „Downsizing“ im Mittelpunkt.

Start-Stopp-Automatik im Opel Mokka 4x4 Turbo
Start-Stopp-Automatik im Opel Mokka 4×4 Turbo

Hinter der Verkleinerung des Hubraums steckt die Idee, den Energieverbrauch zu senken. Denn der Verbrauch eines Verbrennungsmotors hängt bei gleicher Belastung wesentlich von seinem Hubraum an. Ein kleinerer Hubraum hat eine kleinere Oberfläche. Das sorgt für geringere Energieverluste durch Abwärme und reduziert die Reibungsverluste.

Der 1,4 Liter-Motor des Opel-Mokka ist ein typischer Vertreter dieser Idee. Dank der Beatmung durch einen Turbolader stehen 140 PS zur Verfügung. Übrigens konstant zwischen 4.900 und 6.000 Umdrehungen pro Minute. Das reicht, um den Mokka (Leergewicht 1.445 Kilogramm) flüssig im Alltag zu bewegen. Knapp zehn Sekunden benötigt der Mokka 4×4 Turbo mit 6-Gang-Schaltgetriebe und Allradantrieb für den Sprint von null auf Tempo hundert.

Opel Mokka 4x4 Turbo
Der Opel Mokka 4×4 Turbo vor dem Werkstattatelier. (Foto: Karla Schwede)

Natürlich erwarten SUV-Käufer keine Beschleunigungswerte auf dem Niveau eines Sportwagens. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich privat beim Mokka zum Turbobenziner greifen würde. Denn für den Zwischensprint im fünften Gang von 80 auf 120 Kilometer pro Stunde benötigt der Benziner 13,5 Sekunden. Der Mokka mit Turbodiesel-Motor benötigt für die sogenannte Elastizitätsprüfung drei Sekunden weniger. Dabei spielt der Selbstzünder sein Drehmoment von 300 Newtonmetern aus. Der Benziner liefert zwischen 1.850 und 4.900 Umdrehungen immerhin konstant 200 Newtonmeter, ist damit aber in der Disziplin „Elastizität“ der Mokka-Familie nur zweiter Sieger.

Allrad für den Großstadtdschungel!

Der Opel Mokka wurde bei den Kollegen von Auto-Bild gerade zum zweiten Mal das Allrad-Auto des Jahres. Trotzdem ist der Kompakt-SUV nicht für den harten Geländeeinsatz gedacht. Der im 4×4 serienmäßige Berg-Abfahr- und Berg-Anfahr-Assistent ist kein Ersatz für Sperrdifferenziale. Trotzdem stellt ein matschiger und durchweichter Acker den Mokka nicht vor unlösbare Aufgaben. Auch im Hängerbetrieb hilft der Allradantrieb. 1.200 Kilo darf der Mokka ziehen. Das reicht, um eine Jolle zu Wasser zu lassen und an der Slip-Anlage nicht zu verzweifeln.

Trotzdem ist das bevorzugte Revier des Mokka der Großstadtdschungel. Dort bewähren sich der Wendekreis von 10,90 Metern (Bordstein zu Bordstein) und die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung. Der Mokka lässt sich nicht nur beim Umparken mit leichter Hand in Parklücken navigieren. Bei etwas grobschlächtigeren Allrad-Fahrzeugen machen sich beim Rangieren oft Verspannungen des Antriebs bemerkbar. Das ist dem Mokka völlig fremd und trägt ebenfalls zu der Stadtfreundlichkeit bei.

Fazit zum Opel Mokka 4×4 Turbo

Der Kompakt-SUV steht mit allen vier Rädern mitten im Leben. Der Opel Mokka ist der erfolgreiche Beweis dafür, dass Opel das Umdenken ernst nimmt. Mehrfach hat mich der Mokka 4×4 Turbo im Test mit durchdachten Detaillösungen überrascht. Wenn das die neue Linie von Opel ist, können die Rüsselsheimer sorgenfrei in die Zukunft blicken.

5 Kommentare

  1. Ziemlich ausführlicher und aussagekräftiger Er-Fahrungsbericht über den Mokka 4×4. Für mich käme nur der neue 1,6 CDTI in Frage, viel Drehmoment über einen großen Bereich hinweg, mehr Leistung bei weniger Verbrauch, sehr leiser Motor, kein Vergleich mehr zum Vorgängermotor 1,7 CDTI.

  2. Ich fahr den 1,4T mit Automatikgetriebe ein wunderbares Auto für die Stadt.
    Sehr spritzig und doch sparsam in der Stadt ein verbrauch von 7,1-7,5 l.
    (Stadtverkehr).Da Ich Berufsfahrer bin ,und einige Oberklassenfahrzeuge fahre,
    Weiss Ich von was ich rede. Der Mokka ist eins der besten Autos die Opel je gebaut
    hat. Ich fahre seit über 30 jahre opel.

  3. Klasse Bericht, und nun kann ich das alles auch durch eigene Erfahrungen bestätigen. Wir sind seit Freitag stolze Besitzer dieses Autos mit der getesteten Motorvariante, allerdings ohne Allrad.

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