Auch bei der 20. Auflage des „Jim Clark Revivals“ wurde der Hockenheimring am letzten Wochenende wieder zu einer pulsierenden Zeitmaschine. Das Programm war vollgepackt mit Hochspannung, Emotionen und Motorensound, wie man ihn heute nur noch selten erlebt. Hier begegnen sich Geschichte, Gänsehaut und Gegenwart auf und abseits der Strecke. Dazu schien die Sonne drei Tage lang und hob die Stimmung. Fahrzeuge, die sonst nur museal glänzen, wurden hier artgerecht bewegt. Denn hier wird gefahren, nicht geschoben.
Vom Cosworth DFV bis zum TJ2005 und CA2010
Ein Höhepunkt waren die Formel-1-Boliden der Masters Historic Legends. Ob Brabham, McLaren oder Williams – wer einmal das Crescendo eines Cosworth DFV live erlebt hat, vergisst diesen Sound nie. Diese Rennwagen sind keine stummen Denkmäler, sondern rollende Geschichtsbücher im Renneinsatz. Und auch auf der Strecke zeigten sie, dass sie nichts von ihrer Wildheit eingebüßt haben. Den Sieg am Samstag holte sich Matthew Wrigley im Tyrrell 011. Am Sonntag siegten Warren Briggs und sein McLaren M29.

Nicht weniger beeindruckend war die Boss GP-Serie. In dieser Serie treten neben jüngeren GP2-, Formel 2-, IndyCar-Boliden auch echte Formel 1-Fahrtzeuge an. Ingo Gerstl im Toro Rosso STR1 mit hochdrehendem V10 von Cosworth gewann beide Läufe. Die Wertung der anderen Fahrzeuge gewann je einmal Simone Colombo und Haralds Šlēgelmilhs. Der Lette, der früher in der Formel 3 aktiv war, vertraut in seinem Dallara auf einen Gibson V8-Power. Dieses Triebwerk ist roh, direkt, atemberaubend – spürbar bis ins Zwerchfell.
Doch die Veranstaltung lebte nicht nur vom Sound!
Sie war ein Fest für alle Generationen. Vom Maserati 6CM aus dem Jahr 1937 bis hin zum modernen LMP3-Prototypen reichte die Bandbreite der Fahrzeuge auf der Strecke. Ob beim DRM-Revival mit Porsche 935, De Tomaso Pantera oder Ford Turbo-Capri – die Fans bekamen ikonische Fahrzeuge in Aktion zu sehen. Echte Motorsport-Magie gab es dabei reichlich, etwa bei der Aufholjagd von Roland Asch im Mercedes 190E Evo1. Auch die Präsentation seltener Klassiker im für alle Zuschauer offenen Fahrerlager bot Hautnah-Magie.

Dort gab es auch die Sonderausstellung zu Ehren von Jim Clark. Schließlich sind die ADAC Hockenheim Historic das „Jim Clark Revival“. Direkt daneben und – nicht nur für Kinder – beeindruckend eine große Slotcar-Bahn aus Holz. Weniger umlagert war der Auftritt von Audi Sport. Dort präsentierte die Marke mit den vier Ringen einen DTM- und einen Le-Mans-Boliden – mit dem Ziel, Sammlerherzen (und Konten) zu erreichen. Motorsport zum Mitnehmen, sozusagen – vorausgesetzt, das Konto stimmt.
ADAC Hockenheim Historic stehen auch für viele persönliche Begegnungen
Traditionell ein Ehrengast der ADAC Hockenheim Historic ist Kurt Ahrens, der es sich auch 2025 nicht nehmen ließ, vorbeizuschauen. Zusammen mit seinem Jugendfreund Ecki Schimpf machte der Braunschweiger das Fahrerlager unsicher. Im Grid trafen sich Rennlegenden wie Marco Werner, Roland Asch, Altfrid Heger und Kris Nissen. Das spülte jede Menge Erinnerungen aus der Tourenwagen-Ära der DTM und der STW hoch. Dazu gesellte sich Ex-Fußballprofi Thorsten Legat – ganz ohne „Kasalla“, dafür aber mit echtem Interesse an PS und Piste.

Solche Momente geben den Fans die Chance, ihren Stars auf Augenhöhe zu begegnen. Das macht die 20. ADAC Hockenheim Historic zu mehr als einem nostalgischen Rückblick. Sie war lebendige Motorsportkultur, war ein Soundtrack aus Drehzahlorgien und bot jede Menge Emotionen. Das kam auch beim Publikum an, wie die vollen Tribünen und der erneut gebrochene Zuschauerrekord bewiesen. Vom 8. bis 10. Mai 2026 kehrt der Sound der Legenden zurück – mit Vollgas, Volumen und Vergnügen.
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