
Der britische Autobau geriet nach dem Zweiten Weltkrieg in die Krise. Nach mehreren Fusionen entstand 1968 die British Leyland Motor Corporation. Doch auch dieses Unternehmen schrieb weiterhin kontinuierlich Verluste. 1975 bewahrte nur noch eine Verstaatlichung das Unternehmen vor dem Zusammenbruch. Auch das änderte nichts daran, dass der Autobauer weiter Verluste machte. Als 1979 Margaret Thatcher Premierministerin des Vereinigten Königreichs wurde, begann eine Zeitenwende.
MG sollte Aufmerksamkeit für die Austin Rover Group generieren!
Thatcher lehnte Subventionen und Staatsverschuldung entschieden ab. Bis zum Ende ihrer Amtszeit, elf Jahre später, privatisierte die „Eiserne Lady“ mehr als 600.000 Arbeitsplätze. Auf diesem Weg teilte die Regierung 1982 British Leyland in Jaguar und die Austin Rover Group auf. An der Austin Rover Group beteiligte sich Honda mit 20 Prozent, was neues Kapital einbrachte. Zwei Jahre später privatisierte die Regierung Jaguar.
Das war der Übungslauf für den angestrebten Verkauf der Austin Rover Group. Zu den Marken der Austin Rover Group gehörte auch MG. Dort gab es den Kleinwagen MG Metro (ab 1980), den kompakten MG Maestro (ab 1983) und den MG Montego (ab 1984) in der Mittelklasse. Doch historisch stand MG für Sportwagen wie den MG T-Type (1936 bis 1955), den MGA (1955 bis 1962) sowie dessen Nachfolger MGB (1962 bis 1980). Um für die Austin Rover Group zu werben, entstand das sportliche Konzeptfahrzeug MG EXE.
Der MG EXE feierte auf der IAA 1985 in Frankfurt Premiere!
Für das Design des Sportwagens waren Roy Axe und Gerry McGovern verantwortlich. Axe arbeitete ab 1959 für die Rootes-Gruppe als Designer. Dort blieb er auch, als Chrysler die Rootes-Gruppe übernahm und mit Simca fusionierte. In dieser Zeit entwarf Axe unter anderem den Hillman Avenger (1970) und den Talbot Tagora (1980). Ab 1982 arbeitete Axe als Design-Direktor für die Austin Rover Group, übernahm dort die Nachfolge von David Bache. Die Konzeptstudie MG EXE war seine erste bedeutende Arbeit für seinen neuen Arbeitgeber.
Schon bei Chrysler lernte Axe den fast 20 Jahre jüngeren Gerry McGovern kennen. Nach seinem Wechsel zur Austin Rover Group holte Axe den Nachwuchsdesigner zu seinem neuen Arbeitgeber und übertrug McGovern die Tagesarbeit am MG EXE, der technisch auf dem MG Metro 6R4 basierte. Zusammen entwarfen Roy Axe und Gerry McGovern einen sehenswerten Sportwagen, der auf der IAA 1985 in Frankfurt seine Premiere feierte.
Was blieb vom MG EXE?
Das Design der Konzeptstudie war, wie Roy Axe später einmal in einem Interview erzählte, von seinem privaten Ferrari 308 inspiriert. Das Greenhouse des MG EXE erinnert – entfernt – an Kampfflugzeuge. Das war damals offenbar in Mode, wie auch die ein dreiviertel Jahr zuvor auf dem Turiner Autosalon 1984 präsentierte Studie Honda HP-X Concept, den wir vor ein paar Tagen vorstellten, zeigt. Beide Studien ähneln sich zudem im Innenraum.
Denn dort hielten im MG EXE, wie auch bei Honda, Computer und Displays Einzug. Doch anders als beim Honda HP-X Concept, der zum Honda NSX weiterentwickelt wurde, blieb der MG EXE ohne Seriennachfolger. Der später von Gerry McGovern gestaltete, kleinere MG F-Sportwagen bezog sich nicht auf den MG EXE. Heute gehört die 1985 in Frankfurt präsentierte Studie zum Bestand des British Motor Museum in Gaydon.
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