Volkswagen EA48 – die verpasste Chance

Auch den größten Käfern-Fans in Wolfsburg war klar, irgendwann benötigt der Käfer einen Nachfolger oder zumindest das VW-Programm mehr Breite. Deshalb entstand der Volkswagen EA48. Doch der war so revolutionär, dass man in Wolfsburg lieber weiter auf den Käfer setzte. So musste die Welt noch 15 Jahre auf einen VW mit Frontantrieb warten.

Tom Schwede
Von Tom Schwede
10. Februar 2012 3 Minuten Lesezeit
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Titelbild zum Artikel:Volkswagen EA48 – die verpasste Chance

Der Kleinwagen Volkswagen EA48 hätte das VW-Programm ergänzen können. Doch dazu kam es nicht. – Foto: Volkswagen

Heute ist Volkswagen mit einer breiten Modellpalette auf allen wichtigen Automärkten der Welt vertreten. Die Wolfsburger bieten vom Kleinwagen bis zum Luxusfahrzeug Autos jeder Größe an. Vor 60 Jahren war Volkswagen dagegen hauptsächlich der Käfer. Unter dem schlichten Titel „Entwicklungsauftrag 48“ (EA48) sollte Anfang der 1950er-Jahre ein neues Auto die Monokultur des Käfers beenden. Doch trotz einiger bahnbrechender Ideen, die ihrer Zeit weit voraus waren, entschieden sich die Verantwortlichen dagegen, den EA48 in Serie zu produzieren.

„Entwicklungsauftrag 48“ (EA48) überrascht!

Wer heute die Gelegenheit nutzt, sich den „Entwicklungsauftrag 48“ im Detail anzusehen, entdeckt an dem Prototypen jede Menge innovative Details. Der EA48 überrascht mit einem in den 1950er-Jahren revolutionären Technikpaket. Unter der Leitung der Entwicklungsingenieure Heinrich Seibt und Gustav Mayer, der später zum Chefentwickler der Volkswagen Transporter aufsteigen sollte, entstand ein Fahrzeug, das kompakte Abmessungen mit vier Sitzen und Frontantrieb verband.

Das sind Merkmale, die heute in den Autos der Kompaktklasse selbstverständlich sind. Die selbsttragende Pontonkarosserie des Kleinwagens verfügt mit ihrem Schrägheck über ein Gestaltungsmerkmal, das sich erst in den 1970er-Jahren durchsetzen sollte. Die Gestaltung wurde auch möglich, weil es Gustav Mayer gelang, im EA48 das platzsparende McPherson-Prinzip mit Frontantrieb zu kombinieren. Diese Kombination aus Schraubenfeder, Stoßdämpfer und Querlenker steckt heute in nahezu allen Fahrzeugen mit Frontantrieb.

Der Motor des EA48 wirkt vertraut!

Damit stellt der EA48 das Gegenteil des Käfer-Layouts mit Heckmotor und Heckantrieb dar. Der vorn eingebaute Zweizylinder-Boxer erweist sich auf den ersten Blick als halbiertes Käfer-Herz. Seine Leistung von 18 PS aus 0,7 Litern Hubraum bezeichnen die überlieferten Testprotokolle als absolut ausreichend. Die damaligen Testfahrer beurteilten die Fahreigenschaften des relativ leichtgewichtigen EA48 als sportlich. Das Handling erhielt gute Noten.

Der Käfer war wichtiger als EA48

Der VW Käfer war VW wichtiger als der VW EA48.

Ein Ergebnis, das wohl auch auf die Arbeit des Entwicklungspartners Continental zurückging. Denn der Reifenhersteller unterstützte die Entwicklung des EA48 mit 13-Zoll-Rädern, die speziell für den Prototyp angefertigt wurden. Obwohl der Käfer gerade erst seinen Siegeszug antrat, wollte Volkswagen mit dem EA48 den Markt auch unterhalb des Bestsellers bedienen. Doch als der EA48 produktionsreif war, schätzten die Verantwortlichen in Wolfsburg die Marktchancen als zu gering ein.

EA48 war der erste vollständig in Eigenregie entwickelte Volkswagen

Bei der Ablehnung spielte wohl auch eine Rolle, dass sich die Verantwortlichen bewusst auf den Käfer konzentrierten. Sie wollten die vorhandenen Produktionskapazitäten ausschließlich für den im Export immer erfolgreicheren Käfer verwenden. Daher ging der EA48 trotz der zum Teil revolutionären Details nicht in Serie. Vielleicht war das eine verpasste Chance, denn der EA48 hatte durchaus das Zeug zum Bestseller. Schließlich bedienten in den 1950er-Jahren noch Rollermobile wie das Goggomobil, der Messerschmitt Kabinenroller oder die Isetta den Markt unterhalb des Käfers. Mehr zum Kleinwagen-Prototypen können Sie jetzt bei den Kollegen von Volkswagen Classic lesen.

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