Einmal im Jahr verwandelt sich die Küste Kaliforniens in ein Mekka für Autoliebhaber: Die Pebble Beach Automotive Week zieht Sammler, Hersteller und Fans aus aller Welt an. Ob auf der legendären Rennstrecke von Laguna Seca, bei der Ausfahrt „Tour d’Elegance“ oder beim Concours d’Elegance selbst – nirgendwo sonst stehen Tradition, Technik und Leidenschaft so eng beieinander. Für viele ist Pebble Beach deshalb das Nonplusultra unter den Klassik-Events.
Ein Technikpionier von 1910 im Rampenlicht
Denn die Pebble Beach Automotive Week hat verstanden, sich weltweit als führende Bühne für automobile Geschichte in Szene zu setzen. In diesem Jahr rückte sie einen automobilhistorischen Schatz aus Stuttgart in den Mittelpunkt: den Benz Prinz-Heinrich-Wagen von 1910. Das Fahrzeug führte nicht nur die 100 Kilometer lange Tour d’Elegance an, sondern wurde beim Concours d’Elegance mit der renommierten Charles A. Chayne Trophy ausgezeichnet.
Diese Trophäe, benannt nach einem einflussreichen Ingenieur und GM-Vizepräsidenten, ehrt seit 1987 das technisch fortschrittlichste Automobil seiner Epoche. Der Prinz-Heinrich-Wagen überzeugte die Jury mit wegweisender Technik: einem 5,7-Liter-Vierzylindermotor mit Vierventiltechnik und Doppelzündung, Kardanantrieb und einer aerodynamisch gestalteten Karosserie mit Spitzheck.
Wenn Adel auf das Automobil trifft
Von den einst zehn gebauten Wagen existieren heute nur noch zwei Exemplare – auch das ein Beweis für die Seltenheit und den historischen Wert des Preisträgers. Entwickelt wurde der Wagen für die Prinz-Heinrich-Fahrt, einen der bedeutendsten Wettbewerbe des frühen Automobilsports in Europa. Die Veranstaltung trug den Namen von Prinz Heinrich von Preußen, dem Bruder von Kaiser Wilhelm II.

Anders als sein kaiserlicher Bruder, der dem Automobil eher skeptisch gegenüberstand und lieber auf Pferd und Eisenbahn setzte, war Heinrich ein leidenschaftlicher Befürworter des Autos. Der hauptsächlich in Kiel und auf Schloss Hemmelmark an der Eckernförder Bucht lebende Marineoffizier erkannte früh dessen Potenzial für Technik, Mobilität und gesellschaftliche Entwicklung. Dazu machte sich Prinz Heinrich als Förderer des Motorsports einen Namen.
Ein Rennen für den Fortschritt
1907 stiftete der Gelegenheitsrennfahrer dem Kaiserlichen Automobil-Club (KAC – dem heutigen AvD) einen Preis für einen Zuverlässigkeits- und Sportwettbewerb, der die Leistungsfähigkeit des Autos unterstreichen sollte. 1908 fand die erste Ausgabe der Prinz-Heinrich-Fahrt statt. Sie führte über 2.200 Kilometer von Berlin über Stettin, Kiel, Hamburg, Hannover, Köln und Trier nach Frankfurt a. M.
Ein Jahr später führte die Strecke von Berlin über Breslau, Budapest, Wien und Salzburg nach München (1.857 km). 1910 änderten die Verantwortlichen die Regeln. Ein höherer Anteil von Schnelligkeitsprüfungen bevorteilte Rennwagen. Benz & Cie. reagierte mit dem Bau des Benz Prinz-Heinrich-Wagens. Doch die vollkommen neu konstruierten Spezial-Tourenwagen mit aerodynamisch optimierter Karosserie verpassten den Sieg.
Erfolg mit Symbolkraft
Denn die Prinz-Heinrich-Fahrt 1910 gewann Ferdinand Porsche, der einen von ihm konstruierten Austro-Daimler steuerte. Trotzdem zeichnete die Jury in Pebble Beach jetzt den Benz aus. Für Mercedes-Benz Classic ist die Auszeichnung des Prinz-Heinrich-Wagens nicht nur ein Erfolg bei einem der prestigeträchtigsten Automobil-Events weltweit. Sie unterstreicht auch, wie stark die Marke von Anfang an technische Innovation mit emotionaler Strahlkraft verband.
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