Bis Mitte der 1970er-Jahre traten auf der Mittelmeerinsel Sizilien Sportwagen an, die ansonsten in Le Mans oder am Nürburgring unterwegs waren. Bei der Targa Florio kämpften sie auf schmalen Bergstraßen um den Sieg und zeitweise sogar um Punkte in der Sportwagen-Weltmeisterschaft.

Heute kaum noch vorstellbar. Gefahren wurde auf einer 72 Kilometer langen Rennstrecke. Die Streckenführung startete in Cerda im Westen der Insel, vorbei am 500 Meter hoch gelegenen Caltavuturo im Süden, um dann ins bergige Hinterland zu führen. Hier gab es mehr als 600 Meter hoch gelegene Bergstraßen mit aufregenden Serpentinen. Anschließend ging es hinab nach Campofelice di Roccella. Auf dem Rückweg zum Startpunkt jagten die Rennwagen direkt am Meer entlang. Die Buonfornello-Gerade war mit mehr als sechs Kilometer Länge sogar noch länger als die Hunaudieres-Gerade in Le Mans.

 

Vor dem Zweiten Weltkrieg waren Legenden wie Tazio Nuvolari, Achille Varzi oder Ugo Sivocci auf der Mittelmeerinsel erfolgreich. Später finden sich Formel-1-Stars wie Wolfgang Graf Berghe von Trips, Joseph Siffert oder Joakim Bonnier in den Siegerlisten der Targa Florio. Daneben stehen die Namen von Sportwagen-Spezialisten wie Gijs van Lennep, Vic Elford oder Brian Redman.

Bis in die 1950er-Jahre waren Alleinfahrten üblich!

Später teilten sich meist zwei Piloten einen Rennwagen. Dr. Helmut Marko sicherte sich 1972 im Alfa Romeo T33/3 mit 33:41 Minuten die schnellste Rennrunde. Der Österreicher, der heute bei Red Bull in der Formel 1 eine wichtige Rolle spielt, erreichte dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 128,253 Kilometern pro Stunde. Die Runde von Dr. Marko ist ein Rundenrekord für die Ewigkeit. Denn die Motorsportkommission CSI der FIA erkannte, dass das Rennen nicht mehr tragbar war.

Zur Saison 1974 verlor das Rennen seinen WM-Status. Kurze Zeit später war das Rennen auch als Lauf zur italienischen Sportwagen-Meisterschaft nicht mehr tragbar. 1978 wurde aus dem Rennen eine Rallye. Vor vier Jahren tauchte die Targa Florio Rally sogar im Kalender der Intercontinental Rally Challenge auf. Als Ergänzung erinnert eine Oldtimer-Veranstaltung an die glorreichen Tage des einzigartigen Autorennens, das der Unternehmer Graf Vincenzo Florio im Jahr 1906 ins Leben rief.

Porsche erinnert bei der 100. Targa Florio an die großen Zeiten der Rundfahrt!

Inzwischen ist die Targa Florio eine weltweit beachtete Oldtimer-Veranstaltung. In diesem Jahr fand daher die 100. Targa Florio statt. Das Porsche-Museum rückte dabei mit dem interessanten Fuhrpark aus. Offensichtlich fühlt man sich in Stuttgart dem Rennen verpflichtet. Denn mit elf Gesamtsiegen ist Porsche wie in Le Mans auch auf Sizilien die erfolgreichste Marke der Renngeschichte. Zum Fahrerkader der Traditionstour gehörten unter anderem Herbert Linge, Gijs van Lennep und Vic Elford.

Alle Piloten wussten vor Ort von ganz typischen Rennerlebnissen auf Sizilien berichten. So erinnert sich Vic Elford, der die Targa Florio 1968 im Porsche 907 gewann, an seine Siegesfahrt:

„In Cerda hatte ich plötzlich einen Platten am rechten Rad. Als ich noch überlegte, ob mein Rennen jetzt vorbei wäre, sprangen die Zuschauer von ihren Plätzen und hoben mit bloßer Muskelkraft mein Fahrzeug hoch – immerhin eine deutsche Marke. Sowas kann einem nur hier passieren. Ich konnte das Rad reparieren und am Ende das Rennen sogar für mich entscheiden. Das hätte ich ohne die Hilfe der Einheimischen nicht geschafft.“


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:

356 B 2000 GS-GT "Dreikantschaber" (Bj.1963), 911 Carrera RSR (Bj. 1973), 356 Abarth (Bj.1960) und 718 RS 60 Spyder (Bj. 1960) (von links nach rechts) bei der 100. Auflage der "Targa Florio". (Fotos: Porsche)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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