Ich mag Auto, deren Motoren mit einem sattem Drehmoment glänzen. Insofern war ich auf die Testfahrt im Audi SQ7 TDI total gespannt. Denn der V8 Diesel stemmt freundliche 900 Newtonmeter auf seine Kurbelwelle.

Zugegeben, der Diesel-Motor war zuletzt ein schwieriges Thema. Inzwischen stehen viele Autohersteller im Verdacht, bei der Abgasreinigung die Grenzen des Legalen nicht nur auszutesten, sondern diese Grenzen im Einzelfall auch verletzt zu haben. Kritiker sprechen deshalb schon vom Ende des Diesel-Zeitalters. In meinen Augen ein Fehler. Schließlich sind gute Diesel-Motoren einfach wunderschön zu fahren.

Ihr Drehmoment sorgt für Durchzug in jeder Lebenslage. Und das bei moderatem Verbrauch und günstigen Kraftstoffkosten. Kein Wunder, dass Diesel-Fahrzeuge bei den über einen Verbrauchsindex angeglichenen Sport-Prototypen seit Jahren dominieren. Seit 2006 gewann Audi achtmal die 24 Stunden von Le Mans mit einem Diesel-Motor im Heck des Rennwagens. Dazu siegte 2009 auch Peugeot mit Diesel-Power.

Mit dem Audi SQ7 TDI bringt Audi jetzt den vielleicht ultimativen Diesel für den Alltag der Straße. Denn der Höchstleistungs-SUV bietet den zurzeit weltweit stärksten Diesel-Motor, der in einem Alltagsauto verfügbar ist. Mehr Diesel-Leistung gibt es nur in Lastwagen oder Lokomotiven. Sollten die aktuellen Diskussionen tatsächlich zu einem Aus des Diesel-Autos führen, gilt dieser vier Liter große V8 eines Tages sicher als einer der Höhepunkte der Diesel-Epoche. Auch wenn der V12 TDI im Vorgänger mit noch mehr Leistung und Drehmoment glänzte. Denn mit dem V8-Motor im neuen Audi SQ7 TDI zeigt Audi, was mit dem Diesel möglich ist.

Das volle Drehmoment ist beim Anfahren da!

Quasi bereits beim Anfahren verfügt der Motor über sein maximales Drehmoment von 900 Newtonmetern. Denn das maximale Drehmoment steht im SQ7 TDI bereits bei 1000 Umdrehungen 1/min zur Verfügung! Erst bei 3.250 Umdrehungen fällt die Drehmomentkurve wieder ab. 500 Umdrehungen später erreicht der Motor die Maximalleistung von 435 PS. Die hält der Motor bis zu einer Drehzahl von 5.000 Umdrehungen, wo passenderweise der rote Bereich des Drehzahlmessers beginnt.

 

Was für ein Quantensprung, seit ich vor mehr als 30 Jahren – noch ohne Führerschein – erstmals einen Diesel auf einem Verkehrsübungsplatz steuerte. Damals galt der 88 PS starke OM 617 im 300D meines Großvaters als der ultimative Diesel-Motor. Wie sich die Zeiten doch ändern! Wer will, kann mit dem Audi SQ7 TDI in weniger als fünf Sekunden aus dem Stand auf ein Tempo von 100 Kilometern pro Stunde beschleunigen. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 250 Kilometern pro Stunde.

Doch das spielt bei diesem Auto nur eine Nebenrolle. Die Spurtfähigkeit des mit mir am Steuer mindestens 2.500 Kilogramm schweren SUV ist das, was mich über das Ende der Testfahrt hinaus nachhaltig beeindruckt. Denn für den Audi SQ7 TDI ist es fast völlig egal, wo ihm die Kraftabgabe abverlangt wird. Mit dem Tritt auf Gaspedal schießt der SQ7 quasi unmittelbar nach vorne. Und das in jeder Umgebung. Unwichtig, ob die Strasse eben ist oder es gerade einen steilen Berg nach oben geht.

Das habe ich so noch nicht erlebt!

Audi hat die Teststrecke für diese Probefahrt gut ausgewählt. Sie führt mich hinauf in das Skigebiet Le Markstein am Fuße des Grand Ballon. Bei der Auffahrt wähne ich mich eher am Bungsberg. Der Audi SQ7 TDI dampft die 1.200 Meter Höhenlage auf die 167 Meter des höchsten Bergs in meiner holsteinischen Heimat ein. So leichtfüssig stürme ich die teilweise steilen Rampen der Vogesen hinauf.

Möglich machen das die drei Lader, die den V8 beim Atmen unterstützen. Ich hatte bereits vor gut zwei Jahren das Vergnügen, einen Prototyp mit einem dritten „Turbo“ zu fahren. Jetzt ist dieser elektrisch angetriebene Verdichter, der ein Teilbordnetz mit einer Betriebsspannung von 48 Volt benötigt, serienreif. So eine Entwicklung über zwei Jahre zu verfolgen, macht das Bloggen über Autos auch für einen alten Hasen wie mich spannend.

SQ7-Projektleiter Klaus Bugelnig sagt über den Sport-SUV „Der SQ7 ist für uns ein zentraler Botschafter für Vorsprung durch Technik.“ Das ist mehr, als nur ein Marketingspruch. Ich durfte in den vergangenen Jahren einige Autos mit einer aufregenden Kraftentfaltung fahren. Der SQ7 TDI stellt alles bisher gefahrene in den Schatten. Und dies nicht, weil er ihnen mit seiner Größe den Blick zu Sonne versperrt. Nein, niemand erwartet einfach von einem SUV, dass es so vorwärtsgeht, wie es im Audi SQ7 TDI möglich ist.

Ganz klar, der Star im Audi SQ7 TDI ist der Motor!

Und das war offensichtlich volle Absicht. Denn im Gespräch verrät Projektleiter Bugelnig auch, das Lastenheft für den SQ7 enthielt die Vorgabe, maximale Performance mit Q7 typischen Komfort zu verbinden. Das ist, so das Fazit meiner fast 400 Kilometer langen Tour mit dem SQ7 TDI, zweifelsfrei gelungen. Um bei dieser Schwärmerei eines kleinen Autobloggers nicht den falschen Eindruck zu erwecken, Beschleunigungsorgien sind in diesem Auto kein Muss!

Obwohl auch andere Auto-Blogger vom #BEASTMODE des SQ7 schwärmen, auch im SQ7 TDI kannst Du jederzeit genauso komfortorientiert reisen, wie mit seinen zahmen Brüdern. Für den Alltag auf verstauten Autobahnen gibt es im SQ7 TDI einen Stauassistenten, der sich als Vorstufe zum pilotierten Fahren versteht. Wer will, der kann seinen SQ7 mit insgesamt 24 Assistenzsystemen und jeden erdenklichen Luxus ausrüsten.

Mit dem Fahrdynamikpaket „Advance“ hilft eine ebenfalls neue elektromechanische Wankstabilisierung dabei, dass die Fahrt nicht aus dem Ruder läuft. Die Wettbewerber setzten bisher hauptsächlich auf hydraulische Systeme. Audi hat sich an dieser Stelle für eine wegen des fehlenden Hydrauliköls wartungsfreie und damit umweltfreundliche Lösung entschieden. Ein Elektromotor verstellt im Audi SQ7 TDI während der Fahrt die Stabilisatoren.

In Verbindung mit der sportlicher als im normalen Audi Q7 abgestimmten Allradlenkung und einem Sportdifferenzial funktioniert das beeindruckend gut. Selbst als ich auf einem großen Parkplatz des Skigebiets den SQ7 TDI bewusst provoziere, bleibt der große SUV erstaunlich gelassen. Bis in den fahrdynamischen Grenzbereich hinein verfügt der Testwagen über ein neutrales Fahrverhalten.

Das ist gut zu wissen. Denn das gibt die notwendige Sicherheit, um (fast) jederzeit den Star im Ensemble von der Kette lassen zu können. Denn das macht einfach verdammt viel Spaß. Gut, dass es offensichtlich noch Diesel-Freunde gibt.

Schreib einen Kommentar