21.10.1997: Der peinliche Sturz der A-Klasse im Elchtest und seine Folgen

Am 21. Oktober 1997 kippte die Mercedes-Benz A-Klasse beim Elchtest um. Mit ihr wankte das Selbstverständnis eines ganzen Autokonzerns. Was als peinliches PR-Desaster begann, wurde zum Wendepunkt für die Fahrzeugsicherheit. Ein Rückblick auf den Tag, der ESP den Weg ebnete.

21. Oktober 2025 3 Minuten Lesezeit
f x
ddd
Am 21.10.1997 kippte die A-Klasse im Elchtest – ein PR-Desaster mit Folgen. Mercedes reagierte und rüstete bei der ersten A-Klasse (W168) unter anderem ein ESP nach. Dank dieses Helfers bestand die A-Klasse den Elchtest genannten Spurwechsel schließlich doch noch. (Foto: Mercedes-Benz)

Mit der A-Klasse wagte Daimler-Benz 1997 den Schritt in die Kompaktklasse und ein Segment, das viele Jahre lang nicht zur Marke mit dem Stern gepasst hätte. Technisch sollte die neue A-Klasse Sicherheit und Variabilität in einer kompakten Form verbinden. Dafür entstand ein eigenwilliges Design mit steiler Front, hohem Dach und der „Sandwich-Bauweise“. Das war ebenso ungewohnt wie innovativ.

Die Mercedes-Benz A-Klasse scheiterte am 21. Oktober 1997 am Elchtest

Der „Sandwich-Bodens“ war ein Relikt davon, dass die Techniker während der Entwicklung auch an einer elektrischen A-Klasse arbeiteten. Doch aus wirtschaftlichen Gründen sollte es diese nie in die Serienfertigung schaffen. Wobei sicher auch eine Rolle spielte, dass die Gesetzgeber damals zwar diskutierten, ob sie die Autobauer zwingen sollten, emissionsfreie Automobile einzuführen, letztlich damals jedoch darauf verzichteten.

Die Presse nahm den kleinen Mercedes interessiert auf. Auch die schwedische Fachzeitschrift Teknikens Värld testete die A-Klasse. Zu ihrem Testprogramm gehört der „Elchtest“, ein außerhalb Skandinaviens kaum bekanntes Ausweichmanöver. Am 21. Oktober 1997 scheiterte die Mercedes-Benz A-Klasse an dieser Übung spektakulär. Beim plötzlichen Spurwechsel kippte der Wagen einfach um. Bilder und Videos davon verbreiteten sich in Windeseile – es war ein PR-Desaster.

Der Elchtest ging viral – auch ohne Internet

Für Teknikens Värld war das ein gutes Geschäft. Denn damals gab es noch nicht das Internet, das wir heute kennen. Trotzdem erfuhr ganz Europa in Windeseile, was ein Elchtest ist – und dass die neue Mercedes A-Klasse ihn nicht bestand. Denn das Echo war gewaltig: Zeitungen sprachen vom „Elchtest-Debakel“, Fernsehsender zeigten das Umkippen in Endlosschleife. Selbst in die Tagesschau, damals noch die absolute Instanz des Nachrichtenwesens, schaffte es die Nachricht.

Für Daimler-Benz, bis dahin Synonym für Ingenieurskunst und Sicherheit, war der Vorfall ein Image-GAU. Zunächst versuchte das Unternehmen, das Problem kleinzureden. Doch die öffentliche Diskussion zwang Daimler-Benz zum Handeln. Der Konzern stoppte die Produktion der A-Klasse. Die Entwickler mussten nachsitzen, rüsteten das Fahrwerk mit härteren Federn aus, verbreiterten die Spur und statteten den Wagen serienmäßig mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP aus.

Vom Skandal zur Wende – Daimler-Benz reagierte gut und löste die Probleme

Besonders mit dem letzten Punkt betrat Daimler-Benz Neuland. Denn die A-Klasse wurde zum ersten Auto ihrer Klasse, das serienmäßig ein ESP hatte. Damit wurde, was als peinliche Blamage begann, am Ende zu einer Zäsur in der Automobilgeschichte. Denn der Elchtest machte ESP bekannt und ebnete den Weg dafür, dass die Technik später in fast allen Fahrzeugen Pflicht wurde. Das macht den Umfaller vom 21. Oktober 1997 zum Wendepunkt in Sachen Fahrzeugsicherheit.

![ ](image:// #img-text)

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?

Ihre Rückmeldung hilft uns, AutoNatives weiterzuentwickeln.

Mehr entdecken