Vergessene Strecke trifft wilden Spider – ein heißer Fiat 124 Spider in Enna-Pergusa

Statt verlassener Strecke: Röhrende Motoren, ein Fiat 124 im Renntrimm und jede Menge Überraschung. Ein sizilianischer Moment in Enna-Pergusa, der im Ohr bleibt.

Tom Schwede
Von Tom Schwede
16. Juli 2025 3 Minuten Lesezeit
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Radikal umgebauter Fiat 124 Spider als Silhouette-Rennwagen bei einer Leistungsprüfung auf der Rennstrecke von Enna-Pergusa
Fiat 124 Spider im Renntrimm bei einem Einzelzeitfahren in Enna-Pergusa – weit entfernt vom Serien-Cabrio, vollgepackt mit echter Renntechnik. (Foto: Tom Schwede)

Sonne, Pasta, Meer – ihr kennt das. Sizilien ist ein herrliches Ziel. Zumal die Mittelmeerinsel über jede Menge Rennsport-Historie verfügt. Targa Florio, Grand Prix von Syracuse und Enna-Pergusa. Das lässt das Herz jedes Motorsportfreundes schwingen. Besonders die alte Rennstrecke rund um den Lago di Pergusa liegt ein wenig verschlafen in der sizilianischen Hügellandschaft. Hier fanden einst großartige Vollgas-Fights in der Formel 2 und bei den Tourenwagen statt. Doch in den letzten Jahren wurde es still, um die großartige Strecke.

Enna-Pergusa ist heute das Herz des sizilianischen Motorsports!

Deshalb rechnete ich bei meinem Besuch mit leeren und verwitterten Tribünen, vielleicht ein paar Seevögel auf dem Asphalt oder im Schilfgürtel zwischen Strecke und See. Doch ich täuschte mich: Auf der Strecke drehten gerade ein paar Motorsportfreunde ihre Runden – eine Leistungsprüfung lief. Es fand in Form eines Einzelzeitfahrens, bei dem die Autos aus der Boxengasse auf die Strecke gingen, eine Runde lang voll auf Angriff fuhren und vor der Boxeneinfahrt wieder stoppten.

Heckansicht des heißen Fiat 124 Spider

Heckansicht des heißen Fiat 124 Spider – im Hintergrund ist die große mächtige Haupttribüne der Rennstrecke von Enna-Pergusa zu sehen. (Foto: Tom Schwede)

Dabei ging es um die Bestzeit, um die reine Geschwindigkeit. Bei den Fahrzeugen gab es offenbar wenig Vorgaben. Vom modernen Tourenwagen und Formel-Fahrzeugen bis zum historischen Formelwagen war alles dabei. Und mittendrin: ein Fiat 124 Spider. Doch nicht irgendein Fiat 124. Dieser hier hatte nichts mehr mit dem charmanten Cabrio der 1970er zu tun. Breite Kotflügel, ein riesiger Heckflügel, Rennslicks und eine Frontpartie, die mehr an Gruppe-5-Tuning als an Dolce Vita erinnerte – das war Motorsport mit ordentlich Pfeffer.

Silhouette statt Serie

Zunächst blieb das Auto ein Mysterium. Kein klassischer Abarth-Look, keine offensichtlichen Hinweise. Ich speicherte es im Archiv – und vergaß das Fahrzeug wieder. Erst mit einigen Jahren Abstand fand ich das Bild eher durch Zufall wieder. Ich nutzte die Bilder-Suche von Google und fand ein weiteres Foto des Autos. Es entstand 2018 bei einem Bergrennen auf Sizilien – also gut ein Jahr nach meinem Besuch in Enna-Pergusa. Nun wusste ich, dass der Fiat am Berg in Klasse für Silhouette-Fahrzeuge antritt.

Dort erzielte sein Pilot Salvatore Lombardo einen Klassensieg (bis zwei Liter Hubraum) und einen zweiten Platz im Feld aller Silhouetten-Fahrzeuge. Der Wagen ist nicht nur spektakulär anzusehen, sondern offenbar auch konkurrenzfähig. Silhouette-Rennwagen sind in der Regel Prototypen, Einzelanfertigungen. Die Karosserie erinnert an das Ursprungsmodell – in diesem Fall den Fiat 124 Spider – doch darunter steckt reine Renntechnik: Leichtbau, Rennfahrwerk, modifizierter Antrieb dazu kommen die breiten Kotflügel und die ausladenden Spoiler.

Überraschung auf der Insel

Trotzdem bleibt noch genug DNA des ursprünglichen 124 Spider übrig, um die Fans des Klassikers zu erfreuen. Die Proportionen, die Scheinwerfer, die Grundform – das alles bleibt sichtbar, trotz der Kampfmontur. Ich hätte nicht erwartet, auf Sizilien einem so extremen Fiat 124 Spider zu begegnen. Und schon gar nicht, ihn später zufällig im Internet wiederzufinden – inklusive Fahrer, Klasse und Ergebnis. Nur echter Rennsport, ganz ohne Werbung, PR-Blabla oder künstliche Inszenierung.

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