Januar 1987: In der Nähe von Kiel fiebere ich meinem 18. Geburtstag und der anstehenden Führerscheinprüfung entgegen. Dazu verfolge ich gespannt, die Nachrichten von der Rallye Paris Dakar. Denn die neunte Ausgabe startet am 1. Januar in Versailles und führt über 13.000 Kilometer in die Hauptstadt des Senegals.

22 Tage sind die 312 Autos, 154 Motorräder und 73 Trucks, die sich der Herausforderung stellen, unterwegs. Wenn sie denn das Ziel am Strand von Dakar erreichen. Denn das ist damals alles andere als selbstverständlich. Ein Jahr zuvor hat Thierry Sabine, der Erfinder des Spektakels, bei einem Hubschrauberabsturz in Mali sein Leben gelassen. Lange war unklar, ob die Rallye ohne den umtriebigen Gründer überhaupt eine Zukunft hat.

Doch der Mythos ist stark genug. Die Rallye existiert bis heute. Irgendwie zumindest, denn aus Angst vor Terror wird inzwischen nicht mehr in Afrika, sondern in Südamerika gefahren. Doch das ist eine andere Geschichte. Bleiben wir mal im Jahr 1987. Damals, in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre, haben die Werke die Rallye Paris Dakar für sich entdeckt.

Porsche ist einer der Vorreiter!

Die Zuffenhausener haben schon 1984 in der Wüste im Porsche 911 4×4 (aka Porsche 953) dem Allradantrieb des Porsche 959 das Laufen beigebracht. 1986 siegt dann der inzwischen fertig entwickelte Porsche 959. Parallel dazu setzt das Verbot der Gruppe auch bei anderen Herstellern Budgets frei. Peugeot geht ab 1987 mit dem Peugeot 205 T16 in die Wüste und gewinnt überlegen. Im Schatten der Franzosen treten besonders auch die japanischen Hersteller gerne bei der Rallye an.

Nissan tritt mit dem robusten Patrol an. Das gefällt mir, weil mein Vater damals, wenn auch in der holsteinischen Tiefebene, mit diesem Geländewagen unterwegs ist. Schon 1986 ist der erste vom Werk eingesetzte Nissan Patrol bei der Dakar dabei. Den Einsatz koordiniert Nissan Spanien. Im Nissan Technical Centre (NTCE) in Barcelona wird aus einem Serienfahrzeug ein Rennwagen. Quasi zur Vorbereitung tritt Nissan 1986 mit dem Patrol bei einigen Raid-Rallyes an und gewinnt sogar dreimal die Diesel-Wertungen.

Auftritt: Nissan Patrol Fanta Limon

Mit Unterstützung von Coca-Cola nehmen im Januar 1987 zwei Fahrzeuge die Herausforderung der Rallye Paris Dakar an. Das Rennen der für die Fanta Lamon werbenden Rennwagen beginnt unglücklich. Schon in der zweiten Etappe von Algier nach Ghardaia streikt der Begleit-Lkw. Der ist übrigens, wie es die Regeln der Rallye vorsehen, ebenfalls als Teilnehmer im Feld unterwegs. Ersatz ist nicht möglich. Die beiden Nissan müssen fortan ohne Service-Team auskommen.

Später muss auch einer der beiden Nissan aufgeben. Die Besatzung hat das Auto auf einer Düne verloren. Doch Miguel Prieto und Ramon Termens erreichen mit ihrem Nissan Patrol Fanta Limon in den Top 10 das Ziel. Für einen seriennahen Geländewagen ist das ein herausragendes Ergebnis. Nebenbei sind die Spanier mit dem japanischen Geländewagen Trendsetter. Denn erstmals ist bei der Rallye Paris Dakar ein Dieselauto in die Top 10 gefahren.

Zurück in der Wüste – zumindest für ein paar Fotos!

Nach dem Rennen verkauft Nissan das Einsatzgerät an einen Sammler. Es landet in einem privaten Automobilmuseum südlich der spanischen Stadt Girona. Mitarbeiter des NTCE in Barcelona stöbern den Patrol dort auf. Doch der Motor ist in einem schlechten Zustand und läßt sich nicht starten. Ratten haben die Elektrik übel zugerichtet. Dazu sind viele Teile stark verrostet. Acht Mitarbeiter des NTCE nehmen sich trotzdem des Rennwagens an.

In ihrer Freizeit bauen die Techniker den Nissan Patrol Fanta Limon wieder auf. Zu den Restaurateuren gehört mit Pedro Diaz Illan, heute Manager im NTCE, auch ein Mitglied des 1987-Einsatzteams. Nach zwei Jahren ist der Nissan wieder einsatzbereit. Zumindest für ein paar Fotos ist der Patrol sogar schon wieder in die Wüste zurückgekehrt. In Zukunft zeigt Nissan den ehemaligen Rennwagen bei ausgewählten Veranstaltungen.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:

Nissan Patrol Fanta Limon in der Wüste - Foto: Nissan

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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