Sports Utility Vehicle (SUV) sind eine vergleichsweise junge Fahrzeuggattung. Denn die Mischung aus Geländewagen-Anmutung und komfortablem Pkw stieg erst in diesem Jahrtausend zu einem weltweiten Phänomen auf. Inzwischen sind SUV in praktisch allen Fahrzeugklassen vertreten. Selbst Käufer von Kleinwagen können heute ein SUV fahren. Angesichts der Tatsache, dass es die ersten Ansätze für solche Crossover bereits vor fast 50 Jahren gab, überrascht diese Entwicklung. Als Urväter der Gattung gelten Fahrzeuge wie der International Harvester Travelall von 1956 oder der 1963 vorgestellte Jeep Wagoneer. Auch der Range Rover von 1970 gilt heute als früher Vorläufer moderner SUV.
Wer etwas sucht, findet durchaus noch weitere historische Fahrzeuge, die in diese Gattung passen. Wenig bekannt ist jedoch der bereits vier Jahre zuvor in Neuseeland präsentierte Škoda Trekka. Der kantige Neuseeländer basiert auf dem Fahrgestell des Škoda OCTAVIA Combi. Hersteller des Trekka war die Motor Lines Ltd. mit Sitz im neuseeländischen Auckland. Motor Lines verdiente sein Geld eigentlich mit dem Import von Škoda-Fahrzeugen. Doch der Markt in Neuseeland war Mitte der 1960er-Jahre streng reglementiert. Auf importierte Fahrzeuge und Fahrzeugteile erhob das Land der Kiwis damals hohe Zölle.
Landwirtschaftliche Fahrzeuge sind steuerbefreit – das ermöglicht den Trekka
Keine Zollhürden gab es lediglich beim Import landwirtschaftlicher Fahrzeuge und der dafür benötigten Teile. Motor-Lines-Juniorchef Philip Andrews sah in diesem Steuerloch die Chance, vom Importeur zum Fahrzeughersteller aufzusteigen. Denn Andrews wusste, dass der Land Rover vielen Bauern schlicht zu teuer war. Zudem kannte er die Prototypen eines landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugs, das der Ingenieur Peter Risbridge aus Kawerau auf Basis eines britischen Bradford entwickelt hatte. Risbridge stellte seine Konstruktion bei Motor Lines im rund 280 Kilometer entfernten Auckland vor – wohl in der Hoffnung auf eine Zusammenarbeit.

Nach eingehender Prüfung entschied sich Andrews jedoch für den Škoda OCTAVIA Combi als technische Grundlage. Auf dessen Fahrgestell entstand eine kantige Interpretation eines frühen SUV. Auch wenn sich die Frontgestaltung unverkennbar am Land Rover orientiert, verfügt der Trekka bereits über viele Merkmale moderner SUV. Den Antrieb übernimmt der 1.221 Kubikzentimeter große und 47 PS (35 kW) starke Vierzylindermotor aus dem Škoda OCTAVIA Combi. Er treibt – wie im tschechischen Original – auch im Trekka die Hinterräder an. Nach dem Bau von zwei Prototypen startet am 2. Dezember 1966 die Serienfertigung.
Der Export des Škoda Trekka scheitert
Schon während der Entwicklung stieg der Unternehmer Noel Turner in das Projekt ein. Mit seiner Finanzspritze wurde aus Motor Lines die Motor Holdings. Zum Verkaufsstart kostete der Trekka mit £899 übrigens weniger als ein Morris 1100, bot jedoch deutlich mehr Platz. Möglich machte diesen Preis auch die rationelle Fertigung. Denn den zunächst offenen Trekka gab es anfangs nur in einer einzigen Farbe. Als einziges Extra war eine Anhängerkupplung erhältlich. Die Karosserien fertigte Motor Holdings aus handgeformten Stahlblechen. So entstanden täglich bis zu sechs Fahrzeuge, wobei der Rasenmäherhersteller H. J. Ryans die Motor Holdings unterstützte.

Im ersten Jahr verkaufte Motor Holdings 708 Fahrzeuge. Schon im Januar 1968 lief der 1.000. Trekka vom Band. Im gleichen Jahr entstanden Pläne, das Auto zu exportieren. Einige Fahrzeuge gingen nach Fidschi und in andere Inselstaaten des Pazifiks. Auch Australien rückte in den Fokus. Nach langen Verhandlungen erklärte sich Australien bereit, jährlich 720 Trekka zollfrei einzuführen, wenn im Gegenzug Neuseeland ebenso viele Fahrzeuge von Holden abnahm. Doch das Geschäft kam nicht wie erhofft ins Rollen. Denn in Australien fand der Trekka weniger als 100 Käufer. Die Farmer dort bevorzugten robustere Lieferwagen aus heimischer Produktion.
Nach rund 2.500 Exemplaren ist Schluss – der Octavia läuft aus
Motor Holdings suchte deshalb nach weiteren Absatzmärkten. Zeitweise lieferte das Unternehmen sogar Bausätze des Trekka nach Indonesien. Doch auch dort wurde das Fahrzeug kein Erfolg. Hinzu kam, dass den Neuseeländern bald die Spenderfahrzeuge ausgingen. Denn der Octavia war in der Tschechoslowakei längst ein Auslaufmodell. Die Stufenheckversion hatte bereits Mitte der 1960er-Jahre der Škoda 1000 MB mit selbsttragender Karosserie ersetzt. Der Kombi lief 1971 endgültig aus. Damit fehlte den neuseeländischen Autobauern die technische Grundlage. Anfang 1973 endete daher die Produktion des Trekka. Bis dahin entstanden insgesamt rund 2.500 Exemplare.
Während der rund sechsjährigen Produktionszeit entwickelte Motor Holdings den Trekka kontinuierlich weiter. Das Leinenverdeck der ersten Modelle ersetzte schon bald optional ein Dach aus Fiberglas. Zudem verbesserte das Unternehmen den Sitzkomfort. Außerdem zeigte sich, dass das serienmäßige Škoda-Differenzial den harten Anforderungen auf Bauernhöfen und Baustellen nicht immer gewachsen war. Daher war ab etwa 1970 optional auch ein Sperrdifferenzial erhältlich, um den Trekka besser für Fahrten abseits befestigter Wege auszurüsten.
Trotz dieser Weiterentwicklungen blieb der Škoda Trekka nur eine kurze Episode der Automobilgeschichte. Vermutlich wäre er heute nahezu vergessen, wenn die Škoda-Traditionsabteilung ihren Trekka nicht regelmäßig bei Oldtimer-Veranstaltungen präsentieren würde.
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