1985 boten viele Hersteller neben ihren Limousinen und Kombis oft auch ein Coupé an. Diese standen meist für sportliche Eleganz. Sie sprachen Alleinfahrer an, die oft längere Strecken mit dem Auto zurücklegten und dabei keine Musterkoffer transportieren mussten, wie Vertreter das damals gern taten. So strahlten Coupés oft eine gewisse Gediegenheit aus und verzichteten auf allzu futuristische Designs oder gar Allradtechnik.
Der Subaru XT Turbo war eine Überraschung!
Subaru war damals für robuste, praktische Modelle wie den Leone, einen eher unspektakulären Kompaktwagen mit Front- oder zuschaltbarem Allradantrieb, bekannt. Die Kunden der Marke erwarteten solide Technik, einen Hauch Vernunft und allenfalls eine geringe Prise Abenteuer für Landstraßen und Schotterwege – aber sicher keinen kleinen Jet auf Rädern. Umso größer war die Überraschung auf der IAA 1985, als der japanische Autobauer seinen Subaru XT Turbo 4WD enthüllte.

Denn dort stand plötzlich ein Sportcoupé, das mit keilförmiger Silhouette, einer Panoramakanzel und Klappscheinwerfern futuristisch wirkte. Hier verschmolzen Design, Aerodynamik und Geschwindigkeit zu einer Form, die damals aus der Zeit fiel. Zumal die große Zeit keilförmiger Autos eigentlich vorbei war. Inzwischen waren aerodynamisch ausgefeilte Karosserieformen, die ihren geringen cW-Wert wie ein Matra vor sich hertrugen, in Mode.
Trotzdem war der XT ein Kind seiner Zeit!
Dabei passte der Subaru XT Turbo 4WD mehr in die Zeit, als das auf den ersten Blick erscheint. Denn dank eines teilverkleideten Unterbodens, seitlicher Windabweiser, einer integrierten Frontscheibenantenne, Klappscheinwerfern und versenkten Türgriffen bot auch das japanische Sportcoupé einen cW-Wert von 0,29. Es folgte damit dem Zeitgeist der Aerodynamik-Revolution, die Audi 1982 mit dem Audi 100 (C3 – Typ 44) der dritten Generation einleitete. Wobei Subaru einen eigenen Weg fand und Designideen aus der Luftfahrt auf die Straße transferierte.

So verfügt der Subaru über einen damals noch seltenen Einarm-Scheibenwischer. Der Schaltknauf erinnert an einen Joystick. Alles an diesem Auto signalisierte einen Hauch von Science-Fiction, ohne jedoch übertrieben verspielt zu wirken. Doch der XT Turbo war nicht nur ein optisches Statement. Unter der Haube arbeitete ein Turbo-Boxermotor, der mit 1,8 Litern Hubraum 136 PS (100 kW) leistete. Wobei sich das Triebwerk wie ein großer Sauger fuhr, denn bereits ab 2.800/min stand der volle Ladedruck zur Verfügung. In den USA und Japan gab es auch eine 145 PS starke Sechszylinder-Version.
Mit dem XT erfand sich Subaru neu!
Zusammen mit einem permanenten Allradantrieb, den Subaru ab 1987 serienmäßig anbot, ergab das eine Fahrdynamik, die in der Kompaktklasse selten war. Ein Faktor war der – wie Subaru es nennt – symmetrische Allradantrieb, den der XT von seinen Brüdern der Subaru L-Serie erbte. Denn wie dort liegen auch im XT der Motor, das Getriebe und die Achsen auf einer Ebene. Dazu sorgt der Boxermotor für einen tiefen Schwerpunkt. Alles zusammen ergibt ein ausgewogenes Handling und definiert bis heute die Grundsätze der Marke Subaru.

Dazu glänzte der Subaru XT Turbo mit vielen Details, die so in der Kompaktklasse damals eher ungewöhnlich waren. Dazu zählt beispielsweise die optional angebotene elektronische Viergang-Automatik mit variabler Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Dazu kam ein durchdachter Innenraum, in dem es einen höhenverstellbaren Instrumententräger und ein verschiebbares Lenkrad gab, und eine Rundumsicht wie im Cockpit – alles Elemente, die ebenfalls an den Flugzeugbau erinnerten.
Keke Rosberg als Markenbotschafter
Für Subaru, wo bis dato eher konservative Fahrzeuge entstanden, war der XT Turbo 1985 ein wichtiger Imageträger. Wohl auch deshalb setzten die Japaner ihr Coupé regelmäßig spektakulär in Szene. 1987 hatte es bei der Jubiläumsfeier „60 Jahre Nürburgring“ einen ersten großen Auftritt. Der Hochseilartist Johann Traber fuhr das Subaru-Coupé auf zwei nur fingerdicken Drahtseilen bis zur Spitze eines 52 Meter hohen Mastes. Zwei Jahre später war der Subaru in den USA das offizielle Fahrzeug des „Super Bowl XXIII“. Dauz warb Markenbotschaft Keke Rosberg für den XT.

Bis 1991 blieb der XT Turbo, der in Deutschland mit einem Preis von rund 40.000 DM kein Schnäppchen war, im Subaru-Programm, dann löste der SVX den XT Turbo ab. Insgesamt entstanden fast 100.000 Exemplare des XT, wovon jedoch nur 1.056 den Weg nach Deutschland fanden. Damit blieb das Coupé von Subaru auf unseren Straßen ein Exot. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Denn am 1. Januar 2024 waren nur noch 16 Subaru XT Turbo in Deutschland zugelassen. Heute gilt der XT Turbo als Design-Ikone und Meilenstein und erinnert daran, wie spannend die Autos der 1980er-Jahre waren.
1985 eine Überraschung, heute ein Klassiker!
Damals kamen Innovationen manchmal aus den unerwartetsten Ecken. Und so war der Subaru XT Turbo ein Auto, das nicht nur die Subaru-Fans überraschte, sondern die gesamte Autowelt. Er bot eine mutige Mischung aus Sport, Technik und futuristischem Design, die damals kaum jemand erwartet hatte. Mit seinem Mut zu technischen Details, seinem Sinn für Aerodynamik und seinem ungewöhnlichen Design fuhr er weit über die Erwartungen der Zeit hinaus.
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