Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Japans Wirtschaft am Boden. Die japanische Regierung erkannte früh die strategische Bedeutung einer eigenen Automobilindustrie für das Wirtschaftswachstum und die technologische Unabhängigkeit. Mit zinsgünstigen Krediten und gezielten Forschungsaufträgen förderte das „Ministry of International Trade and Industry“ (MITI) gezielt Unternehmen, die sich mit dem Auto beschäftigten. 1955 folgte der sogenannte „People’s Car“-Plan – eine Richtlinie zur Förderung kleiner, preisgünstiger und massentauglicher Autos für den japanischen Markt.
Ein erster Wurf: Technologieträger Subaru 1500
Dieses Programm motivierte die japanische Industrie, eigene Entwicklungen voranzutreiben. Zu ihnen gehörte auch Fuji Heavy Industries – ein 1953 gegründetes Konglomerat, das die zivilen Bestandteile des ehemaligen Rüstungsherstellers Nakajima Hikōki unter einem Dach zusammenführte. Zu den Produkten von Fuji Heavy Industries gehörte auch der bereits 1946 in einer ehemaligen Flugzeugfabrik gefertigte Motorroller Fuji Rabbit S-1. Ihn trieb ein 135 ccm großer, luftgekühlter Einzylinder an. Wobei dieser – das war durchaus ungewöhnlich – als Viertakter arbeitete. Standard waren zu dieser Zeit eher Zweitaktmotoren.
Schon 1954 zeigte Fuji Heavy Industries sein erstes Auto. Es war die Mittelklasselimousine „Subaru 1500“ („Subaru“ japanisch für Vereinigung) mit 1,5-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor. Was heute eher konservativ klingt, entpuppte sich in der Praxis als technologisches Statement. Denn der Subaru 1500 verfügte über eine selbsttragende Karosserie – ein Konstruktionsmerkmal, das zu jener Zeit in Japan nahezu revolutionär war. Die Torsionssteifigkeit war für damalige Verhältnisse beeindruckend. Auch das Design mit seiner klaren Pontonform und großzügigen Panoramaverglasung wirkte modern und europäisch inspiriert.
Durch den Motorenstreit und Markthindernisse blieb es bei 20 Exemplaren
Die ersten elf Fahrzeuge entstanden mit einem von Fuji Precision Industries gelieferten, 48 PS leistenden Vierzylinder. Dieser basierte auf dem Motor des Peugeot 202 – Fuji Precision Industries, ebenfalls aus Nakajima Hikōki hervorgegangen, fertigte diesen in Lizenz. Doch die Prince Motor Company übernahm im April 1954 Fuji Precision Industries. Zu den ersten Entscheidungen der neuen Herren gehörte, die Lieferung des erworbenen Motors an Fuji Heavy Industries einzustellen.

Doch Fuji Heavy Industries war vorbereitet. Die folgenden Subaru 1500 erhielten einen selbst entwickelten Vierzylinder mit 55 PS Leistung. Die Prince Motor Company sah in dem Subaru 1500 von Fuji Heavy Industries einen möglichen Herausforderer für ihren 1952 eingeführten Prince Sedan. Nur neun Subaru 1500 mit dem eigenen Motor sollte Fuji Heavy Industries noch bauen. Denn die Produktion verlief schleppend – vor allem, weil geeignete Fertigungsanlagen fehlten und das Vertriebsnetz noch im Aufbau war.
Lehren aus dem Versuch: Subaru 360 statt 1500
Nur für 14 der gebauten Fahrzeuge fand sich ein privater Käufer. Sechs weitere Fahrzeuge stellte Fuji Heavy Industries Taxiunternehmen in Isesaki, Ōta und Honjō Cities zur Verfügung. Das brachte den Entwicklern wertvolle Erkenntnisse. Denn dort lief der Subaru 1500 parallel zum Toyota Corona und dem Prince Skyline. Dabei schlug sich der erste Subaru gut, bewies seine Robustheit und Zuverlässigkeit. Doch Fuji Heavy Industries erkannte, dass die Aufnahme der Serienproduktion die finanziellen Mittel des Unternehmens überforderte.
Deshalb endete die Produktion nach 20 Exemplaren. Fuji Heavy Industries begann stattdessen – inspiriert vom „People’s Car“ – mit der Entwicklung eines Kleinwagens. Der feierte 1958 als Subaru 360 Premiere. Trotzdem gilt der 1500 heute in Japan als technologischer Meilenstein. Er war nicht nur das erste Auto mit Subaru-Logo, sondern auch ein Symbol für den Willen, eigene Wege zu gehen. Und er war nicht nur Subarus erstes Fahrzeug – er blieb fast 60 Jahre lang der einzige Subaru mit Frontmotor und Hinterradantrieb. Das sollte es erst 2012 beim Subaru BRZ wieder geben.
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