Während in der Formel 1 mit Bruce McLaren und Jack Brabham gleich zwei Fahrer Rennen in Fahrzeugen, die ihren Namen trugen, gewannen, ist dies in Le Mans nur einem einzigen Fahrer gelungen. Jean Rondeau, der heute vor 27 Jahren bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, gewann mit dem von ihm gebauten Rondeau M379B fünf Jahre vor seinem Tod das Rennen.

Der Wunsch Rennfahrer zu werden, ist bei Jean Rondeau wahrscheinlich schon entstanden, als er mit drei Jahren das erste Mal das 24-Stunden-Rennen in seiner Geburtsstadt Le Mans erlebte. Wie viele junge französische Rennfahrer der Nachkriegsgeneration begann Jean Rondeau seine Karriere in der „Formula France“. Die heutige Formel Renault galt ab 1968 in Frankreich als die optimale Ausbildungsstätte für den Motorsport-Nachwuchs. Doch Rondeau erkannte bald, dass ihm die schwereren Touren- und Sportwagen besser als die leichteren Formelfahrzeuge liegen würden. Bereits 1972 nahm Jean Rondeau erstmals am 24 Stunden-Rennen in seiner Heimatstadt Le Mans teil. Zwei Jahre später folgte der nächste Start, bei dem dem Nachwuchsfahrer die erste Zielankunft in Le Mans gelingen sollte.

Nach einem Engagement bei Mazda, wo Rondeau 1975 gemeinsam mit Claude Bouchet einen Wankelmotor Mazda RX-3 in Le Mans einsetzte, reifte der Entschluss zur Gründung eines eigenes Teams. Dazu trug auch bei, dass das zu tiefst französische Rennen von Le Mans gerade Zeit eine ziemlich britische Angelegenheit war. Nach dem Rückzug von Matra – die Equipe National hatte das Rennen von 1972 bis 1974 dreimal am Stück gewonnen – diktierten jetzt die vom britischen Cosworth-Motor angetriebenen Mirages und Lola an der Spitze das Tempo.

Um einfacher Sponsoren zu finden, wollte Jean Rondeau ähnlich wie der Peugeot-Designer Gérard Welter zunächst einen Sportwagen mit dem „Euro-V6“ auf die Beine stellen. Doch Rondeau erkannte schnell, dass der Motor nicht das Niveau des Cosworth erreichen würde. Anders als Welter konstruierte der Rennfahrer daher seinen Erstling rund um den Cosworth-Motor. Entstanden ist der erste „Rondeau“ übrigens in der eigenen Garage, über eine echte Werkstatt verfügte Jean Rondeau zu dieser Zeit noch nicht.

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Der erste Rondeau wurde vom Tapetenhersteller Inaltera finanziert. (Foto: Tom Schwede)

Jean Rondeau überzeugte Inaltera von seinem Projekt. Der Tapetenhersteller gab dem Rennwagen seinen Namen finanzierte im Gegenzug den Bau, den Einsatz und die Piloten der Fahrzeuge vollständig. Rondeau meldete den Sportprototypen in Le Mans in der amerikanischen GTP-Klasse, die die Top-Piloten Jean-Pierre Beltoise und Henri Pescarolo schon im ersten Versuch überlegen gewinnen konnten  – deutlich vor dem in der gleichen Klasse startenden WM P76 von Gérard Welter. Angesichts des überlegenen Porsche 936 hatte man mit einem Rückstand von 44 Runden diesmal – trotz der prominenten Piloten – allerdings noch keine echten Ambitionen auf den Sieg.

Jean Rondeau hatte einen Sportprototypen gebaut

Während die anderen Teams mit ihren Gruppe-6-Sportwagen in der Sportwagen-Weltmeisterschaft antraten, beschränkte sich Jean Rondeau zu dieser Zeit im Wesentlichen auf das Rennen in seiner Heimatstadt. Nur bei den 24-Stunden von Daytona ging man im Februar 1977 zusätzlich an den Start, erreichte dort jedoch mit beiden Fahrzeugen nicht das Ziel. Zurück bei den 24-Stunden von Le Mans gewannen Jean Ragnotti und Jean Rondeau als Konstrukteur und Fahrer in Personalunion mit dem Inaltera erneut die GTP-Klasse. Nach dem achten Rang im Vorjahr erreichte man im Gesamtklassement dabei nun schon Platz vier. Doch nach einem Inhaberwechsel zog sich Sponsor Inaltera im Anschluss an das Rennen zurück. Die drei gebauten Rennwagen, die wie das gesamte Material der Tapetenfabrik gehörten, landeten über den Schweizer Motorenbauer Heini Mader bei dem Schweizer-Rennfahrer und Sammler André Chevalley, der mit einem der Fahrzeuge auch 1978 in Le Mans antrat.

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Inzwischen sind die originalen Inaltera restauriert und werden bis heute regelmäßig bei historischen Motorsport-Veranstaltungen in Le Mans eingesetzt. (Fotos: Tom Schwede)

Jean Rondeau machte sich nach dem Verkauf sofort an die Konstruktion eines neuen Fahrzeugs. Erneut entstand das Fahrzeug, das der Konstrukteur jetzt Rondeau M378 nannte, rund um den bewährten Cosworth-Motor. Kurz vor dem Rennen in Le Mans wurde das Fahrzeug fertig und von seinem Erbauer wieder in der GTP-Klasse genannt. Damit vermied Rondeau weiterhin eine direkte Konfrontation mit den Werksteams von Porsche und Renault. Mit einem weiteren Klassensieg – vor dem von André Chevalley eingesetzten Inaltera – feierte Rondeau so bereits den dritten Erfolg an der Sarthe.

Das Fundament war damit gegossen

Dank der drei Klassensiege wurden weitere Sponsoren für die Werbeflächen des Teams empfänglich. Mit ihrem Geld im Rücken wagte Rondeau den Angriff auf den Gesamtsieg. Der Rondeau M379 entstand – anders als die Vorgänger – nach den Regeln der Gruppe 6 und der Konstrukteur übernahm zunächst nur noch die Rolle des Teamchefs. Als Piloten verpflichte Rondeau mit Jean Ragnotti und Bernard Darniche sowie Henri Pescarolo und Jean-Pierre Beltoise vier Profis. Beim einzigen Auftritt des Teams im Rennjahr 1979 sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Obwohl am Ende erneut ein Klassensieg heraussprang, wurde das Rennen ein kleiner Rückschlag. Denn den Gesamtsieg sicherte sich ein Kremer Porsche 935 K3 der „seriennahen“ Gruppe 5. Trotzdem konnte Jean Rondeau ein Jahr später sogar drei Fahrzeuge ins Rennen schicken. Neben nun zwei M379 in der Gruppe 6 ging ein weiterer M379 wieder in der GTP-Klasse an den Start.

Rondeau M379B - Le Mans Sieger 1980
Der siegreiche Rondeau M379B (Foto: Antoine)

In einem der Fahrzeuge griff nun wieder auch der Konstrukteur selbst ins Lenkrad. Gemeinsam mit Jean-Pierre Jaussaud, der das Rennen 1978 mit Didier Pironi für Renault gewonnen hatte, teilte sich Rondeau ein Gruppe-6-Fahrzeug. Bei wechselhaften Witterungsbedingungen lag dieses Fahrzeug während des gesamten Rennens in Schlagdistanz zur Spitze. Nach einer spannenden Auseinandersetzung mit dem verkappten Porsche 936, der von Reinhold Joest als Porsche 908/80 genannt wurde, fuhr der Rondeau schließlich als Sieger ins Ziel. Jean Rondeau wurde damit der erste Konstrukteur, der mit dem eigenen Wagen in Le Mans zum Sieg fahren konnte. Mit einem dritten Platz für das Vorjahresfahrzeug, das übrigens im Mai 2012 in Monaco für 358.400 € versteigert wurde, rundete Rondeau den Erfolg des jungen Teams auf ganzer Linie ab.

Der Aufstieg zu einem gefragten Konstrukteur

Längst entstanden die Fahrzeuge nicht mehr in der heimischen Garage. Das Team hatte sich innerhalb kurzer Zeit zu einer festen Größe des Langstreckensports entwickelt. Ein Jahr nach dem Triumph kehrte man mit gleich fünf (!) Werkswagen nach Le Mans zurück. Doch das Rennen geriet zur Tragödie als Jean-Louis Lafosse nach rund 30 Runden mit einem Rondeau tödlich verunglückte. Unbeirrt, obwohl bei dem Unfall zwei Streckenposten schwer verletzt wurden, lies Jean Rondeau die weiteren Fahrzeuge des Teams im Rennen, konnte den Vorjahreserfolg jedoch trotz aller Anstrengungen nicht wiederholen. Deutlich geschlagen vom Porsche 936 des Werks belegten die besten Rondeau M379 die Plätze zwei und drei.

Rondeau M379, Le Mans 1979
Der für den Kunden Primagaz eingesetzte Rondeau M379 mit den Piloten Pierre Yver (hier am Steuer), Bruno Sotty und Lucien Guitteny rettete 1982 mit Platz zehn die Ehre des Team Rondeau beim Heimspiel in Le Mans. (Foto: Ford)

Doch mit der Einführung der Gruppe C veränderte sich die Sportwagen-Szene. Zwar sicherte sich Rondeau mit dem neuen Rondeau M382 als erster Gesamtsieger eines Gruppe C Rennens einen weiteren Platz in den Geschichtsbüchern, doch am Ende der Saison musste man sich in der WM-Wertung Porsche geschlagen geben. Selbst im Wohnzimmer des Teams, den 24-Stunden von Le Mans, wo 1982 gleich sechs Rondeau (drei Werkswagen, drei Kundenfahrzeuge) am Start waren, dominierte Porsche. Rondeau ärgerte, dass der WM-Titel verloren ging, weil Porsche  – anders als sein kleines Team  – nicht nur mit dem Gruppe C Prototypen sondern auch mit dem Porsche 930 der Kunden in der Gruppe B für die WM-Punkte sammeln konnte.

Jetzt „drohte“ Porsche auch noch, den überlegenen Porsche 956 an Kunden zu verkaufen. Jean Rondeau erkannte, dass die Zeit der privaten Hersteller zu Ende ging. Tief enttäuscht schloss der Franzose Ende 1982 die Tore seines Werksteams. In den kommenden Jahren träumte Jean Rondeau von zahlreichen Projekten. Doch der geplante Rennwagen für die Formel Ford erblickt nie das Licht der Öffentlichkeit. Freunde sagen, die Formel 1 hätte ihn gereizt. Doch das Projekt konnte Rondeau, wenn er es denn angestrebt haben sollte, ebenfalls nicht verwirklichen.

Das frühe Ende an einem Bahnübergang

Der Rennfahrer Jean Rondeau kehrte noch dreimal nach Le Mans zurück. 1983 letztmals am Steuer eines von Ford Frankreich eingesetzten Rondeau. 1984 fuhr der Franzose mit einem Porsche 956 sogar auf Platz zwei. Beim Abschied als Pilot saß Rondeau dann im Sommer 1985 in einem Rennwagen von Gérard Welter. Als Konstrukteur sollte Rondeau noch bis 1988 regelmäßig in Le Mans zu Gast bleiben, auch über seinen Tod hinaus. Denn im Dezember 1985 wurde Jean Rondeau mit seinem Auto von einem Zug erfasst. Der Wagen des Franzosen war auf den Schienen eines Bahnübergangs zum Stehen gekommen, als sich die Schranken absenkten. Jean Rondeau, der vom Le Mans Veranstalter ACO bis heute als Local Hero verehrt wird, verstarb noch an der Unfallstelle.

3 Kommentare

  1. Jörg aus F. Reply

    Der Welter hat doch diese Luftpumpen gebaut, die am Anfang des Rennens schrecklich Alarm machen sollten und dann lustig hochgingen. So nach dem Motto: einmal in Führung gehen, einmal 400 km/h auf der langen Geraden fahren und dann ausfallen.

    • Weiß ich nicht. Habe das auch gedacht, aber niemanden gefunden, der das bestätigen kann / wollte. Insofern bleibt das eine Spekulation, für die ich keinen Hinweis / Beleg liefern kann.

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