
Es schien nur eine Frage der Zeit, bis einer von ihnen diesen historischen Triumph erreichen würde. Arnoux, Pironi, Prost oder Tambay? Die Frage war nicht ob, sondern wann einer dieser Piloten den WM-Titel holen würde. Im Sommer 1982 sah es tatsächlich so aus, als ob Didier Pironi das Rennen machen könnte. Doch nach einem schweren Unfall im Training zum Großen Preis von Deutschland auf dem regennassen Hockenheimring blieb Pironis Formel-1-Karriere unvollendet. Der französische Rennfahrer sollte nie wieder ein Formel 1-Rennen fahren.
Der Weg in den Rennsport
Durch seinen älteren Bruder José Dolhem fand Didier Pironi schon als Schüler Gefallen am Motorsport. Doch während Dolhem eher als Playboy-Rennfahrer galt, verfolgte der 1952 geborene Pironi seine Karriere von Anfang an mit dem nötigen Ernst. Mit 21 Jahren sicherte sich Pironi das „Volant Elf“ der französischen Rennfahrerschule Winfield – eine begehrte Auszeichnung, die mit einem großzügigen Förderpaket des Mineralölherstellers Société Nationale Elf Aquitaine ausgestattet war. Dieses ermöglichte dem Gewinner den Einstieg in höhere Rennklassen.
Die ersten Erfolge
Pironi zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen schnell zurück, gewann 1974 und 1976 den Titel in der Formel Renault. 1977 folgte Platz drei in der Formel-2-Europameisterschaft – mit einem von der Écurie Renault Elf eingesetzten Martini Mk 22. Mit diesem Erfolg im Rücken gelang ihm bereits 1978 der Aufstieg in die Königsklasse des Motorsports. Pironi entschied sich für ein Lehrjahr bei Ken Tyrrells Formel-1-Team. Die Saison 1978 verlief jedoch ernüchternd: Mit sieben WM-Punkten blieb Pironi weit hinter seinem Teamkollegen Patrick Depailler, der 34 Punkte erzielte.

Aufstieg und erster GP-Sieg
Doch schon 1979 überflügelte Pironi seinen neuen, weitaus erfahreneren Teamkollegen Jean-Pierre Jarier. Nach zwei Jahren bei Tyrrell folgte 1980 der Wechsel zum französischen Nationalteam von Guy Ligier. Bereits im fünften Rennen für Ligier feierte Pironi in Zolder seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Dennoch trübten zahlreiche Ausfälle in der zweiten Saisonhälfte das Verhältnis zwischen ihm und dem Teamchef.
Ferrari und der Turbo-Traum
Nach einem fünften Platz in der Gesamtwertung 1980 nahm Pironi das Angebot von Enzo Ferrari an und wechselte 1981 zu den Roten. Dort übernahm Pironi das Cockpit von Jody Scheckter. Besonders reizte ihn die Aussicht, mit einem Turbomotor zu fahren – ein Bereich, in dem Pironi bereits Erfahrung gesammelt hatte: 1978 hatte gewann der Franzose mit einem Alpine A442B die 24 Stunden von Le Mans.
Die erste Saison bei Ferrari verlief jedoch enttäuschend: In 15 Rennen fiel Pironi siebenmal aus, blieb sieglos und erzielte lediglich neun Punkte. Zum Vergleich: Teamkollege Gilles Villeneuve gewann zwei Rennen.
Die kontroverse Saison 1982
Trotzdem ging Pironi optimistisch in die Saison 1982. Beim Großen Preis von San Marino kam es zu einem dramatischen Duell mit Villeneuve. Die Ferrari-Teamleitung versuchte, das Rennen mit der Anweisung „SLOW“ zu beruhigen, doch Pironi setzte sich in der Schlussrunde durch und gewann. Villeneuve fühlte sich betrogen; das Verhältnis der beiden Piloten galt daraufhin als zerrüttet. Zwei Wochen später verunglückte Villeneuve in Zolder tödlich.

Pironi übernahm bald die WM-Führung und stand in den folgenden sechs Rennen fünfmal auf dem Podium. Doch beim Training zum Großen Preis von Deutschland in Hockenheim endete seine Erfolgsserie abrupt: Im strömenden Regen kollidierte sein Ferrari mit Alain Prosts Renault. Pironi erlitt schwere Beinverletzungen, die zahlreiche Operationen erforderlich machten und ihn zur Aufgabe seiner Formel 1-Karriere zwangen.
Ein Comeback blieb aus
Pironi verfolgte die verbleibende Saison kampflos vom Krankenbett aus und wurde punktgleich mit John Watson Vizeweltmeister – ein Erfolg, der jedoch sicherlich bitter schmeckte. Später testete Didier Pironi zwar noch Formel 3- und Formel 1-Fahrzeuge, doch ein Comeback scheiterte an finanziellen und gesundheitlichen Hürden. Auch seine Test für AGS und Ligier 1986 führte zu keinem Vertrag, da Pironi bei einem Comeback erhaltene Leistungen seiner Berufsunfähigkeitsversicherung hätte zurückzahlen müssen.
Das tragische Ende beim Powerbootrennen
Stattdessen wandte sich Pironi dem Powerbootsport zu. Am 23. August 1987 verunglückte der Franzose mit seinem hochmodernen Kohlefaser-Boot „Colibri“ bei einem Rennen vor der Isle of Wight tödlich. Das Boot überschlug sich nach einer Kollision mit der Bugwelle eines Tankers. Pironi und seine beiden Mitfahrer, der Journalist Bernard Giroux und der Navigator Jean-Claude Guenard, kamen ums Leben.
Zum Zeitpunkt des Unfalls war Pironis Lebensgefährtin Catherine Goux schwanger. Die Zwillinge, die nach seinem Tod zur Welt kamen, nannte sie Didier und Gilles – das war ein tragisches Echo auf die Rivalität und Freundschaft der beiden Ferrari-Piloten.
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