Auto-Erinnerungen

Der erste Toyota Prius hat das Zeug zum Klassiker

Auf der IAA in gut zwei Wochen präsentiert Toyota die vierte Generation seines Prius. Als Auto-Blogger mit überdurchschnittlichem Bezug zu Klassikthemen eine gute Gelegenheit, um einmal über den ersten Prius nachzudenken. Der kam vor 15 Jahren bei uns auf den Markt. Und der hat heute das Zeug zum Klassiker von morgen.

Seit ein paar Jahren habe ich das Vergnügen, regelmäßig Oldtimer- und Youngtimer-Treffen zu moderieren. Dabei stelle ich dem Publikum immer wieder auch Fahrzeuge vor, die bei ihrer Vorstellung technisch besonders innovativ waren. Kürzlich hatte ich zum Beispiel einen Citroën SM bei mir auf der Bühne. Das Oberklasse-Coupé war in der ersten Hälfte 1970er-Jahre wirtschaftlich ein Flop. Trotz technischer Highlights wie einem mechanischen Kurvenlicht und der geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung (DIRAVI). Vielleicht, weil es seiner Zeit einfach zu weit voraus war.

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.

Gerade beim Autokauf scheint diese Weisheit bis heute traditionell zu gelten. Sie gilt genauso für neue Marken wie auch für besonders innovative Produkte. Die japanischen Hersteller benötigten in den 1960er und 1970er-Jahren zwei Modellgenerationen und teilweise auch eine aggressive Preisstrategie, bis sie sich auf dem Markt im alten Europa zum Establishment zählen durften. Ähnlich geht es heute den koreanischen Herstellern.

Doch wer heute einen alten Toyota Corolla oder einen Mitsubishi Colt sein eigen nennen darf, ist längst Besitzer eines raren Klassikers. Denn von diesen Fahrzeugen haben kaum Fahrzeuge überlebt. Vor allem auch deshalb, weil die ersten japanischen Autos in Europa in den 1980er Jahren ein typisches Anfängerauto waren. Billig, einfach und robust, das möchten besonders Fahranfänger.

Auch innovative Produkte tun sich oft erstaunlich schwer.

Wer erinnert sich noch an die Formel E Modelle von Volkswagen. Mit einer Start-Stop-Funktion und einem lang übersetzten vierten Gang waren die Energiesparmodelle VWs Antwort auf die Ölkrise. Beim Youngtimer Vestival in Herten, das ich moderiere, begeisterte im vergangenen Frühjahr ein VW Santana Formel E die Zuschauer. Auch dieses Fahrzeug war als Gebrauchter vor zehn oder 15 Jahren nahezu unverkäuflich.

Audi duo, 1997
Mit dem Audi duo bot Audi 1997 einen Plugin-Hybrid an. (Foto: Audi)

1997 war Audi der erste europäische Automobilhersteller, der einen waschechten Plug-in-Hybrid anbot: Der Audi duo auf Basis des A4 Avant (Generation B5). Für seinen Antrieb sorgten ein 1,9 Liter TDI mit 90 PS und zusätzlich ein Elektromotor mit 29 PS. Gemeinsam trieben beide die Vorderräder an; eine Blei-Gel-Batterie im Heck speicherte die elektrische Energie. Doch das Projekt wurde bereits 1998 wieder eingestellt. Die Kunden verschmähten das Hybridfahrzeug.

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan.

Zwei Jahre nach dem duo von Audi gab es in Deutschland den ersten Toyota Prius zu kaufen. Durch sein ungewöhnliches Äußeres war der erste Plugin-Hybrid der Großserie immer ein Auto für Überzeugungstäter. Auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt gilt der Prius bisher als schwierig. Trotzdem bin ich mir sicher, dass der erste Toyota Prius das Zeug hat, um in ein paar Jahren auf Youngtimer-Treffen richtig Eindruck zu schinden. Wir sehen uns, in ein paar Jahren beim Youngtimer Vestival in Herten.

Bilder vom ersten Toyota Prius


In einer ersten Version dieses Artikels hatten wir einen Prius II als Titelbild. Ein "freundlicher Leser", dem der Grundsatz "No jokes with names!" nicht geläufig war, wies uns daraufhin.

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Themen in diesem Artikel:

Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.